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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-11-02 · Heft 44 (2.11.1869) · p. Seite 884

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 44 (2.11.1869)
Date
1869-11-02
Page
Seite 884 (sequence 8)
Language
German
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884 scheu 29 Thlr. durchschnittlich auf ein Stipendium kommt. Die Beiträge der jüdischen Gemeinden betrugen in diesen 3 Jahren nur 790 Thlr. 13 Sgr. 6 Pf., wozu noch die Zinsen des Kapitals mit ca. 49 Thlr. jährlich, also 120 Thlr. und die Zinsen der Herz-Fulda'schen Stiftung mit jährlich 109 Thlr., also 300 Thlr. kommen. Hierdurch kam es, daß in den drei Jahren der Fond sich um 330 Thlr. vermehrte, und auf 1350 Thlr. anstieg. Es wird nützlich sein, zu erfahren, wie weit die einzelnen Regierungs-Bezirke hieran partizipirten. Der Reg.-Bez. Düsseldorf brachte — Groschen und Pfennige lassen wir weg — 69 Thlr., Arnsberg 97 Thlr., Minden 92 Thlr., Coblenz 16 Thlr., Cöln 311 Thlr., Münster 19 Thlr., Trier 56 Thlr., Aachen 37 Thlr., Coblenz, Münster und Aachen haben sich also am geringsten betheiligt, da Coblenz jährlich nur etwas über 5 Thlr., Münster über 6 Thlr., Aachen über 12 Thlr. lieferte, während Cöln jährl. 104 Thlr lieferte. Mögen die Vorstände der jüdischen Gemeinden hieraus einen Sporn entnehmen, um in dieser überaus wichtigen Angelegenheit thätiger zu sein. Sie mögen erwägen, daß den christlichen Studirenden noch eine große Menge von Stipendien anderweitig offen steht, welche den jüdischen verschlossen ist, daß es daher nothwendig ist, für die jüdischen Studirenden aus diesen Collektengeldern beträchtlichere Stipendien zu ermöglichen, und daß durch eine größere Kraftanstrengung während des nächsten Zeitraums für die Zukunft ein größeres Kapital gesammelt wird. Denn bei dem verhältnismäßig geringen Zufluß von Collektengeldern können ivir dem Universitäts-Curatorium die Befürchtung nicht verdenken, daß er noch geringer werden und ganz aufhören könne, weshalb ihm dafür zu danken ist, daß es mit weiser Vorsicht immer etwas zum Fond zurücklegt. Bonn, 24. Okt. Herr Rabb. Dr. Treuenfels zu Stettin theilt uns mit, daß die durch die „N. Stett. Zeit." verbreitete Nachricht, der Vorstand der Shnagogengemeinde zu Stettin habe die Breslauer Petition wegen des obligatorischen Religionsunterrichtes zurückgewiesen, irrig sei, indem gedachter.Vorstand die Petition unterzeichnet habe. Thorn, 22. Okt. (Offiziell eingesandt.) Sie wollen geneigtest nachfolgenden Petitions-Protest in die A. Zeit, des Judenthums aufnehmen. An den jüdisch-theologischen Verein in Breslau, bezüglich der an den Cultusminister Se. Excellenz Herrn v. Mühler gerichteten Petition, betreffend die Einführung des jüdischen Religionsunterrichts als obligatorischen Unterrichtsgegenstand rc. Nachdem der hiesige Gemeindevorstand in dem Glauben, über vorstehend bezeichnete Petition ohne Zuziehung der Repräsentanten beschließen zu können, selbige unterzeichnet hat, können die Repräsentanten der Thorner Shnagogen-Gemcinde nicht umhin, gegen die Seitens des jüdisch-theologischen Vereins zu Breslau in Circulation gesetzte Petition offen und frei Protest zu erheben. Wir wollen nicht, nachdem bereits von den Vertretungen anderer Synagogen - Gemeinden das nicht Zutreffende des Inhalts der Petition dargethan und zur Genüge erörtert, die Petition überhaupt als ein schwerer Eingriff in unsere Gewissensfreiheit bezeichnet worden ist, noch einmal den Weg der Polemik betreten, nur soviel wollen wir wiederholen: Auch unsere Devise für unsere Gemeinde ist: „Selbstständigkeit und Selbstverwaltung im weitesten Sinne des Wortes für alle unsere Gemeindeangelegenheiten." Schließlich ersuchen auch wir ein verehrliches Comits, die Abfindung jener Petition zu unterlassen, eventuell zurückzuziehen. Thorn, im October 1869. Das Repräsentanten-Collegium der Synagogengemeinde. Gieldzinski. Dr. Schlesinger. Grünberg (Schlesien), 20. Octbr. (Privatmitth). Auch hier wurde ain Versöhnungstage von unserm Prediger Herrn Dr. Sammter in der Predigt A. v. Humboldts gedacht, und die volle Anerkennung für seine hohen Verdienste ausgesprochen. Aufklärung über die Erscheinungen in der Natur und über Einheit der Welt, wie des Menschengeschlechtes ist eine zu wesentliche Stütze für die Lehre des Judenthums wie für die Stellung der Juden, als daß nicht ein so genialer Begründer dieser Weltanschauung auch für uns gearbeitet hätte.

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