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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-07 · Heft 49 (7.12.1869) · p. Seite 995

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 49 (7.12.1869)
Date
1869-12-07
Page
Seite 995 (sequence 19)
Language
German
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995 rettet, so stimmt diese Stelle vollkommen mit den letzten Entdeckungen, welche beweisen, daß die Hauptstadt, in der die Pharaonen ihren Sitz hatten, Than war, später Tanis und Avaris, ungefähr 10 (franz.) Meilen von Port-Said gelegen, dem Eingang unseres Kanals am Mittelländischen Meer. Am Fuße der Ruinen dieser Stadt fließt der alte Tanitische Arm, welcher sich jetzt in den See Menzaleh ergießt, anstatt ins Meer, da seine Mündung versandet ist. Dian sieht an seinen Ufern nahe bei Than , wie ehedem, zahlreiche Schilfgewächse, und man begreift, daß an dieser Stelle die Wiege Moses hat stehen bleiben müssen, wie es die Bibel erzählt, deren Beschreibungen immer vollkommen genau sind. Die Untersuchungen des Herrn Mariette haben die Entdeckung einer Allee von Sphinxen herbeigeführts, ans welchen man den Namen des Königs wiedererkannt hat, welcher zur Zeit, als Joseph, Sohn Jakobs, erster Minister war, herrschte. Die Gestalten dieser Sphinxe haben keine Beziehung mit denen, welche man in den anderen Theilen Aegyptens findet, sie sind den jetzigen Fischern des See Menzaleh ähnlich, welche dann die Nachkommen der alten Eroberer, der Hyksos, wären, deren Ursprung die Geschichte noch nicht hat angeben können. Sie gehören offenbar der Aegyptischen Rasse an. Die Bibel erzählt von den Besuchen, welche Moses häufig mit seinem Bruder Aaron im Königspalaste machte, und wirklich, er konnte sich leicht hinbegeben, denn nach Than zu gehen, war nur ein Tagesmarsch, während, uin nach Memphis zu gehen, er drei bis vier Tage nöthig gehabt hätte. Als Moses Aegypten verließ, 430 Jahre nach der Ankunft Jakobs, brach er von der Stadt Ramses auf, wo Ziegeleien angelegt waren, in denen die Hebräer verwandt wurden. Diese beklagten sich über die große Anzahl Ziegeln, welche man ihnen für die Bauten in Aegypten auflegte, und besonders darüber, daß ein neuer Aufseher der Pharaonen sie zwang, das Stroh zu liefern, welches zur Herstellung dieser Ziegeln gehörte. Ich wußte früher nicht, daß das Stroh etwas mit Ziegeln gemein hat, aber ich habe seitdem gesehen, daß noch heute in die Ziegeln, welche die Aegypter bereiten, zu einem Viertel Stroh kommt. Also, der Grund, den die Bibel für den Auszug der Hebräer angiebt, ist die Verpflichtung gewesen, Ziegeln zu brennen und Stroh zu liefern! Der Ort, von dem Moses mit seinem Volke aufbrach, war Ramses. Man findet daselbst noch eine Granitstatue mit der Inschrift Ramses. Die Bibel sagt, die erste Station von Moses Karavane, hinter Ramses, war Sokoth. Sokoth bedeutet im Hebräischen Zelt. Derselbe Ort heißt heute auf Arabisch lim r>»m (die Mutter der Zelte). Die dritte Station des Volkes Moses war Etham in der Wüste. Etham hat seinen Namen bewahrt. Der Stamm, welcher zuweilen an diesem Ort seine Heerden weiden läßt, nennt sich den Stamm der Ethami. Die Bibel sagt, daß Moses von Etham sich wieder rückwärts wandte. Er lagerte bei Pi-Hahirvth, zwischen Migdol und dein Meere, gegenüber von Baal-Thsephon. Pi-Hahiroth bedeutet int Hebräischen: Schilfbucht oder bschilsthal, jenes Thal, wo es iuuner Schilf giebt, ist nahe beim See Timsah. Moses ist also beim See Timsah vorbeigezogen, bis wohin die letzten Sümpfe des rothen Meeres reichten. Das Bassin der Bitterseen war eine Bucht, wie heute die Suezbucht. Gott schickte, um Moses zu begünstigen, einen schrecklichen Sturm, welcher das Heer Pharao's verhinderte ihn zu verfolgen. Moses benutzte die Nacht und die Ebbe um die Lagunen zu überschreiten, welche zwei oder drei < franz.) Meilen Breite hatten und noch haben. Als der Sturm aufgehört hatte und nun Pharao mit seinem Heer ankam, war das Meer gestiegen und begrub ihn.*! Moses irrte in der Wüste an der andern Seite des See's Tunsah, während dreier Tage und machte an einer Quelle halt, welche er Mara nannte, d. h. Bitterbrunnen, weil das Wasser sehr bitter war. Gott gab ihm den Gedanken ein, Pflanzen hineinzuwerfen, welche das Wasser trinkbar machten. Arabische Häuptlinge haben mir erzählt, daß, wenn sie dieses Wasser trinken wollten oder es ihren Thieren zu trinken geben, sie eine Art Berberisbeere hineinlegten, welche in der Wüste wächst, und die Eigenschaft hat die Salz- und Alkalibestandtheile des Wassers zu absorbiren. Es ist interessant zu sehen, wie das Ortsstudium den religiösen Glauben bestätigt, welchen 'jeder von uns bewahrt. Dieser Gebrauch hat sich bis auf unsere Tage erhalten." *) Man sicht auch hier, wie mangelhaft alle derartige rationalistische Deutungen bleiben. Denn sollte Pharao die Beschaffenheit des Landes und dieser Mccrbnchtcu so wenig gekannt haben, daß er mit seinem ganzen Heere sich in das Meer hineinwagt, wenn es so einfach zugegaugen, wie Herr Lesjepö darstellt? Die Redaktion. Cnriosa. Der in einem mohammedanischen Lande gelegene Suezkanal ist am 17. November eingesegnet (!) worden, und zwar nach katholischem Ritus (!!), und zwar durch einen getauften Juden ft!!), Abbe Bauer. Unlängst kam in Schroda (Posen) ein Jude mit seiner blinden Frau aus Jerusalem an. Er hieß Schey Koppel, war aus Kozmin gebürtig, und ging vor vielen Jahren mit noch zwei Brüdern von Kozmin nach Nordamerika, sodann nach Kalifornien in die Goldgruben, hernach nach Australien in die Juwelenstrecke, und zu-

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