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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-23 · Heft 47 (23.11.1869) · p. Seite 954

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 47 (23.11.1869)
Date
1869-11-23
Page
Seite 954 (sequence 18)
Language
German
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954 Abel redet dem Cain so lange zu, bis dieser ihm nachgiebt, Früchte sammelt und sie auf dem Altar darbringt. Abel. Mein Bruder, als der Aelt're, bring' zuerst Gebet und Dank mit deinem Opfer dar! Cain. O nein; du weißt, ich bin darin ein Neuling'; Beginne du! Ich folge deiner Bahn, So gut ich kann! Abel (niederkniendb O Gott, der uns geschaffen, Der du des Lebens Athem uns verlieh'«, Der du uns segnetest und uns verschontest, Wie schwer auch unser Vater sich versündigt; Der du nicht alle uns dem Tode weihtest, Wie wir's verdienten, wenn nicht deine Gnade Besänftigt hätte die Gerechtigkeit, So daß du ein Verzeihen uns gewährt, Deß Milde fast, mit unsrer Schuld verglichen, Dem Paradiese gleicht; o Herr des Lichtes, Des Ruhms, der Güte und der Ewigkeit, Du, ohne den nichts wäre, als das Gute, Du, dessen Rechte keinen irre führt; Nimm aus der Hand des ersten Schäfers, deines Demüth'gen Knechtes, hier die Erstlinge Der Heerden — ein an sich geringes Opfer, Denn welche Gabe ist etwas vor dir? Doch nimm sie an als einen Dank von dem, Der sie im Angesichte deines Himmels, Sein eignes Antlitz in den Staub gebeugt, Hier ausgebreitet hat für dich, für dich, Deß Name sei gelobt in Ewigkeit! Cain (aufrecht stehend). Geist, was auch oder wer du immer seist, Vielleicht allmächtig, und vielleicht auch gut, Weil man gewohnt ist, dich nicht bös zu nennen; Du großer Gott des Himmels und der Erde, Und wie man anders dich noch sonst benennt, Weil deine Eigenschaften mannigfaltig Wie deine Werke scheinen; muß man dich Versöhnen mit Gebet, so nimm es hin! Kann ein Altar und Opfer dich bestechen, Hier sind sie, von zwei Wesen dir geweiht! Liebst du das Blut, so hat des Hirten Altar, Zur Rechten dampfend, es zu deinem Dienste In seiner Heerde Erstlingen vergossen; Ihr Blutgeruch steigt auf zu deinem Himmel. Wofern die schönen Früchte dieser Erde, Hier auf dem grünen Rasen ausgebreitet. Dir Lust gewähren und zu einem Bilde Von deinen Werken mehr sich eignen, als Zur Bitte, auf die unseren zu schau'n; Wofern Altäre ohne Opferthiere, Altäre ohne Blut dich mehr erfreu'n, So schau auf diesen. Doch der ihn erbaute, Er ish wie du ihn schufst, er bittet nichts, Was nur mit Knieen sich gewinnen läßt. Wofern er sündlich ist, kannst du ihn strafen, Das darfst du ja, weil du allmächtig bist. Wie könnt er wohl sich schützen? Ist er gut, So straf' ihn, oder schon' ihn, wie du willst, Da Alles doch in deinen Händen ruht, Und Gutes oder Böses, an sich selbst Machtlos, und nur dein Wort etwas vermag. Ob dies gut oder bös sei, weiß ich nicht, Da ich allmächtig nicht, noch fähig bin, Die Allmacht zu durchschau'n, und ihr Gebot Ertragen muß, wie ich's bis jetzt ertrug. (Das Feuer auf Abels Altar entzündet sich zu einer strahlenden Flammensäule und steigt zum Himmel empor, während ein Wirbelwind Cains Altar nmstürzt und die Früchte ans dem Boden umher verstreut.) In Folge dieser Verwerfung des Opfers Cain's erklärt dieser, daß er nicht mehr opfern werde, aber auch keinen Altar dulden wolle. In vollem Fanatismus der Feindschaft gegen Gott macht er sich auf, den Altar Abels umzustürzen, dieser vertheidigt ihn und Cain ergreift einen Fenerbrand vom Altar und erschlägt damit Abel. Jnsonders Eva ist es, die über diese Frevelthat in Jammer ausbricht und Cain verflucht. Sie alle verlassen ihn, nur sein Weib Adah bleibt ihm treu und will nicht von ihm weichen. Ein Engel Gottes spricht das bekannte Urtheil aus und macht auf Cain's Stirn das Zeichen, das ihn vor jedem rächerischen Mörder schützen soll. Das Gedicht endet nun: Cain. Mir brennt die Stirn; doch dieser Schmerz ist nichts Vor jenen Schmerzen, die im Innern toben. Giebt's größ're noch, auch sie will ich erleiden. Engel. Unbeugsam, stolz warst du von Mutterleib Dem Boden gleich, den du nun mußt bebauen; Doch Abel war so sanft wie seine Heerden. Cain. Zu schnell ward ich geboren nach dem Fall, Eh' von der Schlange Lockung sich erholt Die Seele meiner Mutter, als mein Vater Noch weinte um's verlorne Paradies. Was ich nun bin, das bin ich; ich begehrte Das Leben nicht; es ward mir aufgedrungen. Ha, daß ich doch mit meinem eignen Tod Ihn in das Sein zurückerkaufen könnte! Ich würf' es hin, und würf' es hin mit Freuden! Er kehrte dann in's frohe Dasein wieder, Und ich — ich sänke willig in mein Grab! Engel. Wer kann ihn wecken? Was geschah, geschah. Fort! mache deine Tage voll! und mögen Nicht deine Thaten deiner letzten gleichen! (Der Engel verschwindet.) Adah. Er ist dahin! O komm! Der kleine Enoch Weint in der Hütte!

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