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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-23 · Heft 47 (23.11.1869) · p. Seite 939

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 47 (23.11.1869)
Date
1869-11-23
Page
Seite 939 (sequence 3)
Language
German
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939 diese als historisches Individuum gelten lassen, weil — der Aegypter Manetho diese Persönlichkeit als Führer der Israeliten aus Aegypten anerkennt. Um aber nun zu ihrer Hypothese zu gelangen, müssen sie die Lehre Mosis als einen schwächlichen Monotheismus'darstellen, der nichts weiter ist, als im Volke Israel die Verehrung eines Nationalgottes zu bewirken, oder genauer noch weniger, der verhindern will, daß an einer und derselben Stätte dieser Gott mit den übrigen Göttern zugleich verehrt werde. Schon von vornherein sieht Jeder, der in diesen Kreis von Hypothesen nicht gebannt ist, die Widersprüche und Verkehrtheiten ein, in welche diese Männer, die sich einen wissenschaftlichen Charakter zuschreiben, im Grunde aber das gerade Gegentheil haben, gerathen müssen. Daß ihnen die erhabene Gestalt Mosis als unleugbar geschichtlich entgegentritt, daß sie gegenwärtig ihre Vorgänger, welche Moses auch nicht als historische Person annahmen, verleugnen müssen, durchbricht die ganze Consequenz ihrer Hypothese, und zwingt sie zu den gewaltsamsten Erklärungen. Sie erkennen an, daß Moses statt des -■im brr den svirr gelehrt; sie machen zwar freilich aus dem El Schaddai, dem Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde, d. i. des Weltalls, wie ihn die Patriarchen anbeteten, blos den „Starken, Mächtigen/' was jesuitisch als nicht monotheistisch gedeutet wird, aber den mi-p Mosis müssen sie doch als den „Seienden und alles Sein Hervorbringenden" erklären. Man sollte denken, daß dieser Begriff den vollständigsten Monotheismus enthalte, und jeden anderen Gottheitsbegriff ausschließe. Nun passe man auf. Daß die zehn Gebote von Moses seien, geben auch sie zu, wie sie ihm überhaupt von Seiten der Moral und der gesellschaftlichen Prinzipien das höchste Verdienst zuschreiben. Nun heißt es daselbst: ■'to hs Q-nn« trnbN qd frrp erb. Wir erklären sie nun ■'2D bs>? Nach allem hebräischen Sprachgebrauche heißt es: „Vor mir." Die Herren Kuenen und Rvville aber sagen: Der einzige Sitz des Gottes Mosis war die Bundeslade, und das Verbot sage daher nichts als: „Vor der Bundeslade, vor dem Angesichte der Bundeslade dürfe nur dieser Gott angebetet werden, anderswo können andere Götter nach Belieben verehrt werden." Das nennen die Herren „einen lokalisirten Monotheismus." Uns erscheint, offen gesagt, diese Erklärung als wirklicher Blödsinn. Heißt es nicht zuvor: ‘rt ^228 „Ich bin" — nach der Erklärung jener Herren — „der Seiende, alles Sein Hervorbringende"? Folgt nicht gleich darauf: „Du sollst Dir kein Götzenbild machen, kein Abbild des, was im Himmel droben, was auf Erden.drunten und was im Wasser unter der Erde"? Wie vermag jener Begriff mit „anderen Göttern" verbunden zu werden? Schließt nicht das letztere Verbot jede andere Art von Gottheiten und ihre Darstellung in Abbildern aus? Ist hier nicht der vollendete Monotheismus gegeben, der seinen anderweitigen Ausdruck im NN8 'n fand? An dieser einzigen Probe wird der Leser genug haben. Wer sich zu solchem Widersinn veranlaßt findet, muß in der Thal auf weitere Beachtung verzichten. — Diese ganze Richtung erscheint uns nicht anders, als jene Naturphilosophie, welche ohne Kenntniß der Naturgesetze und Naturerscheinungen aus dem Universum ein willkürliches Gebäude spitzfindiger Definitionen gemacht hat, und seitdem Aufschwung der Naturwissenschaft in Verachtung und Vergessenheit gerathen ist. Hier stehen die linguistischen und antiquarischen Forschungen mit dem Werthe einer exakten Wissenschaft gegenüber. Wir haben jüngst über eine Arbeit des Prof. Oppert berichtet, in welcher er aus assyrischen Keilschriften die chronologische Genauigkeit der biblischen Angaben über die Könige in Israel und Juda bis Salomon hinauf erwies, so daß es mehrfach möglich ist, für die Daten sogar die Monate zu bestimmen. Vom entgegengesetzten Ende der biblischen Geschichte bewegt sich Prof. Ebers, der die Ergebnisse der ägyptologischen Forschungen mit den Angaben der Bibel vergleicht. Wir haben in Nr. 41 des vor. Jahrg. über den ersten Theil seines Werkes „Aegypten und die Bücher Moses" ausführlich referirt. Dieser erste Theil beschäftigt sich mit dem ersten Buche Moses und gelangt dahin, bei der strengsten wissenschaftlichen Kritik die kleinsten Detailangaben in der Bibel betreffs Aegyptens übereinstimmend mit den ägyptischen Monumenten und Dokumenten nachzuweisen. Es erfloß uns sogar aus seinen Ergebnissen der Hinfall der Hypothese über den späteren Ursprung des Pentateuchs, der Ebers unwillkürlich noch anhängt. Wir erwarten den 2. Theil seiner Arbeit, der das 2. Buch Moses behandeln wird, mit Spannung. Unterdeß haben sich aber noch andere ägyptische Quellen über Moses erschlossen, die in noch glänzenderer Weise Alles als geschichtlich wahr erhärten, was die Bibel über die Person Mosis mittheilt, und hierauf wollen wir jetzt etwas näher eingehen. lFortsetzung folgt.) 47*

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