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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-09 · Heft 45 (9.11.1869) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 45 (9.11.1869)
Date
1869-11-09
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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916 nur 200. Denn so viele zählte der Rabbi Benjamin von Tudela, als er zur Zeit Alexanders III. Rom besuchte; aber er versicherte, unter seinen Glaubensgenossen einflußreiche Männer, selbst am päpstlichen Hof, und sehre weise Rabbiner gefunden zu haben, wie Daniel, Jehiel, Zoab, Nathan, Menahem und andere Juden von Trastevere. *) Aus dem Dunkel, welches diese Judenschole bedeckt, sahen wir sie nur ans Licht kommen, wenn sie bei Huldigungsfesten ihre Hymnen sangen, und nur einmal, am Anfang des XL. Jahrhunderts wird von einer römischen Judenverfolgung erzählt.**) Der geknechtete Stamm wehrte sich gegen seine Quäler durch List, Talent und die Macht des heimlich zusammengescharrten Goldes. Die besten Aerzte, die reichsten Geldwechsler Roms waren Juden; unter ihren Gläubigern zählten sie die erlauchten Consuln der Römer, und die bedrängten Päpste selbst. Curiosa. Der Knabe Mortara hat seiner Zeit die Aufmerksamkeit der Welt zu sehr auf sich gezogen, als daß nicht Nachrichten, die über ihn von Zeit zu Zeit in die Welt hinaus dringen, berücksichtigt werden dürften. Der „33. 3." wird aus Rom geschrieben: Wer sich einst für den Judenknaben Mortara interessirte, wird sich auf die ungewöhnliche Begabung dieses Proselyten pur force besinnen. Im Noviziat der Lateranensischen Domherren mit aller Sorgfalt für das Studium der Theologie erzogen, gab er bei jeder Gelegenheit unzweideutige Beweise von einer Bildung, wie man sie bei Jünglingen seines Alters selten findet. Vor einigen Tagen war ihm aufgetragen, eine akademische Uebung zum Ruhme *) Benjamin von Tudela Itinerium (Lugduni, Elzcvir, 1633 p. 10 sq.): hie ducenti fenne Judaei viri honorali, neinini (ribufum pendentes, inler qnos suos habet magistros Papa Alexander. Er nennt den Rabbi Jehiel (Irans Tiberim habitans Papae minister, juvenis formosus, pmdens ac sapiens — in aula Papae — ipsius faenllaliim administrator; und dessen Oheim Nathan habe ein Buch Aruch geschrieben. Die Juden in Rom beschäftigten sich also auch literarisch. Benjamin fand in Marseille 300, in Capua 300, in Neapel 300, Salerno 600, Amalfi 20, Benevent 200, Melfi 200, Trani 200, Tarent 300, Otranto 500, Messina 200, 1500 in Palermo, und in der Vorstadt Pera zu Byzanz 2000 Juden. **) Im Jahre 1020, in Folge eines Erdbebens. Der Papst ließ einige Juden hinrichten: Ädemar Hist. UI e. 52. — Ihre Schola nennt der Ordo Romanus des Cencius (saee. XII.) unter den 17, die an Festtagen ein Geldgeschenk erhielten, zuletzt: .ludaeis viginti solidos provesinoruin. Bei päpstlichen Prozessionen standen sie juxta palaeium Oomacii, ulii .In da ei faciunt landein, nicht weit vom Monte Giordano (ANabillon Mus. II. p. 143). des ersten römischen Concils durch eine Abhandlung zu eröffnen, in welcher der gewisse Sieg der Kirche über ihre jetzigen Dränger uno Feinde vorausgesagt wird. Er that es mit einer Beredtsamkeit, die ihm von den versammelten Cardinälen und Prälaten endlosen Beifall einbrachte. In der nächsten Zeit wird ein Band Gedichte aus dem Nachlasse Heinrich Heiners erscheinen, und die „N. Fr. $r." ist im Stande, einige Proben dieser Gedichte schon jetzt zu veröffentlichen. Ob die Literatur überhaupt, ob der Ruhm Heine's insbesondere durch die Veröffentlichung dieses Nachlasses gewinnen werde, ist, nach diesen Proben zu urtheilen, sehr zweifelhaft. Unter diesen von der gedachten Zeitung mitgetheilten Proben befindet sich ein kleines Gedicht, das hier abgedruckt zu werden verdient, nicht seines Werthes wegen, sondern des eigenthümlichen Streiflichtes willen, welches es auf irgend eine Stimmung Heiners wirft. War es vor der Taufe Heine's geschrieben, so zeigt es, daß diese Heine nicht wenig gekostet haben muß. Schrieb er es nachher, so war es eine Selbstironie, die bei Heine nicht unmöglich war. Jedoch ist die erstere Vermuthung wohl die wahrscheinlichere. Einem Abtrünnigen. O des heiligen Jugendmuthes! O, wie bald bist du gebändigt! Und du hast dich, kühlern Blutes, Mit dem lieben Herrn verständigt. Und du bist zu Kreuz gekrochen, Zu dem Kreuz, das du verachtest, Das du noch vor wenig Wochen In den Staub zu treten dachtest. O, das thut das viele Lesen Jener Schlegel, Haller, Burke — Gestern noch ein Held gewesen, Ist man heute schon ein Schurke. Aus Konstantinopel schreibt man: „Baron Alphons Rothschild bestieg dieser Tage den Olymp. Die in der Türkei zahlreich ansässigen spanischen Juden brachten dem Baron jüngst in Galata eine Ovation dar; auf dem Punkte, förmlich erdrückt zu werden, war er gezwungen, sich in ein Galataer Handelscomptoir zu flüchten, um den Zärtlichkeiten mit heiler Haut zu entgehen." Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur lZD. H. Lotze.

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