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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-14 · Heft 50 (14.12.1869) · p. Seite 1016

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 50 (14.12.1869)
Date
1869-12-14
Page
Seite 1016 (sequence 20)
Language
German
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1016 Worms. Beflissen, Glänzendes und Edles zu schaffen, ging er von der Ansicht aus, daß, wenn in jener Zeit schon der allgemein herrschende Baustyl Anwendung gefunden hatte, es gewiß um so richtiger sei, den deutschen Styl bei der Synagoge einer deutschen jüdischen Gemeinde in Anwendung zu bringen, zumal da der maurische Styl, weil zum Judenthume in gar keiner Beziehung stehend, keine besondere Berechtigung habe, für die Synagoge verwendet zu werden. So ragt denn der herrliche Bau im deutschen Style im sogenannten Rohbau (gelbe Blendsteine mit Sandstein» vor unseren Blicken in die Lüfte, ein mächtiger Centralbau, überwölbt von einer 40 Fuß im Quadrat haltenden achteckigen Kuppel. Die Synagoge umfaßt ein bebautes Terrain von etwa 10,000 Quadratfuß und enthält außer dem Hauptraum — circa 80 Fuß ins Geviert — eine Vorhalle, Garderobezimmer für Männer und Frauen, Sitzungssaal und sonstige dem Bedarf entsprechende Localitäten. Außerdem ist eine Vorsynagoge vorhanden, in der an Wochentagen der Gottesdienst abgehalten wird. In dem mächtigen Raume, welcher — nur beengt durch vier die Kuppel tragende Steinpfeiler — in seiner Mittelhöhe 110 Fuß erreicht, befinden sich zu ebener Erde Männerplätze, während 450 Frauenplätze durch die amphitheatralisch aufsteigenden Empore gewonnen werden. Außerdem gestattet eine zweite Tribüne im Westen die Aufstellung eines Sängerchors und — für spätere Zeit — auch noch einer für jetzt durch Majoritätsbeschluß abgelehnten Orgel. Die innere Einrichtung ist bis auf die Malerei beendet und die Einweihung des Gotteshauses wird wahrscheinlich zum Wochenfeste stattfinden. Die Kanzel, die heilige Lade und das Almemor sind von sehr schönem, weißem Sandstein ausgeführt und werden durch Vergoldung und Malerei vie wichtigsten Punkte des Jnnenraumes auf das prächtigste auszeichnen. Der ganze Bau macht den Eindruck der Großartigkeit und Würde und trägt ganz und gar den Character einer monumentalen Schöpfung. Bei aller Einfachheit der Form sowohl im Aeußern wie im Innern bringt die neue Synagoge doch durch ihre kühnen Verhältnisse auf den Beschauer eine wahrhaft ernste Wirkung hervor und zeichnet sich characteristisch und vorteilhaft vor vielen anderen in der Neuzeit errichteten Synagogen aus. Wie sich aber die Zeiten zur Belehrung für die Jaudatores temporis acti ändern! Im siebzehnten Jahrhundert ließ der Großvogt Langemantel auf fürstlichen Befehl den damals in derselben Straße, in welcher sich die neue Synagoge erhebt, befindlichen Judentempel niederreißen und heute erbauen die Juden ein Gotteshaus in großartigstem Style als eine der größten Zierden der Stadt in unmittelbarer Nähe einer christlichen Kirche n:i»n Da aber der Bau der Synagoge einen erheblich höheren Kostenaufwand erfordert, als der früher in Aussicht genommene uud dieser sich auf die Summe von 110,000 Thlr. beläuft, während durch freiwillige Gaben zur Tilgung der Kosten bis jetzt erst 25,000 Thlr. zusammengekommen sind, so richtet die Synagogenbau- Commission an sämmtliche Glaubensgenossen in unserer Stadt die dringende Bitte um neue reichliche Gaben und um Förderung des Unternehmens durch Uebernahme von Synagogenbau-Obligationen, die sicher nicht ohne Erfolg bleiben werden. Vermischtes. tvns Alles in unsrer Leit noch möglich ist! Zn der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses zu Berlin wurde bei der Verhandlung über den Etat des Cultusministers beantragt, 500 Thlr. zu streichen, die für die Mission zur Bekehrung der Kasfern und Hottentotten seit 1853 jährlich bewilligt worden. Der Abg. Strosser «.von der Rechten) vertheidigte die Position, und sagte: „An jeder gewonnenen Menschenseele ist Freude bei den Engelein im Himmel (sehr gut! rechts), und dafür kann nicht Geld genug ausgegeben werden (Beifall rechts!), Knak aber ist ein Ehrenmann, vor dem man den Hut abziehen muß." Das ist auch ein Vertreter des Volkes! — Noch erbaulicher ist, was aus dem letzten, am 22. November gehaltenen päpstlichen Consistorium zu Rom verlautet. Der Consistorial-Advocat Bonini plaidirte dort für die Beatification und Canonisativn der Signora Maria Anna Taigi, ihres Zeichens Waschfrau, deren Frömmigkeit in den hohen kirchlichen Kreisen — die „Rettung" Rom's beim Garibaldi-Putsch von 1867 zugeschrieben wird. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur ldio. H. Loge.

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