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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1035

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1035 (sequence 19)
Language
German
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1035 zu sehen". In einer Randecke ist angemerkt: ^u är han knekt*). — Bon dieser Zeit ab verschwinden alle Spuren vom Judaismus im Stifte Westeras. Aber zu gleicher Zeit als der Prozeß mit diesen Judaisten geführt wurde, hielt man ebenfalls in Linköping Verhör mit einem Bauern John Olafsson, welcher einer der Anführer der Judaisten im nördlichen Schweden gewesen sein soll. Er schrieb ein Buch, welches Offenbarungen enthielt, die er nach seiner Aussage von einem Engel erhalten haben soll.**) Merkwürdig ist die allegorische Deutung, welche er den evangelistischen Berichten über die Geburt und Leiden Christi gab. Er leugnete deren historische Wirklichkeit. Wie Erik Hansson suchte John das Christenthum umzustürzen, indem er dessen geschichtlichen Grund untergrub. Auch leugnete er zum Theil, oder umdeutete zum Theil die Worte Christi. Er suchte ebenfalls die Aechtheit der neuteftamentlichen Schriften zu untergraben. John behauptete, daß die Apostel, insbesondere Petrus keine Schriften verfaßt hätten. Besonders merkwürdig ist seine Aeußerung, daß die Seele der Engel und Menschen von Ewigkeit her existire. Origenes' Lehre von der Vorexistenz der Menschenseele tauchte somit nach vierzehn Jahrhunderten von neuem im äußersten Thule im Gehirne eines Bauern auf. Eigenthümlich ist auch aus dem Munde eines schwedischen Bauern die Behauptung, daß kein Fall in der Engelwelt stattgefunden habe, zu hören. Folgerichtig leugnete John auch den Fall des Teufels; dahingegen gab er als Ersatz die Ansicht, daß Eva dreimal gefallen sei. War dieser Bauer vermöge der Ansichten, die er ausgesprochen, eine höchst merkwürdige Erscheinung, so waren auch seine Gedanken über sich selbst keineswegs geringe. „Er bekennt," heißt es in einem seiner Zeit erschienenen Bericht über sein Buch, „daß er von Gott durch seine heiligen Engel berufen sei, ein großer Prophet und Wundermann zu werden, dem Manne gleich, welcher vor Jerusalems Zerstörung einherging und seine Stimme vernehmen ließ." ^>eine Aufgabe wäre auch keine kleine. Er sollte nämlich erstens die Schrift corrigiren und verbessern <d. h. das neue neue Testament beseitigen); zweitens sollte er ausdeuten die Schrift, die Zeichen, welche am Himmel gesehen werden, und die Teufel, welche in Rom und Friesland heruntergekommen sind u. s. w.; drittens sollte .er die Welt von dem irreführenden Glauben ld. h. dem Christenthum), worin sie sich befände, zurückführen; viertens sollte sein ganzes Buch in's Lateinische und Griechische übersetzt und in *) Etwa dem Sinne nach: Nun muckst er nicht mehr. **) Ein Auszug seines Buches befindet sich in der Nordinischen Sammlung m Upsala unter folgendem Titel: Ett kort extract af den bok, som den bonden John Olafsson har skrif- -vit ifrän Michaelis tili Jul och sedan öfverantvardat henne var gnädige konung Gustaf Adolf. Aret 1619 i Jan. (Ein kurzer Auszug des Buches, welches der Bauer I. O. von Michaeli bis Weihnachten geschrieben und alsdann im Januar 1619 unserm gnädigen König Gustav Adolph überreicht hat.) alle Welt versandt werden, wodurch die Welt (zum Judenthume) umkehren sollte. Und alles Dieses auszuführen, dazu sei der König berufen. Daß der Mann neben seinem jüdischen Bekehrungseifer von einem sittlichen Interesse getrieben wurde, geht daraus hervor, daß sein Buch Bestrafungen mehrerer herrschenden Sünden beansprucht. Er eiferte auch für eine strengere Kirchenzucht und fand einen Fehler darin, daß man die Unrechtfertigen nicht mit Bann belege und die Unzucht nicht mit dem Tode bestrafe. Unter die gangbaren Sünden rechnete er außer Fluchen, Sonntagsentweihung und Bestechung, auch die, daß „viele Liebeslieder nun frei geschrieben, gedruckt und gesungen werden." John ermahnte zur Besserung und allgemeinem Fasten. Als Reminiscenzen aus den polemischen Predigten seiner Zeit, darf man wohl ansehen, daß John „das ganze Buch hindurch über den Papst und seine Jrrthümer, Mohammed und den Alkoran, sowie über Calvin strafende Worte äußert." Natürlicherweise mußte John, der sich für einen großen Propheten ausgab, auch prophezeihen. Von seinen Prophezeihungen mag es genug sein, folgende anzuführen, „daß die Welt nun ein Ende erreiche, und Upsala innerhalb 40 Tagen, seitdem dieser Brief auf den Altar gekommen ist, versinken werde, falls es denselben nicht aufnähme und verbreitete." Dieser Brief war ein sogenannter Himmelsbrief, der um diese Zeit auf dem Altar der Upsalaer Domkirche gefunden wurde und viel Aufsehen erregte. John, welcher sagte, er sei ein „alter, abgelebter und ungelehrter Mann," wurde mit größerer Milde, als solche zu seiner Zeit üblich war, behandelt. Man findet ihn nämlich im December desselben Jahres auf freiem Fuße. Er unterzog sich da einem Verhör in Westeras vor Rudbeck und sprach nach wie vor dieselbe Behauptung über die Offenbarung seines Engels aus. Ein neues Buch, welches er auf Befehl dieses Engels schrieb, versprach Rudbeck seinem Wunsche gemäß, dem Könige zu überreichen. Auch wurde das Urrheil über John sehr mild. Rudbeck legte ihm nämlich auf, daß er seine „Obligation" geben sollte, „in welcher er seinen Jrrthum offen bekannte," verspreche ferner von solcher Betrügerei zu lassen und das Volk im Lande nicht verleite, vielmehr aus dem Stifte sich entferne und sich nach der Heimath begeben sollte. Gleichzeitig wurde die Drohung hinzugefügt : „Er möge nicht ergriffen und bestraft werden, wie er Solches wohl verdiente, aber gleichwohl verschont wurde." Von dieser Zeit ab kennt man nichts Näheres über John Olafsson; vermuthlich folgte er Rudbeck's Rathund verweilte still in seiner Heimath, als seine Aussprüche, ein großer Prophet zu sein, nicht die erwartete Anerkennung gefunden hatten. So weit der schwedische Verfasser; während uns hier jedoch ein blutiges Drama vorgeführt wird und dem

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