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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-02 · Heft 44 (2.11.1869) · p. Seite 888

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 44 (2.11.1869)
Date
1869-11-02
Page
Seite 888 (sequence 12)
Language
German
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888 zwei Deputirte nach Wilna senven solle, um über dieses Projekt ihre Meinung abzugeben. Zur Wahl dieser beiden Depntirtcn wurden wiederholt Versammlungen (ms-oc<) zusammenberufeil. Hier ward die Frage, wen man in solchen Angelegenheiten als Deputirten schicken solle, von allen Seilen ventilirt. Man will wissen, daß auch über die Mikwa und ihre Beschaffenheit, so wie über die Melamdim verhandelt werden soll, und andere das innere Judenthum betreffende Angelegenheiten. Deshalb wünschten die Orthodoxen, daß der Rabbiner hingehe, da er in der Jugend etwas Russisch verstanden, und, wenn er nicht russisch sprechen könne, sich durch Gebcrden verständlich machen solle. Andere wollten einen Kaufmann und zwar aus der Stadt Pinsk deputiren, da die Kaufleute dieser Stadt von Jugend an durch ihren Handel hin und her getrieben werden. Endlich vereinigte man sich, den hiesigen gebildeten Rabbiner, Herrn Minor, und einen Kaufmann aus Pinsk abzusenden. B. Nord am erika. Philadelphia, im Septbr. «Privatmitth.» Wenn Sie die amerikanisch-jüdischen Journale durchlescn, »verden Sie mit Befriedigung von den vielen neuen Synagogen lesen, die in den vereinigten Staaten in der jüngsten Zeit wieder gebaut und feierlich cingeweiht wurden. Man wird es Ihnen nicht verdenken, wenn Sie in Ihrem Blatte nicht weiter Akt hiervon uehinen, denn im Grunde kann es Niemanden interessiren, ob an diesem oder jenem Orte eine neue prachtvolle Synagoge gebaut »vorden, wenn man nur erkennt, daß das Judenthuin in Ainerika, obschon hier der Glaube nszwang bis auf die letzte Spur verschwunden ist, sich ilniner mehr kräftigt, seine Gottesstätten und hiermit seine Gerneinden imnierfort vermehrt, und zwar »rach größerem Berhältniß als die stattfindcnde Einwanderung. Ich habe hierinit zwei Punkte ausgesprochen, die ich cttvas naher erklären muß. Ich sage, mit den Synagogen mehren sich die Gemeinden, und zwar in dem Sinne, weil die Gemeinden in Amerika flottirender als die Synagogen sind. Eine Gemeinde bildet sich und löst sich auf: sie zählt heute so viel, und morgen so viel Mitglieder. Aber hat sie erst eine Synagoge, so ist sie dadurch erst stabil, und »ver zu de,n Baue beigetragen, u»»d dadurch ein Anrecht auf sie hat, giebt dieses schwerlich auf. Der Bestand einer Geineinde ist daher um so sicherer, je größer und kostspieliger die Synagoge ist. Der zweite Punkt ist, daß der Anwachs der Synagogen und Gemeinden größer ist, als die Einwanderung, d. h. mit andern Worten: iminer »nehrere von solchen früher eingewanderten Juden, welche sich bisher von ihren Glaubensgenossen fern hielten und der Religion fremd blieben, schließen sich jenen wieder an. Es ist dies natürlich, weil die Körper nach dem Naturgesetz, je größer sie werden, desto mehr Anziehungskraft besitzen. Die Ursache hiervon ist, abgesehen von dem iminer wieder erwachenden religiösen Drang und Bedürsniß des Menschen, tveil der Einzelne gerade in dem Alles nivellirendcn amerikanischen Leben einen Anhalt an irgend einen sichtbaren Körper sucht, Menschen, mit denen ihn doch noch etwas Anderes verbindet, als das allgerneine Wesen und Treiben, die ihm in Freud und Leid noch näher stehen als seine zufälligen Nachbarn rechts und links. — Die Einweihungsakte sehen selbstverständlich einander so ähnlich, wie ein Ei den» andern, und wenn die amerikanischen Blätter deinungeachtet viele Spalten damit füllen, so ist dies theils so amerikanische Art, welche jede Festlichkeit auf's Genaueste beschreibt, selbst wenn sie garnichts Besonderes hat, theils aber auch der Mangel an originalem Stoff. Was bei den amerikanische»» Juden vorgeht, ist mit geringer Ausnahine immer dasselbe, und bietet daher wenig Abwechselung, während in der alten Welt die Lage der Juden, der Karnpf, den sie zu bestehen haben, und die niannigfaltige Entwickelung einen sehr verschiedenartigen Stofs bieten. Dann kann ja auch nicht geleugnet »verden, daß, so viele tüchtige Männer die alte Welt uns auch schon abgegeben hat, der schöpferische Geist unter unseren Glaubensgenossen in der alttn Welt noch immer viel bedeutender und reger ist. Die amerikanischen Blätter sind daher immer noch auf das Abdrucken europäischer Arbeiten angetviesen. Den besten Belveis giebt die neue Wochenschrift the Jewish Times, unter deren thätigen Mitarbeitern Männer sind, deren Rainen in Europa einen guten Klang habe»», wie S. Adler, Einhorn, S. Hirsch, und jüngere, wie Felsenthal, Köhler. Und was sehen wir? Ein großer Raum des englischen Theiles wird von der englische» Uebersetzung des Romans „Der unbekannte Rabbi von l)r. P. Philippson," und ein großer Raum des deutschen Theiles von einem Abdruck

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