Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1869)
- Date
- 1869-11-30
- Page
- Seite 963 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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963 net, aber nicht um einen christlichen Geistlichen. Ich weiß nicht, ob der Rabbiner auch das christliche allgemeine Priesterthum vertritt; ich muß dem Herrn Abgeordneten Wehrenpfennig überlassen, das zu entscheiden. Der Herr Abgeordnete Wehrenpfennig beruft sich ins Allgemeine auf die Stellung der Berliner Schuldeputation; ich kenne deren Verhältnisse nicht. Berliner Verhältnisse sind übrigens in diesem Falle durchaus nicht maßgebend. Die Berliner Schuldeputation steht auch unter dem Provinzial-Schulcollegium; das sind also auch wieder andere Verhältnisse. Ausnahmen können ja Vorkommen; ich weiß auch gar nicht, ob diese Ausnahmen von der betreffenden Behörde gutgeheißen worden sind. Sonst kann ich mich blos beziehen auf das, was ich in dieser Hinsicht selbst erfahren und angeführt habe aus der Zeit des Ministeriums der „neuen Aera"; da muß man es doch gewußt haben! (Beifall rechts.) (Schluß folgt.) Me westrussischen Jude», xvm. Wir können heute an dieser Stelle mittheilen, daß eine Verschmelzung der beiden Comit^s, des einen vom israel. Gemeindetage zu Leipzig und des anderen in der Versammlung der Alliance isr. univ. zu Berlin, gewählten, statt gefunden, und so fortan nur ein Hauptcomite bestehen wird. Was wir weiter zu berichten haben, ist, daß in Rußland sich einige Symptome zeigen, es werde schließlich von Seiten der k. russischen Regierung die Auswanderung doch noch gestattet werden. Wir haben über die von der Regierung nach Wilna berufenen Versammlungen jüdischer Deputirten bereits Mittheilungen gemacht. Hierüber wird nun berichtet: Am 17. Okt. versammelten sich in Wilna zahlreiche vom Generalgouverneur Potapoff berufene Vertreter der jüdischen Gemeinden in Lithauen, um über das ihnen vorgelegte Regierungsprojekt, betreffend die Verbesserung der Lage der zahlreichen, immer tiefer in Roth und Elend versinkenden jüdischen Bevölkerung, ihr Gutachten abzugeben. Die Berathungen nahmen mehrere Tage in Anspruch und führten sicherem Vernehmen nach zu dem Resultat, daß die Versammlung für die geeignetsten Mittel zur Verbesserung der Lage der Juden die Freizügigkeit, die Bildung von Unterstützungscomites und Förderung der massenhaften Auswanderung der Juden nach dem Auslande erklärte und die entsprechenden Anträge stellte. — Eine massenhafte jüdische Bevölkerung befindet sich in Rußland nur in jenen ehemals polnischen Provinzen bis zum Dniepr und würden mithin die von der jüdischen Notablen - Versammlung gemachten Vorschläge nur Anwendung finden in Litthauen, Reußen und im Königreich Polen. Da die jüdische Bevölkerung in den genannten Landestheilen größtentheils auf Setten der Polen steht und sich mit den polnischen Interessen als solidarisch verbunden betrachtet, so findet der Vorschlag der jüdischen Auswanderung bei den Russen ganz besonders Beifall. Die „Petersburger Börsenzeitung" räth der Regierung dringend, keine Kosten zu scheuen, um der Auswanderung der Juden die größtmöglichsten Dimensionen zu geben. „Die Jesuiten (katholische Priester) — ruft das Blatt aus — haben wir uns glücklich vom Halse geschafft, säumen wir daher nicht, um der Liebe des Nächsten allein uns auch der Juden zu entledigen!" — Wir lassen den russischen Blättern gern ihre Declamationen, wenn zuletzt das Ziel nur erreicht wird. Der Vorstand der Synagogengemeinde in Königsberg in Pr. erläßt einen Rechenschaftsbericht über die von ihm gesammelten und verwendeten Unterstützungsgelder für die nothleidenden Juden in Rußland. Er nahm 14162 Thaler ein und verausgabte 13891 Thlr., so daß 271 Thaler Rest verbleibt. — Unser Subcomite in Hildesheim entwickelt eine sehr rege Thätigkeit, indem es nicht allein an seinem Sitze bereits beträchtliche Jahresbeiträge gesammelt hat, sondern auch einen Aufruf an alle Gemeinden des Landrabbinatsbezirkes Hildesheim zu gleichem Zwecke verschickte, der gewiß von bestem Erfolg begleitet sein wird. Das Subcomits in Hamburg hat sich aus den Herren Philipp Simon, Vorsitzender. Philipp Bauer. August Fleischel. S. A. Goldzieher. Simon Hauer. Dr. Ph. Hirsch. Solm Jonas, vr. John Israel. Nathan Levy. Moritz Liepmann. Philipp Mendelson. M. I. Michael. Michael Pardo. Em. Rosenbacher. Abraham Rüben. Joseph Schönfeld. B. A. Simon. Elias Marburg. M. W. Wolfs gebildet und ist in Thätigkeit getreten.