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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1024

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1024 (sequence 8)
Language
German
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1024 dische Feiertage zu feiern, sei es mir erlaubt hier einer Eingabe Erwähnung zu thun, mit welcher ich unter dem 15. October e. bei Sr. Excellenz dem Minister des Innern, den Gottesdienst der jüdischen Gefangenen betreffend, vorstellig wurde, und den Bescheid, welchen ich auf diese Vorstellung erhielt, hinzuzufügen.. Meine Eingabe lautete: Ew. Excellenz wollen meiner unterthänigsten Bitte, welche ich hier auszusprechen wage, gütiges Gehör und möglichst baldthunlichste Berücksichtigung gewähren! Nach einer in neuester Zeit erlassenen hohen ministeriellen Verfügung ist es den jüdischen Gefangenen gestattet, sämmtliche jüdische Feiertage zu feiern, wodurch dem religiösen Bekenntnisse derselben eine nicht genug zu würdigende Erweiterung der Zugeständnisse Seitens Ew. Excellenz gewahrt worden ist. Ich der Unterzeichnete Bittsteller habe zu Mewe in W. P. iwoselbst ich Prediger der Gemeinde war) als Religionslehrer an der dortigen Strafanstalt fungirt und Gelegenheit gehabt, wahrzunehmen, daß für die Befriedigung des täglichen Gebetsbedürfnisses der jüdischen Züchtlinge nicht die nöthigen Veranstaltungen getroffen sind! Wohl wird am Sonnabend und an den Festtagen in der Anstalt ein jüdischer Gottesdienst abgehalten, aber an ihren Wochentagen haben die jüdischen Gefangenen nicht die Gelegenheit, ihre rituellen Gebete, angethan mit den nöthigen Requisiten des jüdischen Wochen-Gottesdienstes, den Gebetriemen und dem Gebetmantel, zu verrichten; vielmehr sind sie genöthigt, den Gebeten, welche ihre christlichen Genossen verrichten, beizuwohnen! Es ist offenbar, daß die jüdischen Gefangenen mit den Gebeten, welche ihnen nicht vorgcschrieben sind, innerlich nicht übereinstimmen können, daß ferner hierbei ein Gewissenszwang unleugbar geübt und der religiösen Indifferenz, welche leicht auch eine Schädigung der ^Moralität zur Folge haben kann, Vorschub geleistet werde! Mit dem Ausdrucke tiefsten Schmerzes wurde ich von einzelnen jüdischen Gefangenen, welche von den Bedürfnisse der täglichen ritueller! Gebetsverrichtung erfüllt waren, gebeten, ihnen die Erlaubniß hierzu zu erwirken und ich erfülle diesen Wunsch, indem ich an das hohe Ministeriuut des Innern die unterthänigste Bitte richte: Hochgeneiztest verfügen zu wollen, daß in sämmtlichen Gefangen-Anstalten der preußischen Monarchie den jüdischen Gefangenen gewährt werde, in Gemeinschaft miteinander ihren rituellen jüdischen Gottesdienst auch an den Wochentagen abhalten zu dürfen. In der Hoffnung auf Gewährung meiner Bitte zeichnet mit rc. rc. Hermann Tietz. Land. phil. Das Antwortschreiben, welches ich auf die vorstehende Eingabe am 22. October v. erhielt, lautet: Auf die Vorstellung vom 15. d. M. erwiedere ich Ihnen/ daß es mit der Anstalts - Ordnung nicht verträglich sein würde, Ihrem Anträge entsprechend, die jüdischen Gefangenen von der Theilnahme an den täglichen Gebeten zu entbinden, welche Morgens, Mittags und Abends von den Sträflirrgen aller Confessionen gesprochen werden, resp. ihnen zu gestatten, abgesondert ihre rituellen Gebete zu verrichten. Der Minister des Innern. In Stellvertretung Bitter. Bemerkung: Es wäre wünschenswerth, wenn die Angelegenheit, welche ich in meiner obenerwähnten Eingabe anregte, von berufener energischer Hand ihrer Erledigung entgegengeführt würde. H. Tietz. Breslau, den 10. Dez. (Privatmitth.). Die Statistik, diese so hochwichtige Wissenschaft unsers Jahrhunderts, die dazu berufen ist Jrrthümer zu beseitigen und zu widerlegen, Schäden aufzudecken, deren Bestehen vorher völlig unbekannt war, und die leitenden Staatsmänner auf deren Heilung hinzuweisen, geht der Lösung ihrer Aufgabe immer mehr entgegen und von Jahr zu Jahr erfahren wir von ihr neue Thatsachen, die ohne sie nicht hätten statuirt werden können. Auf keinem ihrer Gebiete sind noch immer so viele Jrrthümer und Entstellungen verbreitet, begünstigt und gepflegt, als auf dem Gebiete der Confessionsstatistik. Es war allerdings ebenfalls durch die Statistik bereits eruirt worden, daß die Juden hinsichtlich der Lebensdauer und der Mortalität den günstigsten Procentsatz unter allen Confessionen für sich beanspruchen dürfen; allein wir wissen jetzt auch durch die neuesten Ergebnisse dieser Wissenschaft, daß auch hinsichtlich der natürlichen Bolksvermehrung die Juden die bei weitem

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