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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-02 · Heft 44 (2.11.1869) · p. Seite 887

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 44 (2.11.1869)
Date
1869-11-02
Page
Seite 887 (sequence 11)
Language
German
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887 ritten vorübergehende Israeliten. Selbst schleunig reqnirirte Militär-Assistenz konnte dem Treiben kein Ende machen. Daß unter solchen Umständen von einer Fortsetzung des Unterrichtes nicht die Rede sein konnte, ist selbstverständlich. Im Laufe des Nachmittags standen Militärposten vor dem Schulhause, das die christlichen Kinder allein zu betreten wagten, da die jüdischen theils aus Furcht vor Schlägen, die sie schon Vormittags beim Ausgange aus der Schule von den tapferen Religions-Vertheidigerinnen in reichem Maße erhalten hatten, theils auch auf den Wunsch ihrer Eltern zu Hause blieben. Soweit der Pest. Ll. Uns wird zu der Geschichte telegraphisch die unglaubliche Kunde, der Primas habe an den Alt-Ofener Pfarrer aus Anlaß des „Judenkrawalles" ein Belobungsschreiben gerichtet wegen des Eifers, den derselbe gegen die Errichtung von Simultanschulen bewährt habe, mit der Aufforderung, das Schreiben von der Kanzel herab zu verlesen. —. In H.-Nanas war auf den 8. d. die Licitation der Regalien angekündigt, und erschienen dazu auch mehrere Israeliten, die sich an denselben betheitigen wollten. Zu ihrem Erstaunen wurde jedoch, wie man dem P. N. schreibt, kundgemacht, daß in Nanas kein Jude Gastwirth, Fleischhauer oder Rauchfangkehrer sein darf. Das genannte Blatt fragt, wer denn in Nanas Gesetze zu bringen berechtigt ist, die mit den Landesgesctzen in Widerspruch sind. Pest, 10. Oktober. iPrivatmitth.) Der akute Kampf hat noch nicht aufgehört, der von Seite der „Müszre-Hadath" geführt wird um das Judenthum zu entwürdigen. Aus der Centralkanzlei der „Schomrim" werden Aufforderungen verschickt, damit die Gemeinden sich bei den Wahlen zur Comitatsgemeinde nicht betheiligen sollen. Und dennoch siegt allmältg der gesunde Sinn der Bevölkerung, der sich nicht beirren läßt von der fanatischen Clique, die zum Unheil der Judenheit ihre Kräfte vergeuden. Es giebt Gegenden, wo die Wahl nicht durchgeführt wurde, diesem Uebel wurde abgeholfen durch einen Ministerialerlaß vom 2. Oktober d. I., daß dort, wo auf Anordnung des Distrikts-Commissionärs die Wahlen noch nicht vorgenommen worden sind, direkte Wahlen angeordnet werden. Natürlich werden diese Leute einen Sturm laufen, da aber Se. Majestät zur Eröffnung des Suezkanales geht, so werden unsere Hyperorthodoxen gewiß sagen: Setzen wir ein Oberhaupt und kehren wir nach Egypten zurück: G'-rzv rma» iasn n:ro. Ueberhaupt haben sich die Parteien im orthodoxen Lager gänzlich getrennt. Krauß Sigmunl lebt zurückgezogen, Di-. Hildesheimer hat seine Komödie ausgespielt, Jeremias Löw sinnet auf finstere Pläne — denn die Chassidim gehen mit der Fortschrittspartei Hand in Hand, denn vor Jahren war blos deutsch Lesen vergönnt, heute aber auch der Talmud. Beritas. Rußland. Petersburg, im Oktober. Der Ostsee-Ztg. schreibt man: Das Projekt, betreffend die Reorganisation der jüdischen Gemeinde-Verhältnisse in Litthauen, ist von einer in Wilna zu diesem Zwecke niedergesetzten Commission bereits ausgearbeitet und soll zunächst einer zum 17. d. M. nach Wilna berufenen Versammlung von jüdischen Deputirten zur Begutachtung vorgelegt werden. Die Bestimmungen der projektirten jüdischen Gemeindeordnung sind, so viel darüber verlautet, darauf berechnet, die bisherige Selbstständigkeit der Synagogen-Gcmeinden möglichst zu beschränken und die jüdischen Gemcinde-Jnstitute mit dem russischen Geiste zu durchdringcn. — Auch von den rituellen Gebeten der Juden in Litthauen ist jetzt eine amtlich genehmigte russische Uebersetzung angefertigt, die zum Zwecke der unentgeltlichen Verbreitung auf Kosten der Regierung gedruckt wird. Die litthauischen Juden geben am leichtesten dem Drängen der Behörden zur Russifizirung ihres Gottesdienstes nach, und mehrere Synagogengemeinden, besonders in den größeren Städten, haben schon längere Zeit die russische Predigt eingeführt. Hierüber erhalten wir einigen Aufschluß durch folgendes Schreiben: Minsk, Ende September. (Privatmitth.) Der Generalgouverneur zu Wilna hat ein Projekt ausgearbeitet, nach welchem die in den kleinen Städten wohnhaften Juden den Bauergemeinden zugeschrieben und so unter die Bauernverwaltung gestellt werden sollten. Zu diesem Zwecke forderte die Regierung, daß die jüdische Gemeinde jeder Gouvcrnementsstadt 44*

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