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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-21 · Heft 51 (21.12.1869) · p. Seite 1023

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 51 (21.12.1869)
Date
1869-12-21
Page
Seite 1023 (sequence 7)
Language
German
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1023 bung und mit allen Kräften für die Verbesserung der Lage unserer russischen Glaubensbrüder zu wirken. Indem ich Sie, hochgeehrter Herr, darum ersuche, vorstehender Erklärung an Ihrem geschätzten Blatte Raum zu gönnen, ergreife ich die Gelegenheit Sie der vorzüglichsten Hochachtung zu versichern, mit welcher ich die Ehre habe zu verharren Ihr aufrichtig ergebener Lazarus. Berlin, 6. Dec. (Privatmitth.) Berlin soll gegenwärtig die Stätte zweier neuer jüdischer Journale werden; zwei neue Banner sollen hier zugleich der jüdischen Welt erhoben, zwei Leuchten zugleich ihr entzündet werden. Schade, daß die Banner etwas fadenscheinig sein werden, die Leuchten ziemlich trübe. Das erste Organ, dessen Gründung angekündigt wird, soll unter dem pomphaften Titel „Jüdisches Volksblatt, Wochenschrift für die religiösen und geistigen Interessen unserer Glaubensbrüder" erscheinen; sein Herausgeber ist Nathan Schlesinger. Man braucht den Namen Nathan Schlesinger in Berlin und Breslau nur zu nennen, um ein unauslöschliches Gelächter hervorzurufen. Dieser Mann kam vor längerer Zeit nach Berlin, in der Absicht, sich taufen zu lassen. Jndeß es gelang, ihn dem Judenthume zu erhalten, hauptsächlich durch die Unterstützungen von jüdischer Seite, die man ihm verschaffte. Als dieselben auszugehen begannen, wurde Nathan Schlesinger Dichter und Politiker. Als Dichter veröffentlichte er „Garben," die einen unsterblichen sneoes äs rire davon getragen haben. Als Politiker stritt er unter dem selbstgegebenen Namen eines „Würgengels der Demokratie" für die Lassalleaner, hat von diesen aber als Entgeld nur Schläge und schleunige Versetzungen an die freie Luft erhalten. Um ihn als Publicisten zu charakterisiren, wollen wir nur den ersten Satz seines „Programmes" hierher setzen: „In unserer Zeit, wo die großartigsten mechanischen Erfindungen gemacht werden, wo Telegraphen, Eisenbahnen und Dampfschiffe den Verkehr ungemein erleichtern, wo unter dem Meere ein Sprachrohr zwischen denOceanen (!!) hergestellt wurde" rc. — Sapienti sat! Ist seine Ankündigung nicht blos darauf berechnet, Geld zu machen, wird seine Zeitschrift wirklich in das Leben treten, so wird sie unfreiwilliger Weise sich z» einer Art jüdischen Kladderadatsches oder Kikeriki's gestalten, bestimmt, in unserer schweren Zeit die trüben Stunden durch die Productionen des höheren und höchsten Blödsinns zu erheitern. An Nathan Schlesinger reiht sich würdig sein College an, Herr Rabbiner (J!) Dr. (!!) Nascher. Wer Gelegenheit hatte, diesen Herrn Rabbiner und Doctor in seinen gesellschaftlichen Planieren zu beobachten — und Einsender dieses hat das unschätzbare Glück — der wird sich über die grammatikalischen Fehler und die unentwirrbare Confusion seiner Reden nicht mehr wundern. Dieser Herr hat also die . . . sagen wir Kühnheit, in Berlin ein Blatt herausgeben zu wollen. Auch er hat einen schönen Titel für ^dasselbe bereit: „Berliner Zeitung für die gesammtcn Interessen des Jndenthums." Das Programm verheißt: „Unser Blatt soll nicht im Solde einer Partei und auch nicht im Dienste einer lestimmten theologischen Schule stehen; es sollen vielmehr alle edlen Kräfte durch dasselbe und innerhalb desselben sich redlich sammeln zur Erreichung des von allen Glaubensgenossen sehnlichst anzustrebenden Zieles der Verherrlichung der erhabenen Gesammt- Jdeen und der ewigen Wahrheiten des Judenthums." Wer sollte sich nicht durch solche Worte angezogen fühlen? wer sollte nicht mit solchen Gesinnungen sympathisircn? Und doch ist das alles klägliche Phrase, alles geschrieben, um das bereits leck gewordene Schifflein des Herrn Nascher auf den Wellen zu erhalten! Was soll man auf derlei Reden geben, wenn sie von einem Manne ausgehen, der, wie ich durch glaubwürdige Zeugen erhärten könnte, sich selbst mit beneidenswerther Sclbsterkenntniß und Offenheit als den „Ofsenbach der Theologie" bezeichnet hat? — Wie es mit Schlesinger's Zeitschrift steht, weiß ich nicht; Herr Nascher aber denkt, wegen Mangels an Subscribenten, bereits an die Anfgab» seines Planes. bl. Berlin, 5. Dec. (Privatmitth.) Gestern hielt Herr Dr. Ungerleider im alten Tempel seine Antrittsrede, die wegen ihres gediegenen Inhaltes, ihrer schönen Form und der versöhnlichen Gesinnung, die sich in ihr aussprach, allgemeinen Beifall gefunden hat. Berlin, im Dec. (Privatmitth.) Im Anschlüsse an den in der Nr. 47 dieser Zeitung erwähnten Erlaß des Ministeriums des Innern, nach welchem den jüdischen Gefangenen gestattet wurde, sämmtliche jü-

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