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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-12-07 · Heft 49 (7.12.1869) · p. Seite 987

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 49 (7.12.1869)
Date
1869-12-07
Page
Seite 987 (sequence 11)
Language
German
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987 seitens der preuß. Staatsregierung das Princip hatte, die Existenz der Inden bei allen gesetzlichen Verhandlungen zu ignoriren. Dies geht nun, Dank den constitutionellen Institutionen, nicht mehr.) Fürth, im November. (Privatmitt.) Bei den jetzt beendigten Neuwahlen zur zweiten Kammer gingen zwei Israeliten aus der Wahlurne hervor und zwar der vor der Auflösung der Kammer in Nürnberg gewählte kgl. Advokat Herr vr. Frankenburger, ein eminenter Redner und scharfsichtiger Jurist, dessen wir in unserm Bericht in Nr. 24 der A. Z. d. I. dss. Js. früher erwähnten, und Herr Rentier Levy aus Landau, gewählt in Edenkoben, beide der bair. Fortschrittspartei angehörig, die für die deutschnationale Ädee, für Bereinigung mit dem norddeutschen Bunde zu einer großen Nationaleinheit wirkt. Die Vertretung von zwei Israeliten in der Kammer übersteigt das numerische Verhältniß insofern, als bei einer Einwohnerzahl von 4,824,421 Seelen, worunter 49,840 Juden, bei einer Gesammtzahl von 154 Abgeordneten auf die Juden nicht ganz zwei träfen. Demnächst finden auch die Wahlen für die israel. Cultusrepräsentanz statt, über deren Ergebniß wir zur Zeit referiren werden. Der Kamps wird voraussichtlich ein heißer sein, indem sämmtliche bisherige Deputate austreten und dadurch die Frage entsteht, wer von beiden sich schroff gegenüberstehenden Parteien, der neologen und der orthodoxen, das Feld behaupten soll. Hoffen wir, daß in dieselbe Männer gewählt werden, deren Herz nicht nur für die Interessen der Gemeinde warm schlägt, die frei von Egoismus nur für die Gemeindewohlfahrt bedacht sind, und Herz und Mund auf dem rechten Fleck haben, sondern auch solche, die freudig alle in einer so bedeutenden Gemeinde, der größten in Bayern, vorkommenden Angelegenheiten im Geiste der Zeit und des Fortschritts entscheiden, Männer, die der Strömung der Zeit und der freien Regung des Geistes nicht feindlich gesinnt sind! Sigmund Heumann. Frankreich. Paris, 19. Nov. Unserm hochverehrten Cromieux steht in seinem hohen Alter noch ein ehrender Beweis der Achtung und des Vertrauens seiner Mitbürger bevor. Seit 1849 war er dem politischen Leben entrückt, nachdem er 1848 die glänzende Rolle eines Mitgliedes der provisorischen Regierung und dann des Justizministers bekleidet hatte. Vor der Februar-Revolution war er viele Jahre Mitglied der Deputirtenkammer, und gehörte stets zur Linken, also zur Opposition. Republikaner aus Uebcrzeugung war er wohl nicht, denn er bezeugte dem unglücklichen Ludwig Philipp noch in den letzten Augenblicken seiner Regierung Anhänglichkeit und hätte die Regentschaft der Herzogin von Orleans vertheidigt, wenn diese überhaupt möglich gewesen wäre. Aber was thut dies? Bolksmann im vollen Sinne des Wortes und ächter Patriot schloß er sich der allgemeinen Stimmung für die Republik an und diente ihr. in Tagen großer Gefahren mit voller Hingebung. Er hat die Ehre, die Abschaffung der Todesstrafe für politische Vergehen beantragt und dekretirt zu haben. Durch die Verhältnisse genöthigt, sein Amt niederzulegen und in das Privatleben zurückzutreten, hat ihn während der zwanzig Jahre ihrer Herrschaft die napoleonische Partei nicht vermocht, sich ihr zu nähern und ist er in seinem politischen Charakter völlig rein geblieben. Die eigenthümlichste Complikation bringt den noch immer feurigen Greis noch einmal auf die politische Bühne. Den Ausschreitungen der äußersten Republikaner in Paris gegenüber, und nachdem die Wahl Ledru-Rollin's durch dessen eigenes Verfahren unmöglich geworden, wurde Cremieux aufgefordert, im dritten Pariser Wahlbezirk als Candidat aufzutreten, und wird, so weit die Berichte gehen, mit großer Majorität gewählt werden, während er bei den letzten Wahlen gar keine Aussichten hatte und deshalb damals selbst zurücktrat. Diese Wahl erweist Zwiefaches, erstens daß Crsmieux sich die Achtung als politischer Charakter und als ein befähigtes Mitglied des gesetzgebenden Körpers bis in sein hohes Alter zu bewahren gewußt, aber auch andrerseits, welcher Mangel an jüngeren politischen Kräften und Charakteren gegenwärtig in Frankreich vorhanden. Für uns Juden ist der Sieg Crömieux's von Bedeutung; nicht als ob wir noch einen besonderen Werth darauf zu legen hätten, wenn in irgend ein Parlament ein Jude mehr oder weniger gewählt wird, sondern weil Cremieux vom Beginn seiner Laufbahn an sich als ein Träger der politischsozialen Verhältnisse seiner Glaubensgenossen konsequent bis zu den jüngsten Tagen angesehen und bethätigt 49*

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