Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1869)
- Date
- 1869-12-07
- Page
- Seite 996 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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996 letzt nach Jerusalem. Er hat ein sehr viel bewegtes Leben geführt, scheint aber wohl seinen Glücksstern nicht gefunden zu haben. In Jerusalem hatte er sich verheirathet, mehrere Jahre dort gelebt, hernach verschiedene herumschweifende Ausflüge in die umliegenden türkischen kleinasiatischen Provinzen gemacht, auf welchen seine Frau erblindete. Aus Smyrna war sein Paß datirt und wollte er seine Frau in Europa operiren lassen, allein diese Kur gelang ihm weder in Konstantinopel noch in Wien. In Schroda erkrankte er auf seiner Weiterreise und starb zuletzt. Der Corporation sind dadurch nicht unbedeutende Ausgaben entstanden, und ist seine Frau von Schroda aus nach Kozmin spedirt worden. Änwachs drs Iildenthilms in Amerika. Dieser beweist sich am ehesten dadurch, daß in dem Jahre 5629 jüdischer Zeitrechnung 13 neue Synagogen in den Vereinigten Staaten eingeweiht wurden, wornnter 3 in New-Uork. Fälschung. Von Zeit zu Zeit treten in der gelehrten Welt Fälscher auf, welche Funde aus dem Alterthum irgendwo gemacht zu haben vorgeben, um die von ihnen aufgefundenen Urkunden oder Schriftwerke an Bibliotheken, Museen oder Privatliebhaber zu hohen Preisen zu verkaufen. Diese Fälschungen sind natürlich mit mehr oder weniger Kunst, mit mehr oder weniger Sachlenntniß verfertigt, und erfordern daher verschiedene Grade wissenschaftlicher Kritik, um entlarvt zu werden. Auch auf unserem Gebiete hatten wir bereits im ersten Jahrgang zur Aufdeckung einer solchen Fiction mitzuwirken. Plumper jedoch hat sich wohl noch niemals ein Gelehrter täuschen lassen, als der berühmte Mathematiker Chasles, Mitglied des Instituts in Paris. Ein gewisser Franz Lukas hat demselben einige Kisten voll Pseudo-Autographen und historischer Dokumente für nach und nach 150,000 Frs. verkauft, die dieser Gelehrte gläubig annahm und auf seinem eigenen Gebiete daraus Folgerungen öffentlich aussprach und behauptete z. B., daß die Entdeckung der Newtonischen Lehre einem Franzosen gebühre. Bei sachgemäßer Prüfung fand sich denn, daß auch nicht ein einziges dieser Dokumente echt sei. Der Herr Lukas erwartet iin Gefängniß seine Strafe. Uns interessirt eines der Schriftstücke, über welches ein Correspondent der R. A. Z." Folgendes berichtet: „Die Krone aber von allen den Falsificaten, die ich gesehen, gebührt einem dienstlichen Berichte des Pontius Pilatus an den römischen Kaiser über die Unruhen unter den Juden, die durch das Auftreten des Erlösers hervorgerufen seien. Der Fälscher hat auf Baumwollenpapier geschrieben (Pergament oder Bombyx waren ihm wohl zu theuer), und um die Sache besonders alt erscheinen zu lassen und ihr einen eigenthümlicheu Charakter zu geben, eine Art Bronze oder Goldtinte angewendet. Der Schriftcharakter ist genau der alten lateinischen Uncialschrift nachgeahmt und das barbarische Französisch, das Formen des dreizehnten Jahrhunderts mit solchen des sechszehnten mischt, nimmt sich in der alten Uncialschrift komisch genug aus. Der Bericht selbst ist in einem Stile abgefaßt, wie etwa ein heutiger Präfect oder Landrath an einen Ressortminister schreiben würde und aus der „bonno cii6 de Jherusalem“ datirt. Am kostbarsten aber ist die Schlußformel: Quc le bon dien vous conservc! und die Unterschrift : Police Tilate in Cur sw. Bekanntlich ist die Sitte, mit seinem Namen zu unterzeichnen, in Urkunden und officiellen Acten ziemlich alt, dagegen in Briefen sehr jungen Datums; das allein schon hätte Herrn Chasles bestimmen können, das Falsificat nicht einmal für die Abschrift einer alten Uebersetzung zu nehmen, während es doch durch die künstlich nachgeahmte Uncialschrift und die goldige Tinte den Anspruch zu erheben scheint, das Original zu sein." Conftslionellrs Seien. Bekanntlich ist man in vielen Städten Ungarns sehr bereitwillig auf die Bildung von Simultanschulen eingegangen und hat versucht, bestehende Confessionsschulen in solche zu verwandeln. Man hat dabei den Widerstand namentlich der katholischen Geistlichkeit zu gering angeschlagen, während man von protestantischer und jüdischer Seite sehr bereitwillig sich zeigte. Es wird nun berichtet: „Inden intercvnfessionellen Schulen hatten die Schüler ein Gebet zu sprechen gehabt, welches eben blos auf den letzten Principien aller monotheistischen Religionen, auf dem Deismus, beruhte und eines jeden dogmatischen oder speciell confessionellen Gepräges bar war. Wie nun Ellenör berichtet, wurde sogar dieses Gebet abgeschafft, weil die Herren katholischen Geistlichen in diesem unschuldigen, farblosen Sprüchlein eine Schmälerung der Gewissensfreiheit erblickten. Man könne doch einem katholischen Kinde nicht zumuthen, argumentirten sie an geeigneter Stelle, daß es etwas Anderes als das Vaterunser, den englischen Gruß u. s. w. bete! Der Pester Lloyd, dem wir diese Mittheilung entnehmen, macht dazu folgenoe Bemerkung: Es ist in der That schwer, den Pelz zu waschen und ihn nicht naß zu machen, und wir würdigen vollkommen den harten Stand des Cultusministerimns, welches durch Errichtung interconfessioneller Schulen dem Liberalismus huldigen will, aber es doch auch mit dem katholischen Clerus und den speciell katholischen Interessen nicht verderben möchte! Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Di*. H. Lotze.