Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1869)
- Date
- 1869-11-16
- Page
- Seite 925 (sequence 9)
- Language
- German
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925 RaMnatsverweser besetzt wissen wollen und jene außerdem sich mit dem absonderlichen Plane tragen, in hiesiger Stadt ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Wie löblich auch die Ziele der Conservativen durch Realisirung dieser beiden Pläne die nach ihrem Dafürhalten gesunkene Religiosität in der Gemeinde wieder zu beleben, ihnen erscheinen mögen, so sollten die Stimmführer der Partei, selbst wenn ihre Voraussetzung eine richtige wäre, 1) nich vergessen, daß unser Lehrer Hillel das cn'bw nrns*) oibuj ciTn"! dem mimb zy-ipm wohlweislich voran gehen ließ; 2) daß die Errichtung einer specifisch jüdischen höher» Lehranstalt unserm Cultusminister direct in die Hände arbeitete, welcher bis jetzt zu seinem Bedauern ein derartiges Ghetto für jüdische Candidaten des höhern Lehrfachs in den alten Provinzen noch vermißt! — Die Liberalen und alle Unbefangenen können um so weniger solch' romantischen Plänen zustimmen, als gerade die hiesigen Juden durch eine jahrelange beharrliche Ausdauer die definitive Anstellung des Dr. Jutrosinski an der hiesigen Realschule (an welcher den Religionslehrer incl. drei Juden wirken) erkämpft und somit einem Principe Bahn gebrochen haben, welches trotz aller Wühler und Wiese sich doch zum endlichen Siege verhelfen wird! **) Es wäre darum sehr zu wünschen, daß die „Frommen" ihre Bestrebungen mit den Ansichten des gebildeteren Theiles der Gemeinde in Einklang brächten, damit nicht durch ihren Eifer die zahlreichen Wohlthätigkeitsvereine, zu denen gerade die freisinnige Partei bisher die reichsten freiwilligen Beisteuern geliefert, als erstes Opfer des Zwistes zu Grunde gingen! ünm mm yro drnui Np-rm immisb sii'n *) Auf solche Erwägung pflegen fanatisirte Parteien nichts zu geben. Redakt. **) Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wie lange schon wollen die katholischen Bischöfe in Deutschland eine katholische Universität errichten! Wenn die Herren erst an die Kosten kommen und an die Mühen, die damit verbunden sind, werden sie wohl von dem „jüdischen Gymnasium" absehen. Redakt. Österreichischungarische Monarchie. Wien, 30. Okt. (Privatmitth.) Die Erhebung zweier jüdischer Banqniers durch Verleihung einer Ordensdekoration in den Freiherrnstand hat bei vielen Aristokraten und Nichtaristokraten böses Blut gemacht, bei den Einen, weil sie es selbst schon sind, bei den Andern, weil sie es noch nicht sind und wohl auch nicht werden. Sie haben, Herr Redacteur, einmal in einem Leitartikel auseinandergesetzt, daß der Adel eine antijüdische Institution sei, und nachgerade verbreitet sich die Ansicht, daß er auch antisocial ist, ganz besonders, wo er nicht blos persönlich, sondern erblich ist. Es ist wahrlich genug schon — aber von dem Begriff des Eigenthums nicht zu trennen — daß aufgehäufte Güter auf den verdienstlosen Erben übergehen, um wie viel mehr aufgehäufte Ehren. Allein die Judenheit muß auch diese Phase durchwachen, und zwar um des Principes der Gleichberechtigung willen. Die beiden Neugeadelten zeichnen sich durch eine Reihe großartiger Spenden an wohlthätige Anstalten aus, und dies adelt sie freilich mehr nach Innen, als nach Außen. Den Uebelwollenden gegenüber spricht sich die „Neue Freie Presse" in einem Artikel hübsch aus, von welchem wir folgende Stelle anführen: „Die Rechtstitel, auf denen Diplome aus alter Zeit ruhen, sind historisch zum Theile recht unsauberer Natur, und ihre Träger sollten vorsichtig sein, ehe sie die Verdienste der neuen Barone einer boshaften Kritik unterziehen. Wenn sonst Einer, weil er der königlichen Macht ein Fähnlein Söldlinge zuführte, geadelt wurde, so drückt sich solch eine Heldenthat heute eben anders aus, und nach modernen Begriffen ist eine Reihe von finanziellen Leistungen im öffentlichen Dienste oder eine Serie von Acten der Freigebigkeit für gemeinnützige Zwecke ein vollwerthiges Aequivalent für jene Leistungen, deren sich die Urahnen mancher Familie rühmen können, welche sich heute durch neue Creationen von Baronien genirt fühlen mögen. Und vollends, daß es Juden sind, die heute zur Baronie gelangen, nun, was darin für gewisse Cliquen anstößig ist, das könnte uns fast mit der ganzen Institution aussöhnen. Aus jenen Familien, die noch vor wenig Jahrzehnten um das Recht, in Wien wohnen, in Wien heirathen, in Wien ein Haus 46