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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-23 · Heft 47 (23.11.1869) · p. Seite 953

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 47 (23.11.1869)
Date
1869-11-23
Page
Seite 953 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Zn-cnthnms. Feuiüelm-Leilage;tt Itr. 47. Leipzig, den 23. November 1869. Cain. Von Lord Byron. iFortsetzung und Schluß.) Cain spricht die Zweifel aus, die in ihm auf Grund der Geschichte im Paradiese gegen die Allgüte Gottes wach geworden, und Lucifer erscheint und führt ihn durch Ober-und Unterwelt. Der dritte Akt findet Cain zurückgekehrt, mit Adah den Schlaf ihres Söhnchens Enoch bewachend. Selbst der Anblick des schlummernden Kindes erinnert Cain nur an den Verlust des Paradieses, an das ihm trüb erscheinende Geschick und den Tod, die auch seines Kindes harren, und vergebens weist Adah darauf hin, daß sie sich ja ein neues Eden durch die Liebe, die alle Glieder der Familie vereint, schaffen können. Abel hatte unterdeß zwei Altäre gebaut, damit sie Beide nach seiner Rückkehr Opfer darbrächten. Aber Cain will nicht opfern. Cain. Ich Hab' im Schweiße meines Angesichts DaS Feld bebaut, dem ew'gen Fluch gemäß, Was soll ich mehr? Warum doch soll ich fromm sein? Um Krieg zu führen mit den Elementen, Bis sie das Brod uns geben, das wir essen? Warum doch soll ich dankbar sein? Wofür? Weil Staub ich bin und mich im Staube winde, Bis ich dereinst zum Staube wiederkehre? Soll ich um nichts ein Heuchler sein und lächelnd Die Qual erdulden? Wozu Reue fühlen? Des Vaters wegen, besten Sünde schon Durch unsre Pein genug ist abgebüßt *• Und durch die künftigen Jahrhunderte Von unsren Enkeln fortgebüßt wird werden? Der kleine Schläfer mit den Rosenwangen Hier ahnet nicht, daß Keime ew'gen Elends Für künft'ge Myriaden in ihm ruhn. Es wär ihm bester, wenn ich ihn im Schlaf Erpackte und ihn dort am Fels zermalmte, Als daß er lebte, um — Adah. Hinweg! Berühre Das Kind mir nicht! Mein Kind! Dein Kind, o Cain! Cain. O fürchte nichts! Um alle Sterne nicht, Und nicht um jede Macht, die sie beherrscht, Würd' ich dem armen Kinde anders nahn, Als mit der Vaterliebe sanftem Kuß. Adah. Was aber sollten deine wilden Reden? Cain. Ich sagte nur, daß es ihm besser wäre. Es hörte auf zu leben, als zu leben Mit all des Ungemaches Last beladen, Die es erdulden und — vererben muß. Doch weil dich dieses Wort in Schmerz versetzt Und irr' macht an dir selbst, so sag ich bloß: Ihm wäre besser, es war' nie geboren! Adah. O nein! Wo wären dann die Mutterfreuden? Wo wären der Erziehung zarte Sorgen? Wo wär' der ganzen Elternliebe Wonne? Doch still! Er regt sich! Er erwacht! — Mein Enoch! (Sie geht zu dem Kinde.) O Cain, sieh nur an! Wie voll von Leben, Von Kraft, Gesundheit, Schönheit und Entzücken, Wie ähnlich mir er ist uno — dir, wenn dich Der beffre Geist beseelt! Wenn wir nur gut sind, Dann sind wir alle gleich. Jst's nicht so, Cain? Der Mutter Züge, die des Sohns, des Vaters, Und unsre strahlen in einander wieder, Wie in dem klaren Strome, wenn er ruhig, Und wenn du ruhig. Drum lieb' dich und uns, Um unsertwillen, da wir auch dich lieben. Sieh, wie er lächelt und den Arm erhebt, Um dich, den Vater, zu begrüßen; sieh, Wie sich sein ganzes Wesen froh belebt! Sprich nicht von Schmerz! Die kinderlosen Engel Beneiden dich wohl um dein Vaterglück! O segne ihn! Er kann dir noch nicht danken; Doch danken wird fein Herz dir und das deine. Cain. Sei mir gesegnet, mein geliebter Sohn; O könnte dich mein Segen doch beschützen Vor'm Fluch der Schlange! Adah. Das wird er vermögen; Des Vaters Segen tilgt wohl alles Böse. Cain. Ich zweifle dran; und dennoch segn' ich ihn.

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