Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1869)
- Date
- 1869-11-16
- Page
- Seite 921 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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921 dieses hat seine wissenschaftlichen Sporen schon zu einer Zeit verdient, wo in der Thal die Welt die Namen dieser beiden Männer noch nicht kannte. Aber was kommt auch auf die Aeußerungen erbitterter Parteigänger an? Uns ist es um die Sache zu thun, und unsre Methode ist die historisch-wissenschaftliche. Wir können uns nun einmal nicht dazu bestimmen, Bibel und Talmud sagen zu lassen, was sie nicht sagen, nur weil dadurch eine bestimmte Ansicht scheinbar auch in diesen begründet sei. Doch überlassen wir den beiden Herren die Jnvectiven, die wir auf sie selbst anzuwenden ein viel größeres Recht zu haben glauben. Sehen wir vielmehr nach, was sie zur Sache heranbringen. Da haben wir es mit Herrn Wechsler sehr leicht. Denn Herr Szanto sagt in einer Nachschrift selbst, daß W. nichts Neues gesagt habe, was er nicht schon ausführlicher vorgebracht. Dieses testimonium panpertatis verdankt W. nicht uns, sondern seinem Beschützer Sz. Wir stimmen diesem nicht einmal ganz bei; wir finden, daß W. eine große Entdeckung gemacht hat. Er sagt: „Außerhalb des national-religiösen Verbandes konnte in biblischer Zeit Niemand stehen, der innerhalb dieses Verbandes lebte, durch Geburt, Abstammung oder sonst wie dazu gehörte — das war eine pure Unmöglichkeit/" Ei, Herr Wechsler, wo haben Sie Logik studirt? Es kann in der That Niemand außerhalb eines Verbandes stehen, der innerhalb desselben lebt — aber nicht blos in der biblischen, sondern in aller Zeit. Aber die Frage ist, was war erforderlich, um zu diesem Verbände zu gehören, um innerhalb desselben zu leben und zu stehen? Oder verwechselt sich Ihnen unter der Hand der Sinn der Worte, und Sie meinen: wer einmal in Palästina lebte, konnte nicht außerhalb des religiösen Verbandes stehen? — dann haben Sie Ihre Bibel schlecht gelesen, denn sonst mußten Sie wissen, daß in Palästina, und zwar mit Zustimmung des Gesetzes, Leute lebten, die nicht zum Bunde Israels gehörten, und in denselben erst durch die Beschneidung eintreten konnten. Hat W. die Propheten gelesen, und ihre Strafreden gegen die vielen Israeliten vergessen, welche „den Bund des Herrn zerstört und verlassen hatten," die also mitten im h. Lande lebten, und im Tempel ein und ausgingen und dennoch außerhalb des israelitischen Verbandes standen, wenigstens nach der Meinung der Propheten? Etwas mchr Geschütz fährt Herr Sz. aus. Er wirft uns vor, nicht gefragt zu haben: was ein Bundeszeichen ist? was Karetstrase ist? In welchem Verhältnis; der sinaitische Bund zum abrahamitischen stünde? Ob das Bundeszeichen nicht außerhalb Palästina's zu entfallen habe? Herr Sz. hätte sich diese Fragen sparen können; denn wenn er genauer sehen wollte, so hätte er diese Fragen bei uns beantwortet gefunden, ohne daß wir in jede einzeln eingegängen. Wir sind nicht einmal bei dem sinaitischen Bunde stehen geblieben, sondern haben auch die Propheten gefragt. Indem wir die ganze Bibel in dieser Beziehung durchgingen, zeigten mir, was das Gesetz für Abraham aussprach, und wie es sich in dessen Familie einlebte, welche Gesetzesbestiminungen, die sich auf die Beschneidung bezogen, im mosaischen Gesetze sich vorfinden,*, und wie schon in den Büchern Mosis die Beschneidung so tief in die Denkweise des Volkes eingedrungen, daß das „Unbeschnittensein"^ figürlich auf Hartnäckigkeit, Verstocktheit, Widerspenstigkeit übertragen wurde; wir zeigten aus den historischen Büchern, daß die Beschneidung unbedingter Gebrauch bei den Israeliten gewesen, so daß ihnen gegenüber die anderen. Völker als unbeschnittene bezeichnet werden und zwar mit der Bedeutung des Schimpfes und der Verachtung; wir zeigten aus den Propheten, daß dies auch für deren Zeit und insbesondere für das babylonische Exil, also außerhalb Palästina's galt**) und daß die Propheten mit Nachdruck die Beschneidung als Zeichen des israelitischen Bundes, der Zugehörigkeit zu demselben aufrecht erhielten. Weiter *) Entscheidung innerhalb des mosaischen Gesetzes ist für unsre Frage 2 Mos. 12,48: „Kein Unbeschuit - teuer soll von dem Peßach essen;" das Peßach sollte aber von jedem Israeliten, und zwar in seiner Familie, gegessen werden, von Jedem, welcher dem religiöse» Verbände Israels angehören wollte, wenn er auch der israelitischen Nation nicht angchörte. Hierdurch ist es doch überklar, daß auch im mosaischen Gesetze die Beschneiduug unumgänglich gefordert wurde, um dem religiösen Verbände anzugehören. **) Der andere Einfall des Herrn Sz., ob nicht schon vom biblischen Standpunkte die Beschneidung außerhalb Palästinas in Wegfall kounnen konnte, vermochte doch nur Jemandem einzufallen, der Josua, 5, 5: „Denn beschnitten war all das Volk, welches aus Aegypten gezogen," vergessen hatte — bekanntlich liegt Aegypten nicht in Palästina. Es thut uns leid, Herrn Sz. bei Aufstellung seiner Fragen den Vorwurf großer Flüchtigkeit nicht ersparen zu können.