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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-09 · Heft 45 (9.11.1869) · p. Seite 899

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 45 (9.11.1869)
Date
1869-11-09
Page
Seite 899 (sequence 3)
Language
German
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8W an der preußisch-russischen Grenze Sub-Grenzcomite's, welche die Aufgabe haben, demselben dienöthigen Informationen zugehen zu lassen, Maßnahmen vorzuschlagen und sie, wenn genehmigt, auszuführen. In ähnlicher Weise und zu demselben Zwecke tritt dasselbe mit Vertrauensmännern innerhalb Rußlands in Verbindung. Ueber Alles dieses einen näheren detaillirten Organisationsentwurf auszuarbeiten und dem Centralcomits der Alliance israelite in Paris mitzutheilen, wird dem Hauptgrenzcomits anheimgegeben." Die zu Berlin erscheinende „Post" bringt in ihrer Nummer vom 24. Oktober einen sehr bemerkenswerthen Artikel aus dem Petersburger „Golos," zugleich aber eine gutgefchriebene Beurtheilung dieses russischen Artikels. Dieser letztere ist, abgesehen von dem eigentlichen Gegenstände, auch von allgemeinem, wohl zu beachtendem Werthe, da er über die Stellung der Juden in unsrer Zeit eine Ansicht ausspricht, die zwar weit über die Wirklichkeit hiuausgeht, aber dennoch gegenwärtig sehr verbreitet ist. Wir glauben daher verpflichtet zu sein, den ganzen Artikel der Post hier wiederzugeben, werden aber auf diesen allgemeinen Theil in einer unsrer nächsten Nrn. zurückkommen. Die „Post" schreibt: Gegen Herrn Cremieux und die „Alliance israelite," welche neulich in Berlin getagt hat, um die Unterstützung der verhungernden lithauischen Juden zu organisiren, finden wir in dem Petersburger „Golos" folgenden merkwürdigen Ausfall: „Nach auswärtigen Blättern befindet sich Herr Cremieux auf der Reise nach Rußland. Herr Cremieux ist ein Jude, der sich in Frankreich durch seine Advocatenberedsamkeit, seine demokratischen Gesinnungen und seine kurze amtliche Stellung zur Zeit der Republik einen Namen gemacht hat. Für uns 'ist er nickt als Jurist, oder als Exminister interessant, wohl aber als Vorsteher einer in den Annalen der Geschichte beispiellosen Gesellschaft, der sogenannten Alliance israelite. Dieser merkwürdige, sich über die ganze Welt erstreckende Bund konnte sich nur bei einem Volke wie. die Juden bilden, das, seiner Sünden wegen über alle Länder zerstreut, heute noch auf den Messias aus dem Stamme David's wartet, der seiven Tempel erneuen und sein von Fremden niedergetretenes Reich wiederherstellen soll. Freilich giebt es viele verständige Leute unter den Juden, die diese Hoffnungen längst aufgegeben haben, an keinm Staat ihrer Nation mehr glauben, und sogar die Vorschriften Moses und des Talmuds für unverbindlich halten. Nach Meinung dieser Männer ist nur die Hartnäckigkeit, mit welcher sich die Juden vom Christenthum fern halten, daran Schuld, daß ein so ungemein begabtes Volk, wie das jüdische, nicht die Rolle spielt, die Jehovah ihm als seinen erwählten Lieblingen zuertheilt. In der Thal haben diese jüdischen Radicalen nicht Unrecht. Wollten sich die Juden mit den Völkern, in deren Mitte sie leben, vermischen, so würden sie damit den letzten Grund zu den Bedrückungen und Beschränkungen entfernen, welchen sie bisher noch unterworfen sind, und, man darf es ohne Ucbertreibung Voraussagen, die ihnen von ihren Propheten versprochene Weltherrschaft erringen. Diese ihre Herrschaft würde dann für die anderen Völker auch nicht mehr schädlich sein. Der Jude, der dem Rabbinismus und seiner Nationalität entsagt, hört auf, Hebräer zu sein und wird ein Mitglied des Volkes, unter dem er lebt, wenn er auch fortfährt, noch so sehr mit seinen Blutsverwandte» zusammenzuhalten. Die Menschheit als Ganzes würde bei einem solchen Wechsel vielleicht verlieren, aber einige weniger begabte, oder richtiger gesagt, weniger praktische Stämme würden zeitweis wenigstens unzweifelhaft gewinnen. Aber was die jüdische Avantgarde will, liegt den jüdischen Massen völlig fern, und somit wird die jüdische Weltherrschaft denn so bald noch nicht etabkirt werden. Zwischen den gebildeten Juden, die Christen geworden sind, und ihren in talmudischer Unwissenheit dahinlebenden Stammesgenoffen besteht eine Kluft, die von den einsichtigeren und unterrichteteren Anhängern des Mosaischen Gesetzes nicht ausgefüllt wird. Im westlichen Europa ist allerdings der Unterschied zwischen den Verhältnissen der getauften und ungetansten Juden — vorausgesetzt daß beide auf einer Bildungsstufe stehen — nicht so groß als in Rußland. Sie leben dort nicht in so großen Massen wie bei uns, können deshalb nicht gemeinsam handelnd auftreten, und bringen daher ihren christlichen Mitbürgern durch ihre Thätigkeit nur Vortheil, und zwar enormen Vortheil. In Rußland sind sie relativ zwar auch nur eine verschwindende Minderheit (2,300,000 auf 77,000,000, während Oesterreich 1,044,000 auf 35,500,000 und Altpreußen nur 400,000 hat), durch ihr engeö Zusammenwohnen 45* /

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