Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1027

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1027 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226742--27896-3263496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

102? —. Zu den sogenannten Missionsschulen, die in einigen Orten unserer Provinz von der britischen Missionsgesellschaft unterhalten wurden, und zu dem Zweck eingerichtet waren, unter der jüdischen Bevölkerung Propaganda für das Christenthum zu machen, gehörte bis vor Kurzem auch die zu Jnowraclaw. Sie ist, so wie fast alle ihre Schwestern in der Provinz aufgehoben worden. (Die gnesener, einige Jahre hindurch unter der Leitung des Lehrers Frehmark stehend, ging im vor. Jahre ein.) Der Lehrer der Schule zu Jnowraclaw, Herr Hensel, ist von der Missionsgesellschaft mit einer Summe von 850 Thlrn. abgefunden worden.*) Oesterreichischungarische Monarchie. Prag, 2. Dec. lPrivatmitth.) Durch die jüngsten Ergänzungswahlen in die Cultusrepräsentanz hat die äußere Physignomie derselben, wie ihre in der vorigen Sitzung erfolgte Constituirung zeigt', keine sonderliche Veränderung erlitten. Wohl sehen wir einige curulische Stühle mit neuen Persönlichkeiten besetzt, aber ihre Zahl ist zu gering. Wenn wir Angesichts dieser Thatsache dennoch die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Repräsentanz fortan eine eifrigere und segensreichere Thätigkeit entwickeln wird als bisher, so geschieht dies deshalb, weil die neuen Mitglieder derselben Männer sind, welche neben allgemeinem auch jüdisches Wissen besitzen und bisher stets ein reges Interesse für Juden und Judenthum zeigten; diese werde zweifelsohne der Nichtsthuerei und dem Sichgehenlassen, welche die frühere Repräsentanz charakterisirten, ein Ende machen. ist eine gottesdienstliche Handlung, deren grobe Störung bestraft werden muß. Daß sich der begutachtende Rabbiner dabei an den Anfang des Gebetes mit Minjan hält, bezeugt wieder, auf welche Weise die Mißachtung gottesdienstlicher Stätten und Gebräuche bei unseren Glaubensgenossen entstanden ist. Die Redaction. *) Es war eine Zeit, wo diese Missionsschulen einige Besorgniß einflößten; dem gesunden Sinne unsrer Glaubensgenossenschaft mußten sie jedoch weichen, und andrerseits haben sie den Eifer für das jüdische Schulwesen hie und da geweckt. Die Redaction. An Gelegenheit für das Wiederaufblühen der Gemeinde wirken zu können, wird es der gegenwärtigen Repräsentanz nickt fehlen, da eben sie über die vitalsten Fragen derselben zu entscheiden haben wird. So z. B. sieht die Rabbinerfrage noch immer ihrer Lösung entgegen, die aber schlechterdings nicht mehr aufgeschobeil werden kann; wenn Einer hierüber noch in Zweifel war, so hat sich ihm gewiß durch die dieser Tage stattgefundenen Zerwürfnisse zwischen zwei hiesigen Rabbinern die Ueberzcugung hiervon aufgedrängt. Leider herrscht aber bezüglich dieser Frage eine heillose Zerfahrenheit und Meinungsverschiedenheit im Schooße der Repräsentanz, die wenigsten ihrer Mitglieder sind über die Aufgabe uud den Wirkungskreis eines Rabbiners im Klaren. Wie bereits oben angedeutet, haben hier vor kurzer Zeit Zerwürfnisse zwischen zwei Rabbinern stattgefunden, es sind dies der Gemeinderabbiner Herr S. Freund und der Rabbiner u. Prediger der Meiselshnagoge Herr Di'. Stein. Die Veranlassung zu denselben gab eine Scheidung und eine Trauung. Herr Stein hat nämlich bei einem Ehepaare seiner Gemeinde die Scheidung vorgenommen, trotzdem Herr Freund dieselbe, als in den Competenzkreis des Gemeinderabbinats gehörig, für sich reklamirte, und nicht lange darauf wieder eine Trauung bei einer Wittwe, deren Kind noch nicht ganze zwei Jahre und daher als Mineketh- Chavcro zu betrachten ist, obschon Herr Freund auch diesmal durch Vermittlung der Repräsentanz ihn daran hindern wollte. Vermuthlich wird Herr vr. Stein selbst die Motive, warum er so gehandelt, veröffentlichen, und beschränken wir uns auf die Bemerkung, daß es Sache der nächsten Synode wäre auch den Fall Miueket-Chavero in ihre Berathungen zu ziehen und dieses Eheverbot, da heutzutage die Kinder in den seltensten Fällen ein ganzes Jahr gesäugt werden, auf diese Zeit zu reduciren. Herr Freund hat in Folge dieser Zerwürfnisse seine Resignation eingereicht, welche von der Repräsentanz zwar angenommen, aber mit der Bemerkung, daß er noch drei Monate im Arnte zu verbleiben habe. Der Verein Aphike-Äehudu, von dessen Gründung wir seiner Zeit berichteten, hielt am 27. v. M. Abend seine erste Zusammenkunft. Das Vorstandsmitglied Herr Prof. Kämpf ereffnete dieselbe mit einem Vortrage über das große Shnedrium zu Jerusalem zur Zeit des zweiten Tempels. Der Redner verstand es, 5l*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.