Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1869)
- Date
- 1869-12-28
- Page
- Seite 1044 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1044 sters v. Golther statt, welcher wiederholt darauf hinwies, daß der den Kirchengemeinden des Landes mitgetheilte Entwurf die Eigenschaft eines ganz vorl ä u fi g e n habe, wodurch der freien Meinungsäußerung der Dclegirten in keiner Weise präjudiziert werden solle. Weiter bemerkte der Hr. Minister, er gehe davon aus, daß an den Abstimmungen, wie sie im Verfolg der Berathung stattfinden werden, jedesmal nur dieDelegirtenTheil nehmen, während die Mitglieder der Oberkirchenbchörde sich darauf beschränken werden, im Laufe der Berathung die erforderlichen Erläuterungen bezüglich des Entwurfs zu geben. Bei Beginn der Verhandlungen wurde der Kommission freigestellt, ob sie zunächst einen Ausschuß aus ihrer Mitte unter Bestellung von Referenten und Corefercnten behufs der Vorberathung und Berichterstattung über den der Kommission vorgelegten vorläufigen Entwurf einer neuen Verfassung der israelitischen Kirche niedersetzen, oder aber in die unmittelbare Berathung des Entwurfes selbst eintreten wolle. Die Kommission entschied sich für die letztere Behandlungsweise und unterzog sich ihrer Aufgabe mit großer Hingebung und Ausdauer, so daß es ihr gelang, dieselbe innerhalb fünf Tagen in je zwei täglichen Sitzungen zil Ende zu führen. Ihre Verhandlungen gaben ein lebendiges Zeugniß sowohl von den in den religiösen Anschauungen der israelitischen Glaubensgenossenschaft herrschenden Gegensätzen, als von dem ernsten Streben sämmtlicher Delegirten, für die künftige Verfassung der israelitischen Religionsgesellschaft eine Form zu finden, welche der gleichen Berechtigung dieser verschiedenen Standpunkte dieAnerkesnnung sichert. Am Schlüsse wählte die Kommission einen Ausschuß von drei Mitgliedern, welcher die Redaktion der Beschlüsse der Delegirten besorgen soll. Wir begnügen uns für heute mit vorstehenden Mittheilungen und behalten uns vor, später auf den Gegenstand zurückzukommen." Das weitere Material, die endgiltigen redigirten Beschlüsse werden wir in diesen Spalten wieder veröffentlichen. Der Herr Minister ließ der Berathung der Delegirten die vollste Freiheit. Die Gegensätze traten schroff sich gegenüber. Die Mainzer und Würzburger Partei war durch Herrn Ludwig Stern, einen Württemberger, der am Würzburger Privatschullehrerseminar des Herrn Bambcrger angestellt ist, vertreten. Die Oberkirchenbehörde soll bestehen bleiben aber durch einen weiteren Rath von 12 gewählten Vertrauensmännern, worunter vier Rabbiner, erweitert werden. Es ist zu hoffen, daß die K. Regierung nach eingehender Prüfung der Vorschläge den Wünschen der Majorität der Israeliten Württembergs gerecht werden wird. Oesterreichischungarische Monarchie. Pest-Ofen, 13. December. (Privatmitth.) Seit einer Zeit her kommen Nachrichten zu uns, daß ein Mensch, der ehemals bei uns in verschiedenen Stücken seine Rollen spielte, jetzt an der Spree (in der Stadt der Intelligenz» dieselben vor einem schaulustigen Publikum zum Besten giebt. Seit zwei Decennien weilte dieser Mann, Herr vr. Hildesheimer nämlich, bei uns, hanranguirte stets die ungebildete Menge für seine pietistischen Pläne, gründete eine Hochschule, war Direktor, Professor, Supplent und Pedell in einer und eigener Person inseiner Anstalt, Rabbiner, Prediger, Schuldirektor, Waisenvormund, Armenvorsteher und Notar in der Gemeinde Eis enstad t. Eisenstadt ist ein königl. Freistädtchen im Comitate Oedenburg, hat sein jüdisches Ghetto, und die meisten Familien ernähren sich vom Hausirhandelin Wien, Dort trieb während achtzehn Jahren dieser Rabbiner seinen Spuk, suchte den mainzischen Pietismus nach Ungarn zu verpflanzen, coquettirte mit allen Parteien, aber keine wollte ihn aufnehmen; die ehrliche orthodoxe Partei wich ihm aus, und auf der Hochschule zu Preßburg, wo man früher um äußere Angelegenheiten sich nie zu kümmern pflegte, da der Bestand der Welt nur durch Pilpul im Talmudstudium aufrecht erhalten wird, verschrie man den Rabbiner als einen y-isr: oj*. Die Zeloten von Unghvür und Nagh Mihslh haßten ihn deswegen, weil er als Doctor unmöglich ein ehrlicher Jude sein könne. Die erste Thätigkeir dieses Männchens war, die Wirren in Stuhlweißenburg in Scene zu setzen; soeben werden die Ueberreste jenes Mannes ins kühle Grab gesenkt, gegen welchen Hildesheimer sich zuerst verging. (Di-. M. Zipser verschied am 10. d. M.). Die Zerwürfnisse in der Stuhlweißenburger Gemeinde hat Ungarn diesem Doctor zu verdanken. Dieser Sieg ermunterte ihn das Handwerk der De-