Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1869)
- Date
- 1869-12-07
- Page
- Seite 988 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226740--27847-3263445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
988 hat, und diesen seinen Beruf stets vor den Augen aller Welt ehrte und hochstellte. Hierin konnte er für jüdische Mitglieder aller gesetzgebenden Versammlungen ein Vorbild sein. Rußland. St. Petersburg, 23. Nov. Aus Bessarabien wirdeine Judenhetze ganz neuer Art berichtet. Noch aus alter Zeit besteht ein Gesetz, wonach Juden in Städten, welche weniger als 50 Werst (7 '/2 Meilen) von der Grenze entfernt liegen, nicht wohnen dürfen. Wie so viele andere Gesetze, wurde auch dieses nur ausgeführt, wenn gerade irgend ein specieller Fall vorlag oder irgend ein Interesse im Spiele war. Jedenfalls wurde dasselbe unter der Regierung des jetzigen Monarchen als verfallen betrachtet. Die Stadt Kischenew hat eine Bevölkerung von etwa 20,000 jüdischen Familien. Zur Zeit als jenes Gesetz erlassen wurde, lag sie von der Grenze mehr als 50 W. entfernt; durch den Krimkrieg jedoch, in Folge dessen Rußland einen Strich Landes an die Moldau abtrat, ist Kischenew nun in den unglücklichen Antijuden-Rayon gerathen. Hätte jenes Gesetz noch Giltigkeit gehabt und hätte man dasselbe strenger ausgcführt, so konnte man im Jahre 1856 vielleicht behaupten, sämmtliche Juden müßten aus Kischenew und den anderen im Rayon gelegenen Ortschaften auswandern; selbst das ist indeß fraglich, da Gesetze nie rückwirkende Kraft haben sollen und da aller Wahrscheinlichkeit nach die bessarabischen Juden nichts dazu beigetragen hatten, den Krimkrieg zu provoziren und dadurch die Landesgrenze zu verrücken. Allenfalls hätte die Maßregel damals den Schein einer Gesetzlichkeit gehabt; aber dreizehn Jahre lang ließ man die Juden ungestört in Kischenew und Umgegend und jetzt plötzlich wird das erwähnte Gesetz angerufen, die Judenfamilien aus der Stadt und Umgegend (wie man versichert an 30,000 Familien; auf Wagen geladen und ins Innere des Landes bis an einen Punkt geführt, der die vorschriftsmäßige Entfernung von der Grenze hat; dort werden sie abgeladen und mögen nun sehen, wie sie weiter kommen. So viel aus localen Berichten ersichtlich, haben die seit dem 1856er Frieden eingewanderten Bulgaren es verstanden, sich auf diese Weise die Conkurrenz der Juden vom Halse zu schaffen; sie wollen wahrscheinlich selber das einträgliche Schmuggelgeschäft treiben, denn jenes Gesetz beruht nur auf dem Streben, den Schmuggel zu hintertreiben. Daß aber die Behörde zu solch inhumanem Gebühren sich hergiebt, bleibt unbegreiflich, und es kann nur der Uebereifer untergeordneter Organe in dieser Weise wüthen. Noch ist zu hoffen, daß von höchster Stelle diesen Grausamkeiten ein Ende gemacht wird, wenn auch der angerichtete Schaden nicht mehr gänzlich gut zu machen ist. Australien. Aus dem Australischen Parlamente wird ein Systemwechsel betreffs der Unterstützung der verschiedenen Culte gemeldet, der eine eigenthümliche Ursache hat. Bisher waren in dem Budget der Colonie 50,000 L. zu diesem Zwecke angewiesen, von denen die verschiedenen Gemeinschaften, einschließlich der Juden, ihren Antheil erhielten. Seit jedoch die chinesische Bevölkerung bedeutend an Zahl zugenommen hat (dieselbe beläuft sich gegenwärtig auf 25,000 Seelen), stellt sich insofern eine Schwierigkeit heraus, als die Söhne des himmlischen Reiches, welche für die Gottesverehrung der übrigen Confessionen in ihren Steuerbeträgen mitzuzahlcn haben, auch einen entsprechenden Zuschuß verlangen. Da man sich nicht entschließen konnte, für den chinesischen Kultus mitzusorgen, so beschloß die Regierung, den Zuschuß an die verschiedenen Confessionen allmälig zu verringern und schließlich ganz ein gehen zu lassen. Correspondenz. Die Rabbiner-Conferenz in Philadelphia. Philadelphia, den 12. November. Am 3., 4. u. 5. November fand die Conferenz radikal reformistischer Rabbinen in Amerika, welche die DD. S. Adler und Einhorn zusammenberufen, allhier im Hause des Rabb. vr. S. Hirsch statt. Es hatten sich eilf eingefunden, nämlich: Adler, Einhorn, Gutheim, Mielziener, Sonnenschein und Maier