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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-23 · Heft 47 (23.11.1869) · p. Seite 948

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 47 (23.11.1869)
Date
1869-11-23
Page
Seite 948 (sequence 12)
Language
German
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948 Correspondenz. Monatsberichte aus Ungarn, v. Neu-Berbaß, Ende September 1869. (Fortsetzung und Schluß.) In der jüngsten Session genehmigte der Reichstag den vom Ministerium vorgelegten Gesetzentwurf über eine demnächst vorzunehmende allgemeine Volkszählung in den ungarischen Landen. Die Repräsentanz der Landeshauptstadt Pest erwählte nun, u. z. theils zu Obmännern, theils zu Obmannsstellvertretern der diesbezüglich gebildeten Commissionen auch mehrere unserer Glaubensgenossen, wie den Akademiker Dr. R6zsai, Dr. jur. Paul Mandl, Heinr. v. Schoßberg er, August Kern und M. Brüll. Der aus Stadtrepräsentanten bestehenden Centralcommission zur Vornahme der Conscription der wahlberechtigten Personen für die zu organisirenden 9 städtischen Schulcommissionen, gab die Pest er Stadtrepräsentanz noch 50 Herren bei, von denen ungefähr die Hälfte Israeliten sind, unter diesen ist auch der Prediger Dr. Samuel Kohn. In einer spätern Sitzung wurden für fast sämmtliche Conscriptions- Commissionen verschiedener Stadttheile Israeliten zu Bicepräsidenten gewählt. Es sind dies die Herren Ingenieur Dr. Armin Reich, die DD. zur. Paul Mandl und Jgn. Gold stein, Gemeindesecretair Bar nah, Schulenvorsteher H olitscher und Grundbesitzer Schweiger. Mehrere bereits constituirte Comitats - Schulräthe wählten aus ihrer Mitte Israeliten zu Functionären. Es würde zu viel Raum beanspruchen, wenn wir heute abermals all die Körperschaften herzählen wollten, welche sich im Laufe d. M. neuerdings für die Errichtung confessions loser Volksschulen ausgesprochen haben. Wir wollen darum nur die hervorragendsten nennen. Der vom 1.—4. d. M. in Preß bürg versammelt gewesene Convent der protestantische» Kirchengemeinden A. C. diesseit der Donau sprach sich dahin aus, daß die Creirung confessionsloser Schulen, als im protestantischen Fortschrittsgeiste gegründet, wünschenswerth sei. In ähnlicher Weise äußerte sich der Localconvent der Protestanten H. C. zu Särospatak; ferner beschlossen ihre Schulen in confessionslose umzuwandeln, sämmtliche Gemeinden desCsongrader Comitats mit Ausnahme zweier, 102 Gemeinden im Tolnaer und Baranyaer Comitate, 25 Gemdn. des Temescher Com., die k. Freistädte Oedenb urg nnd Temesvür, die reform. Gmden. zu Pest, Arad und Szeged in, die Katholiken, Resormirten und Israeliten zu Gyömrö wandeln ihre confessioneüen Schulen in eine einzige confessionslose um. Ebenso beschloß die Generalversammlung der israelitischen Gemeinde zu Gyönghös ihre Schule mit den Communalschulen zu verschmelzen. Welcher Mittel sich die hierländischen Ultramontanen bedienen, um die Errichtung confessionsloser Volksschulen zu Hintertreiben und in welcher Art sie besonders uns Juden dabei ins Spiel mengen, das ist aus Nachstehendem in eclatanter Weise ersichtlich: Die Er lau er Stadtrepräsentanz hat am 22. v. M. beschlossen, konfessionslose Gemeindeschulen zu errichten. Um diesem Beschluß entgegenzuwirken, hat der Klerus unter den bischöflichen Beamten Subsriptionsbogen vertheilt, welchen zufolge die Unterzeichner sich zur Errichtung confessioneller Schulen verpflichten, von deren Kosten der Bischof einen Theil auf sich nimmt. Mit diesen Bogen gingen die Unterschriftensammler von Haus zu Haus, und richteten, wie wir im „Ellenör" lesen, besonders an die Landleute die Frage: „Willst du ein Jude sein oder ein Christ?" Natürlich antworteten die Betreffenden, daß sie Christen sein wollen, und so wurden, indem in jedem Hause alle Hausleutc zum Unterzeichnen aufgefordert wurden, 2000 Unterschriften gesammelt. Das irregeführte Volk, welches der Sache später auf den Grund kam, soll nun sehr aufgeregt sein. Nicht minder Erkleckliches leistete der Raaber Bischof Jekelfalusi, welcher während einer jüngsthin gemachten Rundreise die Menge mit folgenden Worten gegen die confessionslose Schule zu fanatisiren suchte. „Was bedeutet dieses Wort Simultanschule? Etwa, daß allerlei Kinder dieselbe besuchen dürfen? Nein; sie können ja auch unsere jetzigen Schulen besuchen, gern nehmen wir sie auf und unterrichten wir sie. Es bedeutet, daß an solcher Schule auch Calvinisten,

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