Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1869)
- Date
- 1869-12-14
- Page
- Seite 1000 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1000 zu erklären. Was das Erstere betrifft, so ist es nichts als eine Uebertragung des „christlichen Staates" ans die „christlichen Lehranstalten." Da der preußischen Verfaffung und dein Bundesgesetze gegenüber der „christliche Staat" nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, macht man die Schulen zu „christlichen Lehranstalten." Wenn aber Staat und Commune nicht christlich sind, so können es auch die staatlichen und Communal- Schulanstalten, so können überhaupt außer den eigentlichen Kirchen alle durch staatliche und Communal- Mittel erhaltenen Anstalten es nicht sein. Doch wir wollen der Debatte nicht vorgreifen. Die Sache selbst, um die es sich handelt, und der ganze Kampf sind so bedeutend und intereffant, daß wir nicht anstehen, einen beträchtlichen Raum dieses Blattes ihnen zu widmen. (Fortsetzung folgt.» Die Deschnei-ung vom talmudischen Standpunkte. Wenn wir es in unserer Erörterung des biblischen Standpunktes für nothwendig erkannten, sämmtliche Stellen der h. Schrift, in welchen die Beschneidung berührt wird, anzuführen, weil eben daraus der Gesichtspunkt klar wurde, aus welchem unser Gegenstand in den verschiedenen Epochen der biblischen Zeit bis nach dem Wiederaufbau des Tempels angesehen wurde, so liegt es betreffs des Talmuds und seiner Nachfolger anders. Es kann hier aus eine Sammlung aller bezüglichen Aussprüche, weil sie eben die Einzelner von sehr verschiedener Autorität sind, gar nicht ankommen. Wir haben uns vielmehr mit den Gesammtresultaten der talmudischrabbinischen Entwickelung bekannt zu machen und deren Verständniß anzustreben, auch hier völliger Objectivität uns befleißigend, ohne rechts oder links zu schauen. Die talmudische Entwickelung aber umfaßt einen langen Zeitraum unter sehr mannigfaltigen geschichtlichen Verhältnissen, und wir werden deshalb den Faden der geschichtlichen Erscheinungen verfolgen müssen. Wir glauben auch hier, daß dies die einzige wissenschaftliche und objective Methode ist. In der biblischen Zeit hatte die GotteSlehre den Kampf mit dem Heidenthume im Schoße des israelitischen Volkes selbst zu bestehen , und beherrschte, nachdem jener ausgefochten, das ganze jüdische Volk. Anders aber war es seit dem Ende der biblischen Zeit, mit welchem die talmudische Enwickelung beginnt. Hier hatte das Judenthum zuerst mit den feindlichen Invasionen der Syrer und dann der Römer und weiterhin mit den feindlichen Elementen, denen es in der Zerstreuung des jüdischen Stammes begegnete, in tiefgreifendster Weise zu kämpfen. Es läßt sich nun bemerken, daß dieser Kampf um die Existenz bis zum Siege des Christenthums ein anderer war, als nach diesem. In jener Periode richtete sich die Gegnerschaft mehr gegen das Judenthum selbst und griff es daher in seinen Grundsatzungen an, während das siegreiche Christenthum vielmehr danach trachtete, die jüdische Masse zu bekehren oder auszurotten, wobei es wohl das Judenthum im Ganzen, aber nicht in seinen Satzungen angriff, letztere vielmehr als aus der h. Schrift gefloffen an den Juden achtete und sie erst durch ihre Bekehrung davon befreit glaubte. Wir sind hiermit schon auf unserm speciellen Gebiete angelangt; denn da unstreitig die Beschneidung gerade zu den Grundsatzungen des Judenthums gehörte, so war gegen sie in jener ersten Zeit der talmudischrabbinischen Entwickelung die Feindseligkeit der Gegner vorzugsweise gerichtet, während sich das in der späteren Zeit verlor. Untersuchen wir daher diese verschiedenen Etappen in der Geschichte der Beschneidung. Dennoch wollen wir, um den Geist zu bezeichnen, aus welchem die folgenden Erscheinungen seitens der talmudisch-rabbinischen Entwickelung zu betrachten sind, sofort vorausnehmen, welche allgemeine Bedeutung innerhalb dieser die Beschneidung enthalten hat. Sie ist ausgesprochen in dem einfachen Worte, welches an der Spitze der nV'» rirrn im Jor.Deah steht(260.) nbvtti isa ns bvzb asbnwmso man in au ib rrs»:, also die Beschneidung wurde für das höchste aller Gebote erklärt. Wir wollen nur als beiläufig erwähnen, daß die Beschneidung bei den occidentalen Völkern vielfach bespöttelt und die Juden darüber verhöhnt wurden. Wir haben darüber noch Belege in den Satiren des Horaz, Martial, Juvenal, Persius. Aber auch Philo fand sich gedrungen, wie er ausdrücklich bemerkt, diesen Spöttereien gegenüber die kleine Schrift „über die Beschneidung" (-rk^r Ttegno/urje) zu verfassen, in welcher er die Gründe und Zwecke der Beschneidung ausführt und zwar theils sanitärische theils allegorische, und aus ihnen zur treuen Festhaltung dieser Satzung ermahnt (edit.