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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-02 · Heft 44 (2.11.1869) · p. Seite 886

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 44 (2.11.1869)
Date
1869-11-02
Page
Seite 886 (sequence 10)
Language
German
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886 testamentarisch ein sehr bedeutendes Vermögen zu dem Zwecke, daß arme israel. Mädchen daselbst gebildet und erzogen und mit allem Röthigen versehen würden; ja er wünschte, daß Mädchen, welche für das eine oder das andere Fach besondere Anlage haben, auch für dasselbe gebildet werden. Die Mädchen sollen in diesem Institute sechs Jahre verbleiben und wenn sie dasselbe verlassen, sollen sie eine förmliche Ausstattung und einen Beitrag zur Mitgift von beiläufig 500 fl. erhalten. Der Testator spricht überdies seinen Willen dahin aus, daß israel. Mädchen armer Eltern aus der gesammten österr. Monarchie Aufnahme in demselben finden sollen. In Folge eines Processes konnte das Institut, zu dessen Direktor der Vorstand der hiesigen Gemeinde bestimmt ist, erst jetzt eröffnet werden. Als Lehrerin und Leiterin des Instituts wurde Fräulein Wiener, die mehrere Jahre in Prag an öffentlichen Schulen mit sehr gutem Erfolge thätig war, ernannt. Neben ihr wirkt als zweite Lehrerin Fräulein Singer, die ebenfalls früher auf diesem Gebiete hier sich bewegte. Illeben diesen wirken noch Fachlehrer. Die Feier wurde geöffnet und geschlossen durch Lieder, vorgetragcn vom Altmeister Sulzcr in Begleitung des Chores. Herr vr. M. Engel, Vorsitzender des Dirktoriums, begrüßte in einer meisterhaften Rede die Anwesenden, unter welchen sich der Leiter der Statthalterei, der Scctionschef im Unterrichtsministerium vr. Glaser, der Bürgermeister vr. Felder, der Polizeidirector Strobach, der Schulrath Praseck rc. befanden. Ihm folgte mit einer, wir möchten sagen, selbstverständlich, gediegenen Ansprache über die Wirksamkeit der Frauen Hr. Pred. vr. Jellinek. Mögen die Hoffnungen, die sich au diese Anstalt knüpfen, in Erfüllung gehen. Ehegestcrn am Sabbat, hielt Herr Albert Cohn Vormittags nach vollendetem Gottesdienste im alten und Abends im neuen Tempel au die außerordentlich zahlreich versammelten Zuhörer Ansprachen, um sie für die Alliance israelite zu gewinnen, und sie für unsere Glaubensbrüder in Rußland und Palästina zu interessiren. Die Ansprachen fanden ungetheilten Beifall. Schließlich gestatten Sie mir noch mitzutheilen, daß auch Herr vr. Wolf in der Morgenpredigt am Versöhnungstage im Filialbethause, der großen Verdienste Humboldt's um die Wissenschaft im Allgemeinen und um die Juden gedachte. Brünn, 9. October. Heute wird im israelitischen Tempel die kaiserliche Entschließung wegen Uebergabe des jüdischen Landesmassafonds in die Verwaltung der mährischen Judenschaft feierlich verkündigt und damit ein Dankgcbet für den Kaiser verbunden. Die gleiche Feier findet in sämmtlichen Synagogen Mährens statt. Lemberg, 9. October. Dziennik Lwowski bringt ein energisches Wahlmanifest, dessen Tendenz dahin geht, keinen Juden zu wählen, weil diese Verfassungsfreunde sind und bei den Handclskammerwahlen anti-national gestimmt haben. Lemberg, 20. Okt. (Privatmitth.) Ungleich unfern Glaubensgenossen in Prag, die vor den Drohungen der Czechen zurückwichen und von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machten, stehn die Galizischen und besonders die hiesigen Juden kompact auf Seiten der Verfassungstreue, und erklären sich gegen diejenigen, welche Seitens der Polen den Austritt aus dem Reichsrathe verlangen. Unter den Redern, welche für die Verfass, eintreten, steht sogar unser Prediger, Herr Di', Löwenstein, voran, und nimmt an den betreffenden öffentlichen Versammlungen einen regen Antheil. Altofcn, 17. Okt. Bekanntlich wurden, schreibt der Pester Lloyd, die Alt-Ofener Schulen durch den mit großer Majorität gefaßten Beschluß der Gemeindevertretung in interconfessionelle verwandelt. Dieser Beschluß tvurde von der Mehrheit der Bewohner mit lebhafter Freuve begrüßt — nur dem Herrn Pfarrer und seinen Capläncn wollte er nicht behagen, und die ehrwürdigen Herren agitirten wacker darauf los, von der Kanzel und im Kreise der Familien, wo sie nach altbewährter Taktik vorzugsweise Pie empfänglicheren Frauenscelen ins Auge faßten. Und die geistlichen Lehren fielen auf fruchtbaren Boden. Vor einigen Tagen Vormittags nach begonnenem Unterrichte stürzte eine zahlreiche Schaar fanatisirter Amazonen unter dem wüthenden Geschrei: „Wir lassen unsere Kinder nicht mit diesen — Judenbuben, von denen sie hehlen lernen, in Eine Schule gehen", in die Schul-Localitäten und zerrissen die Kataloge. Wol gelang es einigen handfesten Schuldienern, die zarte Legion vor die Thür zu setzen, allein draußen, wo sich ihnen gleichgesinnte Vertreter des starken Geschlechtes angeschlossen hatten, setzten sie den Unfug fort und insul-

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