Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1869)
- Date
- 1869-11-02
- Page
- Seite 885 (sequence 9)
- Language
- German
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885 Österreichischungarische Monarchie. Wien, 11. Octobcr. Gestern fand im hiesigen Taubstummen-Jnstitute das 25-jährige Jubiläum der Anstalt und ihres Direktors, Herrn Deutsch, statt. Der Kaiser verlieh dem überaus verdienstvollen Manne, dessen Anstalt selbst von Amerika ans besucht wird, den Titel eines kaiserlichen Rath. Viele Festgeschenke wurden ihm dargebracht. Bei der Feier hielten der Vorsteher H. Hildburghäußer, der Dichter Mosenthal im Namen des Unterrichtsministers, H. Deutsch selbst, und dann der Zögling der Anstalt, H. Zaques Löw, längere Reden. Letzterer legte dar, wie er und viele seiner Leidensgefährten es nur dem Jubilanten verdanken, daß sie einem für die Gesellschaft unbrauchbaren Zustande entrissen und dem Gemeinwesen als nützliche Mitglieder zugeführt wurden. Es sprachen noch ein taubstummer Knabe und ein taubstummes Mädchen, welches Letztere dem Jubilanten einen Blumenstrauß überreichte, worauf die schöne und erhabene Feier mit einem von einem taubstummen Knaben für den Kaiser gesprochenen Gebete beendet wurde. Mitgetheilt wird uns noch, daß, angeregt durch die schönen Resultate der Feier, Herr Königswarter seu. fünf, Königswarter jun. und Herr Map Schiff je Einen Freiplatz für arme Zöglinge stifteten. Wien, 20. Oktober. Wir haben bereits mitgetheilt, daß nunmehr der jüdisch-mährische Landesmassafonds zur autonomen Verwaltung der mährischen Judenschaft übergeben wird. In diesen Tagen wurde die Deputation der mährischen Judenschaft von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen; der Obmann des Delegirten-Comites, Herr Julius Gomperz, sprach Sr. Majestät den ehrfurchtsvollen Dank für die Übertragung des Landesmassafonds zur autonomen Verwaltung an die mährische Judenschaft aus, betonte, letztere werde stets den erhabenen Intentionen des erlauchten Stifters, Kaiser Joseph II., und Sr. Majestät des Kaisers gemäß Vorgehen, und schloß mit der Versicherung unverbrüchlicher Treue und Anhänglichkeit an Se. Majestät den Kaiser und die Dynastie. Se. Majestät erwiderte: „Es freut mich, den mährischen Israeliten den Landesmassafonds zur autonomen Verwaltung übergeben zu können. Ich bin überzeugt, daß derselbe im Sinne des Stifters, Kaiser Joseph, aufs beste verwaltet werden wird. Die Treue und Anhänglichkeit dermährischen Judenschaft hat sich selbst in den schwersten Zeiten bewährt." Ferner sbemerkte der Kaiser, der Fonds müsse bedeutend angewachsen sein und werde den Delegirten die Nebernahme in nächster Zeit viel Mühe verursachen. Nstchdem sich Se. Majestät die einzelnen Mitglieder der Deputation hatte vorstellen lassen, wurde dieselbe entlassen. —. Wir haben seinerzeit gemeldet, daß die hiesige jüdische Cultusgemeinde zwei Aerzte auf Reisen schickte, um die Spitäler im Auslande kennen zu lernen und ihre dort erworbenen Kenntnisse im Interesse eines hier neu zu erbauenden Spitales zu verwerthen. Die Herren haben ihre Reise vollendet und, wie die Wr. Med. Wochensch. berichtet, ein Elaborat der Gemeinde-Vertretung vorgelegt, welches nunmehr, nachdem cs von einer Commission, in welcher zwei bewährte Spitals-Aerzte, Böhm und Hebra, saßen, revidirt und corrigirt und theilweise umgeändert wurde, als ein größtcnthcils annehmbares bezeichnet werden kann. Wird das Spital nach diesem Entwürfe erbaut, und zwar in einer gesunden freien Gegend, so wird man dasselbe zu den besten dieser Art zählen können. Der fernere Antrag des Referenten, Nebengründe anzukaufen, ist im Interesse der freien Luftströmung und zur Verhütung einer nicht entsprechenden Nachbarschaft dringend zu empfehlen. Wien, 18. Octbr. (Privatmitth.) An der neuerrichteten Universität zu Jnsbruck, welche demnächst eröffnet werden soll, wurde Herr Dr. Mauthner, ein Israelit, als Professor der Augenheilkunde ernannt. Wenn es schon an und für sich erfreulich ist, daß die Regierung auf diesem Gebiete, das sie stets als ein heikliges betrachtet, entschieden im Geist und Sinne und nach dem Wortlaute der Verfassung handelt; so ist dabei noch hervorzuheben, daß Herr Dr. Mauth.ner dazu berufen ist, im Lande der Glaubenseinheit zu wirken. Hoffentlich wird es ihm gelingen das Vorurtheil, das gegen Juden daselbst herrscht, wenn auch vorläufig nicht ganz, — denn gegen Vorurtheile läßt sich schwer kämpfen — doch theilweise zu zerstreuen. Gestern wurde das Königsberg'sche Institut für Erziehung armer israel. Mädchen eingeweiht. Herr Königsberg, der vor etwa 14 Jahren starb, hinterließ 44