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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-14 · Heft 50 (14.12.1869) · p. Seite 1003

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 50 (14.12.1869)
Date
1869-12-14
Page
Seite 1003 (sequence 7)
Language
German
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1003 für Gottesdienst, Unterricht, Krankenpflege, Altersversorgung u. s. w. bereits besitzt. — Die Ankunft des Dr. Geiger ist wieder in weitere Ferne gerückt. Derselbe will erst das neue Gebetbuch vollenden, mit dessen Zusammenstellung ihn die Frankfurter Gemeinde — ohne jede Rücksichtnahme auf die Arbeiten der Synode — beauftragt hat. Dresden, im Dec. (Privatmitth.» Herr Advokat Emil Lehmann hat an den eben versammelten sächsischen Landtag eine Petition gerichtet, die auch gedruckt erschienen, und durch welche er mehrere in Sachsen noch bestehende Bestimmungen betreffs der Juden, die aber mit § 33 der sächsischen Verfassungsurkunde in Widerspruch sich befinden, aufzuheben beantragt. Sie betrifft die für Juden ausnahmsweise crflossene Bestimmung, daß sie Vor- und Familien-Namen nicht willkürlich ändern dürfen; eine andere Fassung der tzK 32 und 56; die Aufhebung des Verbotes von Ehen zwischen Juden und Christen; die Beseitigung der letzten Rechte des Eides mors judaico; das Verbot, daß ein jüdischer Notar oder Richter einem Christen einen Cid abnehmen dürfe, zu beseitigen; den jüdischen Advokaten zur Praxis in Ehesachen christlicher Parteien zuzulassen; die versprochene Verordnung zu erlassen, daß die jüdischen Ehescheidungen vor den Appellationsgerichten zu verhandeln, dabei aber Rabbiner hinzuzuziehen und von diesen nach erfolgten Scheidungen die Scheidebriefe auszufertigen seien; endlich, so lange noch keine Civilregister für alle Einwohner cingefnhrt sind, die jüdischen Religionsgemeinden zur alleinigen Führung der Geburts-, Trauungs- und Sterbelisten für ihre Glaubensgenossen zu ermächtigen. Die Motive zu diesen Petitis sind juristisch sehr gründlich ausgeführt, und ist es nun abzuwarten, welchen Erfolg die Petition haben werde. Bonn, 1. Dec. l Privatmitth.) Die Thronrede Napoleon III. zur Eröffnung des Gesetzgebenden Körpers am 29. v. M. enthält die Phrase, das (Sonett zu Nom sei als „ein Werk der Wahrheit und Versöhnung" anzusehen. Wenn die übrigen Phrasen dieser Rede nicht mehr Vertrauen einzuflößen bestimmt und fähig sind, als diese, so ist die französische Nation wieder einmal betrogen. Betrachtet Louis Napoleon etwa den Syllabus als ein Werk der Versöhnung? oder die Unfehlbarkeit des Papstes als ein Werk der Weisheit? Hat der französische Kaiser sich großer Erfolge bei der frömischen Curie zu erfreuen? Gelang cs ihm mit all' seinem Einfluß damals den Knaben Mortara seiner verzweifelten Mutter wiederzugeben? ist cs ihm nur möglich, seinem Erzbischof von Paris den Purpur zu verschaffen, weil dieser nicht ganz nach der ultramontanen Pfeife tanzt? Man braucht nur die Art und Weise zu gewahren, in welcher die Vertreter der die Curie beherrschenden Jesuiten die wenigen Stimmen behandeln, welche im katholischen Lager selbst sich gegen die Unfehlbarkeit aussprechen, z. B. Louis Beuillot, den Erzhischof von Orleans Dupanloup, um gewiß zu sein, daß hier keine Versöhnung, nicht einmal mit den nicht ganz ultramontanen Katholiken, um tote viel weniger mit der gesummten nichtkatholischen Menschheit gesponnen wird. Vielmehr lese man nur die Hirtenbriefe der nach Rom abreisenden Bischöfe, um die unumwundene Kriegserklärung gegen alle andern Religionsbekenntnisse, gegen Die Grundsätze des Rechtsstaates, gegen Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung, gegen jede persönliche Freiheit, gegen Wissenschaft und Aufklärung vor sich zu sehen. Mit den schwärzesten Farben wird die Civilisation als der Pfuhl aller Lasterhaftigkeit, aller Untreue und teuflischen Bosheit gemalt, ja gebrandmarkt. Wenn man nicht annehmen möchte, daß die Herren Bischöfe nur das Gefühl der Rache und des Hasses befriedigen wollten für die ihnen etwas abgenommene und verkürzte Herrschaft, hätte man kaum eine Erklärung für eine derartige Erscheinung, Denn wer nur den flüchtigsten Blick in die Geschichte jener Zeiten und Länder wirft, wo die katholische Kirche die alleinstehende und allmächtige war, der iveiß, daß alle diese Schilderungen ganz eigentlich blos auf diese Zeiten und Länder passen, daß dort der Kampf der rohesten Gewalt, der wüstesten Leidenschaften, der Untreue und Bosheit, steter Abtrünnigkeit, Eidbrüche und Grausamkeiten obwaltete, wie in keiner anderen Zeit der Menschengeschichte, daß dort täglich Scheußlichkeiten verübt wurden, wie bei den rohesten Völkern nicht ärgere; ja man gehe die Geschichte der Päpste, des Kirchenstaats, Roms nur durch, um in diesen Aeußerungen hoher Kirchenfürsten wenig Wahrheit zu finden. Wie es also mit dem „Werke der Weisheit und Versöhnung" im römischen Concil nach dem Ausspruche des französischen Kaisers aussieht, erkennt man leicht. Täuschung, und immer nur Täuschung und

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