Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1869)
- Date
- 1869-12-07
- Page
- Seite 994 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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994 da war es der selige R., der in dem „Russischen Invaliden" einen fulminanten Artikel darüber schrieb, welcher in der Residenz Aufsehen machte. — Die oben erwähnte ausgezeichnet geschriebene Novelle „Der Strafnoi" soll die Veranlassung gewesen sein, daß die Negierung sich bewogen gefühlt, diesem scheinenden Unrecht Einhalt zu thun! Die Redaction des „Naßwett" hat er mit vieler Umsicht und feinem Tact geleitet und seine musterhaften Leitartikel zeigen deutlich, wie nahe ihm das Interesse des Judenthums zum Herzen ging und wie er keine Gelegenheit verabsäumte für dasselbe eine Lanze einzulegen. Zu jener Zeit, — vor einem Jahrzehnt — als er das erste jüdische Organ ins Leben rief, war es eine schwierige Aufgabe ein jüdisches Blatt in russischer Sprache zu redigiren. Die Kluft zwischen den Juden und ihren christlichen Brüdern war zu groß, die Theilnahme der Regierung für die Israeliten zu gering und R., der bestrebt war, Alles an das Helle Licht zu schaffen, befand sich, wie gesagt, in einer sehr unangenehmen Lage. Die Israeliten beschuldigten ihn, daß er ihre Schattenseiten schildere, während cs ihm aber nur darum zu thun war, die vielen Mißbräuche, die sich seit Jahrzehnten in vielen jüdischen Gemeinden eingenistet haben, abzuschaffen. Sein Inneres war für das Wohl seiner Brüder erfüllt und wenn er manchmal in seinen satyrischen Aufsätzen sarcastisch war, so darf man es ihm nicht übel nehmen; er glaubte dadurch auf die Masse zu wirken. Wir geben zu, daß es vielleicht von ihm gefehlt war, daß er zu diesem Mittel seine Zuflucht nahm. Aber wir haben die feste Ueberzeugung, daß die Motive dazu die reinsten waren und er dies lediglich that, weil er sich davon das beste Resultat versprach. Uebrigcns müffcn wir in Betracht ziehen, unter welchen unliebsamen Verhältnissen er jene schwierige Aufgabe erfaßt, und wie innerlich erbittert mußte er sein, als er sah, wie wenig Sympathie das jüdische Organ in der Mitte des jüdischen Volkes fand! Alle Arbeit lastete auf seinen Schultern und selbst materielle Unterstützung wurde seinem Unternehmen nur in geringem Maaße zu Theil. — Dieser Vorwurf gilt noch heute der jüdischen Bevölkerung in Rußland, die der jüdischen Zeitung „Djen" nur wenig Beachtung schenkt, und wir bezweifeln sehr, ob, unter diesen Umständen, das Blatt sich lang erhalten wird. Und es wäre jammerschade, wenn es eingehen sollte! Nach dieser kurzen Abschweifung kehren wir wieder zu R. zurück. Abgesehen von der mißlichen Stellung, in der er sich gegenüber den Israeliten befand, von denen ein großer Theil kein Verstäudniß für sein Streben hatte, waltete noch damals eine strenge Censur, von der er viel auszustehen hatte, und die Plackereien derselben verleideten ihm gänzlich das Unternehmen. Und dennoch war er ein Mann von Energie, der sich nicht so leicht eiuschüchtern ließ und vor den Widerwärtigkeiten, womit er umgeben war, nicht zurückschreckte! — Ein ganzes Jahr redigirte er diese Zeitschrift und finden wir in diesem Jahrgange viele treffliche Aufsätze und beherzigenswerthe Winke für die Verbesierung der Lage der Inden. Nach Ablauf des Jahres ging der „Raßwett" ein und an seine Stelle trat der „Zion" unter anderer Redaction, der ebenfalls nach einem Zeitraum von einem Jahre, aus Mangel an Theilnahme, das Zeitliche segnete. So sehen wir, daß die „Morgendämmerung" und die feste Burg „Zion" so schnell ein Ende nahmen; möge es dem „Tag" beschicken sein länger zu leuchten als seine beiden Vorgänger! L. T—g. Die Landenge von Suez und die Bibel. In dem Augenblicke, wo der Suezkanal eröffnet, und dieses Factuin in außerordentlicher Weise gefeiert wird, kann es unsere Leser nur interessiren, eine kleine Arbeit der Urhebers und Ausführers dieses großen Unternehmens, des Herrn F. von Lesseps zu lesen, die er an die Spitze des Werkes eines seiner Mitarbeiter gestellt hat. „Ich glaube es wird nicht ohne Interesse sein, einige Worte über die Geschichte dieses berühmten Landes zu sagen. Diese Geschichte ist sehr wenig bekannt, weil sie niemals dargestellt worden ist. Die Bibel giebt uns die ersten Aufschlüße über die dort stattgefundenen Ereignisse. Abraham ist über die Landenge gezogen. Er ist nach Aegypten, nach Memphis gekommen, wo schon seit lange die größten Monumente der Welt existirten. Nach Abraham ist Jakob, aus Syrien kommend, über die Landenge gezogen, dem See Timsah gegenüber, und nach Ramses gekommen, wo er sich mit 70 Personen ansiedelle, 43t) Jahre vor Moses, welcher aus den Wassern des Nil gerettet wurde. Einige Geographen haben Moses Wiege Memphis gegenüber versetzt, wo der Nil sehr tief und sehr reißend ist. Moses muß in dem Tanitischen Arm ausgesetzt worden sein, nahe bei dein See Menzaleh, nicht weit von unseren Arbeiten und vor der alten Stadt Than, in der Nähe des Thales Gosen. Die neuen Entdeckungen des Herrn Mariette haben festgestellt, daß dies die Residenz der Hirtenkönige, Hyksos genannt, war. Der Name Sos bedeutet im Aethiopischen Hirt, und ich glaube, Suez kommt von Sos. Dann würde das Land Gosen, was im Hebräischen „Weideland" bedeutet, nur die Uebersetzung von Sos sein. Moses ist also an einem der Nilarme, der für den Nil selbst gehalten wurde, gerettet. Noch heute nennen die Araber, wie die Bibel, Nil alle Arme des Nil, alle die großen Canäle, welche von diesem Flusse ausgehen. Wenn nun die Bibel sagt, Moses sei aus dem Nil ge-