Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1869)
- Date
- 1869-12-28
- Page
- Seite 1041 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1041 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 20. Dez. In meiner Mittheilung in Nr. 50. S. 1002. ist die Dotation zu einem israel. Waisenhause von Herrn Moritz Reichenheim durch einen Druckfehler mit 25,000 statt mit 250,000 Thalern angegeben, was ich zu bemerken bitte. M. Berlin, im Dez. (Prtvatmitth.). Bei der Zerfahrenheit unsrer Zeit ans dem religiösen Gebiete und bei der Selbstständigkeit, welche das Bewußtsein des modernen Menschen in Anspruch nimmt, ist es nicht zu verwundern, daß im Schoße großer Gemeinden sich mehrere Bruchstücke absondern und kleine Körperschaften für sich bilden. Sobald die Gesammtgemeinde sich besonderen Richtungen nicht ergeben will, treten die einzelnen Schattirungen ihr gegenüber und wollen sich absondern. An und für sich ist dies gewiß unschädlich, Sicherheitsventile für das Ganze, die dem Frieden nützlicher sind, als wenn sie verschlossen bleiben. Das erste Beispiel gab zu einer Zeit, -wo die Gesammlgemeinde einen mehr conservativen Charakter hatte, die Reformgenossenschaft, die auch jetzt noch besteht. Nachdem aber jene sich mehr der reformistischen Seite zugewandt, d. h. wiederholt die Wahl, die das Suffrage universel in der Gemeinde ergeben, mit überwiegender Majorität Männer von nicht orthodoxer Färbung in die Repräsentantenversammlung und den Vorstand gebracht, lösen sich Fragmente der entgegengesetzten Richtung ab. Hiergegen wäre nun, wie gesagt, nichts einzuwenden, wenn nicht Motiv und Zweck sich in einer ungerechtfertigten Weise kundgäben. Vorstand und Repräsentanten sind nämlich durchaus von der Absicht geleitet, für alle religiösen Nüancen Befriedigung zu schaffen. Sie haben die alte Synagoge dem in sie emgeführten Ritus des sel. Dr. Sachs erhalten, haben die Synagoge Schochre-Tob für den ganz orthodoxen Ritus hergestellt, und haben für das orthodoxe Element im Rathe nicht minder gesorgt. Unter diesen Umständen sieht jedes Bestreben für Absonderung nur als tendenziös aus, und beweist, daß diesem Streben nur persönliche Absichten, Ehrgeiz und der Wunsch, sich geltend zu machen, zu Grunde liegt. In dieser Weise trat vor einiger Zeit der bekannte Bierbrauer Hoff auf, siel aber durch. Jetzt versucht es vr. Hildesheimer aus Eisenstadt und will sich eine „Adaß-Jisroel" bilden. Das erste ist, man verketzert die Gesammtgemeinde, bezeichnet sie als neolog, sie sei nichts als eine freie religiöse Gemeinde, und will hiermit die Bildung einer besonderen Sekte motiviren. Zu diesem Zwecke war schon im Juni eine „Constituirungs- Urkunde" ausgestreut worden; man hat im Oktober es von Neuem versucht und endlich auch eine Generalversammlung gehalten. Zu derselben waren ungefähr 60 Leute zusammengekommen, und zwar aus Kreisen, aus denen sich sonst nicht viel machen läßt. Aber was will das den Urhebern bedeuten; sie haben doch immer eine kleine Heerde, der sie einen großen Namen beilegen und in deren Namen sie große Worte machen können, ja sogar nach Außen speculiren dürfen. Zunächst fehlt es dem Anführer nicht an Geldmitteln, da ihm diese eine reiche Verwandtschaft willig darbietet. Wir wiederholen es: wir fänden in alledem nichts, womit sich die Oeffentlichkeit eigentlich zu beschäftigen hätte, wenn nicht die offenbare Tendenz thätig wäre, Unfrieden in der Gemeinde zu säen, die Juden unter einander zu Haß, Verachtung, Verketzerung aufzustacheln, Andere zu kränken und zu schädigen, und nur um seinen eigenen Gelüsten zu fröhnen. Ein reines, wahrhaft frommes Streben braucht derartige Mittel nicht, und ist es mit Fähigkeiten und edlen Kräften versehen, so steht ihm der Wirkungskreis offen. Aber das ist es eben, daß die offenkundige Mittelmäßigkeit, ja Unfähigkeit hinter diesem Treiben steht, weil es ohne ein solches sich gar nicht bemerklich machen kann. Aber die Strafe bleibt nicht aus, denn es fällt nur um so sicherer durch und ist nach kurzer Zeit vergessen. Hier in Berlin ist der Schauplatz für solche Thätigkeit höchstens für einige Augenblicke ein ergiebiger, bald ein völlig steiniger. Hätte Herr Hiloesheimer in Ungarn Fortune gemacht, warum ist er nicht dort geblieben? Jedenfalls sind dort die Bedingungen für das Streben dieses Herrn viel günstiger, als in Berlin. Es muß also in Ungarn nicht mehr gegangen sein; aber dieselbe Erfahrung wird er noch rascher in Berlin machen. Berlin, 19. Dezbr. (Privatmitth.) Die erste Nr. des neuen Jahrgangs dies. Zeit, wird voraussichtlich mit einer schönen Gabe an ihre Leser zu treten vermögen, nämlich mit dem Statut für eine