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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-16 · Heft 46 (16.11.1869) · p. Seite 923

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 46 (16.11.1869)
Date
1869-11-16
Page
Seite 923 (sequence 7)
Language
German
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923 gegenüber, so wie der völligen Freiheit des Individuums in seiner religiösen Ueberzeugung und dem Bekenntniß derselben. Der zweite Passus ist geblieben. Der dritte Passus ist geblieben. Die Synode erkennt daher als eine der wesentlichen Aufgaben des Judenthums, diese Principien zu bekennen, zu fördern, zu vertreten und dafür zu wirken und zu schaffen.- Auswanderung von Juden aus den Westensstschen Provinzen. XVI. Eingelaufen: Bon N. N. in Miel: 2 Thlr.; von Rabbiner Di\ Silberstein in Buttenhauseu (Württemberg) 25 Thlr. — Summa: 425 Thlr. 20 Sgr. 7 Pf- Herr S. R. Landau in Pest sendet uns einen Aussatz, den er im „Pester Lloyd" hat erscheinen lassen und den er mit einer Gabe von 100 fl. L. W. begleitete. Wir heben aus demselben Folgendes hervor: „Die Auswanderung kann vorerst nur den erwachsenen jungen Leuten zu Gute kommen, die für eine weite Seereise und Uebersiedelung in einen entfernten Welttheil, dessen Sprache ihnen unbekannt ist, die nöthigen körperlichen und geistigen Kräfte besitzen. Was soll unterdessen für die weitaus zahlreicheren Klassen geschehen, die für ein solches Unternehmen nicht geeignet sind? Wäre es nicht möglich, gleichzeitig diesen Minderbegünstigten an Ort und Stelle eine Beschäftigung und Erwerbsquelle zu eröffnen, die sie gleich benützen, oder ohne alle Schwierigkeit erlernen könnten? Meines Erachtens wäre z. B. die Errichtung von Cigarrenfabriken diesem Zwecke entsprechend und leicht ausführbar, da in Rußland kein Tabaksmonopol besteht. Die Bereitung von Cigarren ist bald eingeübt, und kann in den kleinsten Lokalitäten vorgenommen werden. Man erinnere sich nur, wie viele Tausende jeden Alters und jeden Geschlechtes in Ungarn vor Einführung des Monopols von diesem Nahrungszweige sich und ihre Familie erhielten!" — Als ein Curiosum wollen wir unfern Lesern ein Schreiben, das wir in diesen Tagen mit dem Poststempel „Berlin" (2. Nov.) erhielten, nicht vorenthalten, und das so lautete: „Wenn Sie etwa beabsichtigen, die gänzlich verkommene Rufs. Pol. Juden-Bande nach Preußen zu dirigiren, so werden Sie auf allgemeine Erhebung und Entrüstung der preuß.-Einwohnerschaft stoßen, wir wollen nicht noch mehr Judenbande in Preußen. Ed, Steinberg." Der uns unbekannte Briefsteller kann sich beruhigen, Niemand denkt daran, die westrussischen Juden nach Preußen zu bringen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 4. November. «Privatmitth.i In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses fam bei Gelegenheit einer Petition von Altlntheranern die allgemeine Einführung der Eivilehe wieder einmal zur Berhandlnng. Bekanntlich existirt dieselbe fiir die ganze Bevölkerung in der Rheinprovinz und seit 1817 für die Juden im ganzen preußischen Staate. Die Frage hat also für unsre Glaubensgenossen keinen materiellen Boden. Dem ungeachtet wurden wir in die Debatte hineingezogen, und zwar lächerlichen Omens durch Herrn Wantrnp. Er meinte nämlich, man wolle damit nur die Ehen zwischen Ehristen und 3iiden möglich machen. Es gehe aber nicht, „daß ein Christ eine Jüdin in dem Herrn Ehristo hcirathen könne. Sic könnten ja nicht gemeinsam beten. Wenn die Christin zu Jesu Christo bete, muß der Jude sagen, das ist ja ein Meschmnmcd!" Herr Wantrnp bekam es auf diese Weise fertig, das Haus einmal wieder in sdie heiterste Stimmung zu versetzen und ein „anhaltendes, schaltendes Gelachter" hervorzubrikigcn. Ucbrigens behauptete er, daß sobald eine bürgerliche Eheschließung gesetzlich stattfinde, die kirchliche aufhören werde. Hiermit giebt er seinen eigenen Glaubensgenossen ein schlimmes Zeugniß, denn bei den Juden in Preußen ist dies nicht im Entferntesten der Fall. Zweiundzwanzig Jahre ist für dieselben die Ci-

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