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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-09 · Heft 45 (9.11.1869) · p. Seite 902

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 45 (9.11.1869)
Date
1869-11-09
Page
Seite 902 (sequence 6)
Language
German
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902 weil derselbe Gegenstand ausführlicher und gründlicher, mit Belegen aus den spanischen Quellen von l)r. Kayserling im ersten Bande des „Jahrbuchs für die Geschichte der Juden und des Judenthums" (1859) behandelt worden ist. Aber an demselben Tage, wo wir dies durchzulesen hatten, brachte die „Köln. Ztg." einen Artikel aus Japan über die dortige Parlamentsversammlung, in welcher die Redner gegen das in Japan auftauchende Christenthnm donnerten und die Ausrottung seiner Anhänger durch Feuer und Schwert, im milderen Falle durch Conftscation und Verbannung verlangen. Die Argumente, welche diese humanen Vertreter des japanesischen Klerus und Adels vorbrachten, waren ganz dieselben, welche auf allen Concilen gegen die Juden ausgesprochen und in zahllosen Fällen zur blutigsten Wirklichkeit gebracht wurden - was, wie wir hoffen, durch das Einschreiten der europäischen Mächte in Japan verhindert werden wird. Es waren dieselben Argumente, welche, wenn auch in schwächeren Tönen, in dem päpstlichen Syüabus wiederhallten und in den Reden des Abg. Pater Greuter zu Innsbruck so wie in den zahllosen Artikeln der ultramontanen Blätter noch jetzt wiederhallen. Wenn nun jene japanesischen Auslassungen gegen das Christenthum von uns mit demselben Nachdruck verurtheilt werden, wie von den christlichen Organen, wenn wir den Augenblick segnen werden, wo in Japan jene Stimmen ebenso ohnmächtig werden, wie die ähnlichen im christlichen Europa — so geht doch daraus hervor, daß es niemals die Religion selbst ist, welche diese Barbarei predigt, sondern die Barbarei der, echter Humanität noch entblößten Völker, daß das mittelalterliche Christenthum aus derselben Stufe stand wie noch jetzt die religiösen Anschauungen der Japanesen, daß die heutigen Ultramontanen in Europa den Ultramontanen in Japan aufs Haar gleichen, und daß also Alles auf wahre Bildung und Cultur ankömmt. Die europäischen Mächte können durch ihre Machtentfaltung vielleicht verhindern, daß derartige barbarische Gesetze in Japan zu Stande kommen, nicht aber daß der japanestsche Fanatismus sich abschwäche und von Zeit zu Zeit in blmigeu Greueln zum Allsbruch komme. Auch hier kann irnr Bildung und Cultur helfen. Wir wollten dies hier aussprechen, um die Sachlage zu klären und auch unserseits den Grllndsätzen der Gerechtigkeit und Freiheit ihr Gewicht und ihren Elnfluß zu vindiciren. Breslau, im Oft. (Privatmitth.) lDer Protestantentag.) In einer kirchlich so bewegten Zeit wie die gegenwärtige, in einer Zeit, wo die denkwürdige Leipziger Synode die hervorragendsten Männer des Judenthums aus allen Weltgegenden herbeizuziehen vermochte, in einer Zeit, wo alle Welt, der Staat und die Kirche sich in rühriger Weise wenn freilich auch aus verschiedenen Motiven auf das Concil vorbereiten, welches in der nächsten Zeit die Häupter des Katholicismus zusammenscharen wird, in einer Zeit, wo auch der Protestantismus in weiser Voraussicht der Dinge, die da kommen werden, seine Glieder versammelt, um sie ihre Zusammengehörigkeit fühlen zu lassen und sie für den' bevorstehenden Kampf vorzubereiten und zu kräftiger Ausdauer zu ermahnen, sei es mir gestattet gerade auf die letztere vor kurzer Zeit in Berlin stattgehabte Versammlung auch die Aufmerksamkeit der jüdischen Leser in einem jüdischen Blatte zu lenken, das, wie wir sogleich zeigen werden, im Princip mit den dort ausgesprochenen Grundsätzen vollständig harmonirt. Ja eine Versammlung, die es offen ausspricht: „wir wollen ja nichts anderes als das kirchliche Leben mit dem Culturleben unserer Zeit versöhnen" verdient diese Besprechung. Der Satz: „wir verlangen endlich Trennung von Staat und Kirche" wurde in dieser Versammlung ausgesprochen und mit stürmischem Beifall ausgenommen. Man blieb aber nicht bei der Allgemeinheit dieses Satzes stehen, sondern wandte ihn sogleich praktisch auf die brennendste aller gegenwärtigen Fragen, auf die Schulfrage mit eiserner Consequenz an. Herr Prof. vr. Holtzmann aus Heidelberg hielt einen sehr gediegenen, gründlichen Vortrag „über die Schulfrage." Wir können denselben an diesem Orte nicht wiedergeben, wollen aber zur Verständigung die vom Referenten aufgestellten Thatsachen msttheilen: 1) Die oberste Leitung der öffentlichen Schule gehört dem Staate allein. Unzulässig ist daher jedes Eingreifen der kirchlichen Behörde als solcher in das Leben der Schule. 2) Dagegen sind bei der Zusammensetzung der Schulbehörden die Interessen der kirchlichen Genwinde so gut zu vertreten wie diejenigen der bürgerliche» Gemeinde oder die der Familien und der Pädagogik. 3j Eine heilsame Verbindung von Kirche und Schule bleibt aber so lange unmöglich, als die kirchliche Gemeinde mit chrem Rechtsanspruch auf eine

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