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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-07 · Heft 49 (7.12.1869) · p. Seite 993

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 49 (7.12.1869)
Date
1869-12-07
Page
Seite 993 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Zudcnthums. Feililletoil-Scilage zu Ar. 49. Leipzig, den 7. December 1869. Odessa, 2. November. j Nekrolog. | Soeben wird uns die traurige Nachricht von dem am 16. October in Meran in Tyrol erfolgten Ableben des wackern Joseph Rabinowitsch, früheren Redacteurs der ersten jüdisch-russischen Zeitschrift in Rußland „Raßwett", und Eines der Wenigen unter den russischen Juden, der sich einen Namen als russischer Literat und Schriftsteller erworben. — Noch unter dem Eindrücke der erschütternden Nachricht, nehmen wir die Feder zur Hand, um dem leider zu früh Heimgegangenen Verfechter der Juden- und Menschenrechte einige Worte der Erinnerung zu widmen. Der Verewigte, dessen biographische Notizen uns gänzlich fehlen, und dem die jüdische Zeitung „Djen" gewiß in einer ausführlichen Biographie ein Denkmal der Erinnerung setzen wird, war Advokat und erfreute sich durch seine Rechtlichkeit und biedern Sinn des Vertrauens des größer» Publikums. Geboren in einer kleinen Stadt Rußlands, verbrachte er dort seine Kindheit und die ersten Jahre seiner Jugend. Der Drang nach Wissen und Bildung regte sich mehr und mehr in ihm und er beschloß die Universität Charkow zu beziehen, wo er Anfangs dem Studium der Medicin oblag, dieselbe aber in der Folge verließ und sich der Jurisprudenz zuwandte. Aller Wahrscheinlichkeit nach, war es in der Universitätsstadt, wo er zum ersten Male literarisch auftrat, da er in sich den Beruf fühlte, schriftstellerisch zu wirken. Nach Beendigung seiner Studien zog er nach Odessa, wo er Anfangs auf dem Bureau eines der tüchtigsten Advocaten arbeitete; hier erwarb er sich die nöthigen praktischen Kenntnisie, worauf er sich als selbstständiger Anwalt niederließ, und viel beschäftigt war. Trotzdem der verewigte R. von seinem Berufe vollauf in Anspruch genommen war, so widmete er die wenigen Mußestunden, die ihm vergönnt waren, der russischen Literatur. In vielen russischen belletristischen und literarischen Zeitschriften finden wir viele treffliche Aufsätze, die seiner gediegenen Feder entflossen sind. Von den vielen wollen wir an dieser Stelle der erschütternden und herrlich geschriebenen Novelle „Der Strafnoi" erwähnen, welche auch dem Deutschen Lesepublikum durch die vorzügliche Uebersetzung des verewigten Historikers 0r. Jost (Jahrbuch für Geschichte der Juden und des Juventhums, 1. Band) bekannt ist. Außerdem sind mehrere Brochüren von R> vorhanden, in denen er das jüdische Leben schildert, wie z. B. „Die wandernden Artisten," „Der ererbte Leuchter" u. in. A. — In den vierziger Jahren übersetzte er Eichenbaums Gedicht „Hakrab," welches das Schachspiel besingt, in einer schönen fließenden Sprache. Der Heimgegangene R. war ein Mann von vielen Kenntnissen und Wissen. Als russischer Schriftsteller hat er sich einen Namen erworben und war mit vielen der hervorragenden Schriftsteller in freundschaftlicher Beziehung, wie z. B. mit dem vor Kurzem in Petersburg verstorbenen Tscherbinin, welches freundschaftliche Verhältniß dem seligen R. vor nicht langer Zeit Veranlassung gab einen Brief von Stuttgart aus an den Redacteur des „Djen" zu richten, welcher sein Schwanengesang war, und der, wie Alles, was aus seiner gewiegten Feder floß, den Stempel des Vollkommenen trug. Außer der vaterländischen Sprache, die er mit Liebe hegte und pflegte, verstand er recht gut hebräisch und war mehrerer modernen Sprachen mächtig. Im Freundeskreise pflegte er sich gerne im jüdischen Jargon zu unterhalten. In Gesellschaft war er sehr liebenswürdig, geistreich, voll Humor und sehr witzig. Seine überaus großen Anstrengungen des Geistes übten einen nachtheiligen Eindruck auf seine schwache Gesundheit aus und er mußte, auf Anrathen der Aerzte, mehrere Mal in den böhmischen Heilquellen Linderung für seine Leiden suchen. Als einen hervorragenden Zug im Charakter von R. müssen wir seine warme Liebe und treue Anhänglichkeit für das Judenthum hervorheben, welches in ihm stets einen eifrigen Vertreter und Verfechter fand. Als im Jahre 1859, während der christlichen Osterfeiertage, in Odessa von griechischem Gesindel ein Auflauf gegen die Juden veranstaltet wurde und die städtischen Behörden bei dieser Affaire sich lau benahmen,

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