Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1869)
- Date
- 1869-11-23
- Page
- Seite 947 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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947 schon ein anderer Correspondent dies. Bl. besprochen. Circulare luden alle jüdischen Restaurateure und Familienväter ein, nur von jenen beiden Fleischern ihren Bedarf zu beziehen, Noch mehr. Durch bedeutende Geldbeiträge von Seiten reicher Zeloten sind jene Fleischer in den Stand gesetzt, ihre Waarey bedeutend billiger zu verkaufen, als dies anderen möglich ist. Sie sehen, es ist auf eine völlige Lahmlegung der von der Gemeinde autorisirten Fleischer abgesehen. Man ist nur begierig zu erfahren, welche Maßregeln unser Borstand ergreifen wird, um einem Gebühren Widerstand zu leisten, das den Vorschriften der Religion und des Anstandes gleich sehr widerspricht. M, Donaufürstenthümer. Galatz, 7. Nov. Herr v- Zulauf >var diese Woche in seiner Eigenschaft als österreichischer Commissär der europäischen Donau-Commission hier und ließ die Notabeln der hier lebenden österreichischen Israeliten zu sich zu einer Besprechung entbieten, bei welcher Gelegenheit er äußerte, daß seines Wissens sowol der Fürst als auch der Minister Cogolnitscheano einmal geäußert hätten, sie werden bei der nächsten Legislative bestrebt sein, den rumänischen Israeliten einige der ihnen geraubten Rechte zu erwirken. Auch Herr I. O. Rottenberg hatte die Gelegenheit benützt, als er mit dem Minister Cogolnitscheano in Rustschuk zum Empfang Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich zusammentraf, die traurige Lage der rumänischen Israeliten im Allgemeinen und besonders der Dorfbewohner zu schildern und um Abhilfe zu bitten; der Minister reichte Herrn Rottenberg die Hand und verpfändete sein Ehrenwort, daß mit Ausnahme des Schankrechtes auf dem flachen Lande den Israeliten alle Civilrechte zurückgegeben werden. Ob der Minister sein Ehrenwort auch zu halten beabsichtigt, muß die nächste Zukunft lehren. Bis nun sind leider keine Zeichen davon wahrzunehmen, außer daß man mit Steuern überbürdet und zum Militärdienst gepreßt wird. Rußland. Memel, 7. Novb. (Privatmitth.) In einem einsamen Kruge (Wirthshaus) nahe bei Skud oder Schoden in Litthauen an der kurländischen Grenze, wohnte eine jüdische Familie bestehend aus Mann, Frau, fünf Kindern und einer anderen verwittweten Frau. Der Krüger. Joßel mit Namen, war gegen Abend nach Skud gegangen, um das älteste der Kinder, welches daselbst die Schule besuchte, nach Hause zu holen. Während dessen waren fünf Bauern daselbst eingekehrt, hatten sich betrunken und wollten schließlich nicht bezahlen; darüber entstand Streck zwischen der Wirthsfrau und den Säufern und Einer versetzte der Frau einen Schlag, daß sie entseelt zu Boden stürzte. Ob das von Anfang ihre Absicht gewesen, oder ob aus Furcht vor den Folgen der That — sie machten sich auf, ermordeten mm auch die vier Kinder, die genannte Wittwe und ein fremdes jüdisches Bettelkind, welches für diese Nacht daselbst ein Unterkommen gefunden hatte; das Haus aber zündeten sie an. Indessen kam der Mann, das andere Kind an der Hand, in jähem Schreck, daß sein Haus brenne, angestlirzt und die Ungeheuer ergriffen den Mann und das Kind und warfen beide in die Flammen. — Das hat sich etwa acht Meilen von unserem Orte zugetragen, man kennt die Verbrecher, aber die russischen Behörden suchen durch falsche Maßnahmen, durch Drohung und Einschüchterung die Sache hinzuhalten oder wohl ganz zu vertuschen. Soeben vernehmen wir mit Genugthuung. daß die höhern russischen Behörden sich in's Mittel geschlagen, die lässigen Beamten zur Rechenschaft gezogen hätten und nun die Untersuchung in vollem Gange sei. vr. RÜlf. Palästina. Jerusalem, 10. Nov. Von hier wird telegraphirt: Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich besuchte die Heilige-Grabkirche, das Franciscanerkloster, die protestantische Kirche, die armenische Kirche, die Synagogen, die arabische und die jüdische Schule und das Rothschild-Spital. Nachmittags erfolgt der Besuch Bethlehems und morgen ein Ausflug an den Jordan und zum Todten Meere. Der Kaiser wurde überall seitens der Geistlichkeit und vom Volke festlich empfangen. (Vom Kronprinzen ward Gleiches nicht gemeldet.) 47*