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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1036

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1036 (sequence 20)
Language
German
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1036 Moloch des Fanatismus ein Menschenleben zum Opfer dargebracht wird, erblicken wir in nachfolgender Begebenheit eine entgegengesetzte Aeußerung der menschlichen Natur: Hymnen werden gesungen, die salbungsvollsten Worte in übersprudelndem Maße gesprochen, reiche Belehrungen gespendet und prunkvolle Freudenfeste gefeiert, denn es galt auch ein diametral entgegengesetztes Erergniß, nämlich die Taufe mehrerer Juden in Schwedens Hauptstadt. Ein Verfasser seiner Zeit fand sich genöthigt ein dickleibiges Buch (von nicht weniger als 291 Seiten, ohne Register) über diesen gefeierten Triumph des Evangeliums zu schreiben; ihm entnehmen wir die Data nachstehender Skizze. iLchluß folgt.» Bermischtes. Ucmut über das Werk -er .jüdischen Nation. Im ersten Novemberheft der Revue des deux mondes veröffentlicht E. Renan eine sehr brillante und geistreiche, wenn auch vielfach mit politischen Hypothesen versehene Abhandlung über ln monarchie constitutionelle en France. Er bespricht zunächst vre französische Revolution, weil, wie er sagt, jede Besprechung der neueren Zeit mit diesem weltgeschichtlichen Ereigniß anheben müsse. Hier läßt er sich folgendermaßen aus: „Alle Nationen, welche in ihrer Geschickte eine ausnahmsweise Thatsache haben, müssen diese durch lange beiden gewissermaßen sühnen und bezahlen sie oft mit ihrer nationalen Existenz. So war es mit Judäa, mit Griechenland und Italien. Dafür, daß sie Dinge geschaffen, die einzig in ihrer Art sind, und von denen die Welt lebt und Nutzen hat, mußten diese Völker Jahrhunderte der Demüthigung und des Nationaltvdes durchmachen. Das nationale Leben ist etwas Begrenztes, Mittelmäßiges, Beschränktes. Um etwas Außerordentliches für die Allgemeinheit zu thun, muß dieses enge 'Netz zuvor zerrissen werden; mit demselben Schlag zerreißt man sein Vaterland, da ein Vaterland ein Zusammenfluß von Vorurtheilen und stehengebüebenen Anschauungen ist, das die ganze Menschheit nicht annehmen könnte. Die Nationen, welche die Religion, die Kunst, die Wissenschaft, das Kaiserthum, die Kirche alles universelle, keine nationalen Dinge) geschaffen haben, waren mehr als Nationen; ja in dem Sinne, daß sie das Opfer ihrer Schöpfung wurden, waren sie zugleich weniger als Nationen. Ich glaube, daß die Revolution für Frankreich ähnliche, aber nicht so andauernde Folgen haben wird, weil die That Frankreichs weniger groß und allgemein gewesen als die Thaten Judäas, Griechenlands und Italiens/' Die Iu-cn in China. Ein Herr Emanuel Eserey hat bei seiner Abresie nach China, wie er im „Pester Lloyd" berichtet, „von einigen seiner israelitischen Mitbürger in Pest den Auftrag erhalten, über die Verhältnisse der Juden in China Erkundigungen einzuziehen, und versprochen, das Resultat seiner Wahrnehmungen und Informationen mttzutheilen.^ Er thut dies jetzt in einem Schreiben aus Shanghai, vom Ende August d. I. In demselben aber giebt er vorzugsweise einen kurzen Bericht über die längst bekannten Mittheilungen des Pater Ricci i zu Anfang des 17. Jahrhunderts), des Pater Gonzani (1704) und des Dr. Medhurst (1850), durch welchen letzeren über die traurige Lage und den Verfall der einzigen chinesischjüdischen Gemeinde in Khaifungfu, so wie über das Gebetbuch und die Bibelstücke derselben Nachrichten nach Europa kamen. Was nun seine eigenen Erkundigungen betrifft, so theilt er Folgendes mit: „Während meiner mehrwöchentlichen Anwesenheit in den Provinzen Kwangtung und Kiangsu habe ich wiederholt die verschiedensten französischen und englischen Missionäre besucht, um dem übernommenen Aufträge gemäß, wo möglich detaillirtere Erkundigungen über die Juden in Honan einzuziehen. Die mir dabei zu Theil gewordenen Informationen bestätigen im Wesentlicheen die Richtigkeit jener Nachrichten, welche die von Hongkong entsendeten eingebornen Christen mittheilten. Pater W. A. P. Martin, gegenwärtig in Peking weilend, ist jedoch der Einzige, welcher die erwähnte Judengemeinde persönlich besuchte, somit überhaupt der erste Europäer, der seit 150 Jahren bis nach Khai-sung-fu gelangte. Sein Bericht über diese im Jahre 1866 unternommene Reise, welchen ich dem freundlichen Sekretär der North China brauch der Royal Asiatic society in Shanghai verdanke, konstatirt die elende Lage der Gemeinde, welche durch Rebellenkämpfe in den Jahren 1864 und 1865 nur noch mehr heimgesucht wurde. Eine Gemeinde als solche habe überhaupt zu existiren aufgehört, jedes Gefühl der Zusammengehörigkeit unter ihnen sei erloschen, ein Theil derselben mit Chinesinnen verheirathet, Andere seien Buddhisten geworden, keiner der ritualen Gebräuche mehr in Ausübung, und da nun auch Niemand mehr unter ihnen die noch existirenden Pergamente und Gesetze lesen könne, sei ernstlich darüber berathen worden, dieselben auf dem Marktplatze auszustellen damit sie vielleicht durchwandernde Juden entziffern. Die Stelle, auf der die Synagoge stand, sei ein wüster Steinhaufen und nur noch die eine Inschrift in hebräischer Sprache sichtbar: „Jehabod, Deine Herrlichkeit ist vorüber!" Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschse!d< Verantwortlicher Redakteur TZi*. H. Lohe.

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