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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1025

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1025 (sequence 9)
Language
German
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1025 stärkste physische Propaganda unter allen Confessionen aufzuweisen haben. Auch hinsichtlich des Protestantismus war lange Zeit die Meinung verbreitet, daß derselbe in Betreff seiner Ausbreitung und Mehrung dem Katholicismus nachstehe. Diese Meinung läßt sich jedoch mit Hilfe der Confessionsstatistik, so wenig diese bis auf die neueste Zeit in den meisten Ländern Europas gepflegt und gefördert worden, als irrthümlich Nachweisen und ist auch als irrthümlich nachgewiesen worden in einem Aufsatze der Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik. Dort sind die drei Hauptconfessionen der Katholiken, Protestanten und Juden in den Staaten Europas einer statistischen Enquete unterzogen und zwar in ihrer Seelenzahl zu Anfang und Ende eines mindestens zehnjährigen Zeitraums. Danach waren zu Anfang 123,625,050 Katholiken, 53,212,666 Protestanten und 1,301,285 Juden in Europa, die sich seitdem vermehrten, und zwar überhaupt jährlich also Proc. Katholiken um 5,787,044 596628 -- 0,48 Protestanten - 5,703,404 514111 0,96 Juden - 140,817 19928 1,53 mitwirkend sind die Faktoren der natürlichen Volksvermehrung, als Geburtsüberschuß, Mehreinwanderung, Mehrübertritt rc. rc. Protestanten und Juden weisen also eine weit stärkere physische Vermehrung auf, als die Katholiken, was gar nicht auffallcn kann, da die Hauptsitze des Katholicismus, die romanischen Staaten, als Spanien, Italien, Frankreich, Oesterreich, Belgien. Irland, Portugal, Baiern, seit Decennien in der Volksvermehrung hinter den überwiegend protestantischen Staaten zurückgeblieben sind. Bei dieser Enquete, die sich überall bis zu den neuesten Censusergebnissen von 1864/5 erstreckte, fiel es auf, daß die Katholiken sich am stärksten in Europa im Königreich Sachsen, in Hessen-Homburg, namentlich aber in Preußen vermehrt hatten, wo die durchschnittlichen Mehrungsdurchschnitte sich feststellten: für Katholiken auf 1,14, für Protestanten auf 1,11 und für Juden auf 1,29 %• . Wir aber entnehmen dieser höchst interessanten Untersuchung die erfreuliche Thatsache, daß trotz der Stürme des Mittelalters, welche Tausende und Abertausende von unfern Glaubensgenossen hinweggerafft haben, diese unter dem Einflüsse der milderen Verhältnisse der Neuzeit sich bereits wieder so sehr erholt und gehoben haben, daß sie unter allen Völkern Europas sich des günstigsten Procentsatzes hinsichtlich der Volksvermehrung zu erfreuen haben. Zahlen sprechen! k Leipzig, 9. Dec. (Privatmitth.i Nach dem Vorgänge zahlreicher größerer- und mittlerer Gemeinden ersuchte der. Vorstand der hiesigen Gemeinde ihren Rabbiner, den Herrn vr. A. M. Goldschmidt, in diesem Winter eine Reihe von Vorlesungen, das Judenthum betreffend, zu halten. Er begann dieselben am gestrigen Tage im kleinen Saale der Buchhändlcrbörse vor einem zahlreichen Publikum, das seinem Vortrage mit großem Interesse folgte. Er' sprach über die Culturbeziehungen des jüdischen Stammes zu den übrigen Völkern in den verschiedenen Epochen seiner Geschichte. Halberstadt, im Nov. (Verspätet.) Mittwoch den 27. Oktober, feierte der Lehrer, Herr Hirsch Joseph, Hierselbst, sein 50jähriges Jubiläum im Kreise seiner Familie. Selten hat wohl ein Lehrer so viel gewirkt, wie dieser Jubilar. Abgesehen von seiner 40jährigcn Thätigkeit in der hiesigen israelitischen Schule, so daß die meisten jüdischen Gcmeindcmitgliedcr hier seine Schüler und Schülerinnen sind, hat er über tausend Kauf- und Geschäftsleute in Handelswissenschaften ausgebildet. Die Zahl der Geschäftsleute und Beamten, welche sich aus seinen verschiedenen kaufmännischen Werken selbst gebildet, ist nicht anzugeben. Auch jetzt arbeitet er noch.mit Jugendkraft und hat im Alter von 67 Jahren noch die Freude, sein neues Rechenbuch nach dem neuen Metermaaße und dem neuen Gewichte erscheinen zu sehen. Möge der Himmel ihn noch lange seiner Familie gesund erhalten und er noch viele Jahre der Welt nützlich sein! Märkisch-Friedland, 9. Dec. lPrivatmitth.) Am 6. December fand im Locale der hiesigen ösfemlichen jütischen Schule in höchst erhebender Weise die Feier des fünfzigjährigen Bestehens derselben vor versammelter Schuljugend und in Gegenwart des Local-Schulinspectors, des Rabbiners, sowie sämmtlicher städtischen und Gemeindebehörden und Lehrer, statt. Nach einem, von einem Schüler der ersten Klasse gut vorgrtragenen Gebete und einem von der 51

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