Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1869)
- Date
- 1869-12-28
- Page
- Seite 1043 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1043 Consistorium, das ihn wegen ketzerischer Lehren vom Amte suspendirt hatte. Der Briefe der seinen Austritt aus der christlichen Kirche anzeigt, ist wohl das Stärkste, was in kleinem Rahmen über die christlichen Dogmen «nd die Geschichte des Judenthums je gesagt worden ist, und zwar vom deistischen Standpunkte aus. Wenn es auch weder in unsrer Tendenz liegt, noch uns angemessen erscheint, diese Piece zu reproduciren, weil wir eben das Judenthum noch immer nicht znm Angriffe übergehen, sondern in einer kräftigen Vertheidigung sich halten sehen mögen, so wollen wir doch nicht unterlassen, auf dieses merkwürdige Aktenstück aufmerksam zu machen. Fürth, im December. (Privatmitth.) Nachdem der in Speyer und Kaiserslautern gewählte Abgeordnete Golfen für letzteren Bezirk annahm, so tritt für Speyer als Ersatzmann vr. Adler, Bankbeamter und Rechtsconcipient in München, in die bair. Kammer ein, so daß daselbst nunmehr drei Israeliten Sitz nehmen werden. So viel aus uns vorliegenden Zeitungen ersichtlich, gehört Dr. Adler gleich Levi und vr. Frankenburger der baier. Fortschrittspartei an, welche für die deutschnationale Idee, für die Vereinigung mit dem norddeutschen Bunde zu einer großen Nationaleinheit wirkt. Wenn nun der Zufall will, daß die gewählten drei Israeliten, sowie überhaupt ein großer Theil der bair. Inden obiger Partei angehören, wiewohl beispielsweise hier in Fürth die Majorität der Israeliten für die Volkspartei stimmte, welche Preußen vollständig ignorirt und von demselben nichts wissen will, und wir durchaus keinen Grund haben, durch Dick und Dünn mit Preußen zu gehen, denn nirgends hatten die Juden härtere Kämpfe auszufechten und heute noch müssen sie jeden Schritt zur Durchführung der ihnen über 20 Jahre von der Verfassung gewährleisteten Emancipation durch langen Streit auf realem Boden bekämpfen, was die früheren und letzten Debatten im preuß. Abgeordnetenhause mehr als bestätigen, so setzen doch die der bair. Fortschrittspartei angehörigen Israeliten die Einheit des großen deutschen Vaterlandes über die confessionelle Rücksicht. Doch sollte dem Scharfsinne Bismarck's und speciell Mühler's nicht entgehen, daß durch Verweigerung dessen, was ebenso natürliches wie verfassungsmäßig garantirtes Recht ist, manche unsrer Glaubensgenossen abschrecken, dem oben angedeuteten Ziele nachzustreben. Kaum waren die bair- Landtagswahlen beendet, als die politischen Gemeindewahlen begonnen haben. Wiederum war es die frei gesinnte Pfalz, die in gleich rühmenswerther Weise wie bei den Landtagswahlen, woselbst sie zwei Juden zu Abgeordneten wählte, sich auszeichnete. In dem in diesem Kreise gelegenen Orte Jngenheim wurde nämlich der Jsraelite Bernhard Roos zum Bürgermeister einstimmig wieder gewählt. Hier, in Fürth, wurden unter 36 Gemeindebevollmächtigten 9 Israeliten, unter 12 Magistratsräthen 3 Israeliten gewählt, in ersterem Collegium, dessen Vorstand vr. Med. Landmann ebenfalls ein Israelit ist, befindet sich auch vr. jur. Morgenstern, dessen Name sowohl Ihnen als so manchem Leser durch sein Wirken im bair. Landtage von 1848—1855, die Gediegenheit und Schlagfertigkeit seiner Ausführungen, sowie seine in den ungünstigsten Zeiten gleiche Offenheit und Consequenz in seinen Anschauungen (siehe dessen Biographie in Nr. 1 und 6 der Feuilleton-jBcilage d. A. Z. d. Ä. von 1868) noch lebhaft im Gedächtnisse sein wird. In den meisten Ortschaften wurden Juden in die Gemeindeverwaltungsbehörden gewählt, sogar in dem durch seinen religiösen Fanatismus bekannten Würzburg. So sehen wir denn, daß das Licht der Humanität durch das dichte Gestrüpp sich Bahn gebrochen hat, und daß die Ansichten über Philanthropie sich nach und nach, selbst an solchen Orten zu klären beginnen, wo die widersinnigsten und boshaftesten Vortheile das Licht der hereinbrccheuden Civilisation wie schwarze, am Himmel stehende Gewitterwolken verdunkelten. Einerseits wird dadurch dem intelligenten und geistig strebsamen Theile der Juden die Erfüllung eines Berufes ermöglicht, andrentheils kömmt dem Staate wie der politischen Gemeinde die Berwerthung so mancher tüchtiger und vorzüglich befähigter Kraft zu Gute. Sigmund Heumann. Stuttgart, 15. Dez. (Privatmittheilung.). Der Staats-Anzeiger für Württemberg Nr. 297. bringt folgende Mittheilung', die wir vordersamst ohne weitern Commentar vorlegen. „Im Laufe dieser Woche war die Kommission der aus den Rabbinatsbczirkcn des Landes gewähltenDelegirtcn zu Berathung einer Reorganisation des israelitischen Kirchenwesens dahier versammelt. Die Verhandlungen derselben fanden unter der ununterbrochenen persönlichen Leitung Seiner Excellenz des Herrn Kultusmini-