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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-26 · Heft 43 (26.10.1869) · p. Seite 867

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 43 (26.10.1869)
Date
1869-10-26
Page
Seite 867 (sequence 11)
Language
German
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867 die Breslauer Schulangelegenheit zu lenken, da doch nicht zu erwarten sei, daß die seitens des Ministeriums vorbereitete Vorlage des Unterrichtsgesetzes gerade in diesem Punkte den Wünschen des Volks Rechnung tragen werde." Beide obigen Anträge wurden fast einstimmig angenommen. — Österreichischungarische Monarchie. Prag, 12. Octbr. (Privatmitth.) Die Landtagswahlen sind nunmehr im ganzen Land vorüber. Die nationale Partei ist mit ihren Candidaten in vielen Wahlbezirken namentlich auf der hiesigen Altstadt nur deshalb durchgedrungen, weil es ihr durch allerhand Drohungen gelungen ist eine bedeutende Anzahl jüdischer Wähler einzuschüchtern und sie zu vermögen, wenn auch nicht für ihre Candidaten zu stimmen, sich doch der Wahl zu enthalten. Es ist dies schon aus dem Grunde zu bedauern, weil die Juden dadurch gezeigt haben, daß Schreckmittel noch immer bei ihnen verfangen und sie vom Bewußtsein freie, unabhängige Bürger zu sein noch immer nicht ganz durchdrungen sind. Es wäre viel rühmlicher für sie gewesen und sie hätten ihren Feinden gerade dadurch imponirt, wenn sie anstatt feige zu Hause bleiben an der Wahlurne erschienen und dort unerschrocken ihre Ueberzeugung frei und offen ausgesprochen hätten. Am Tage nach der Wahl hatten sie die zweifelhafte Genugthuung von der „Politik" für ihre unmännliche Haltung ein Lob zu erhalten. Dieses Blatt, welches sich in Drohungen und Aufreizungen gegen die Juden zumeist hervor that, schrieb nämlich, daß es mit der Haltung der Juden bei den Wahlen im Allgemeinen zufrieden ist und dieselben bedauere, weil sie vor den Wahlen von allen Seiten maltraitirt, geplagt nnd gequält wurden. Wahrlich ein naives Geständniß das von der „Politik". An der Wahrheit desselben wird wohl Niemand zweifeln, der Gelegenheit hatte dieses Blatt in der den Wahlen vorangegangene Zeit zu lesen. Ist dies aber auch der Fall mit ihrer gegenwärtigen Judenfreundlichkeit und mit der Erklärung, daß die böhmische Nation nicht im entferntesten daran denke die politische, bürgerliche und religiöse Gleichberechtigung der Juden zu schmälern, wenn gleich auf der andern Seite des Blattes der Pferdefuß zum Vorschein kömmt und sie wie zuvor gleich den ultramontanen Journalen die Schuld an allen nationalen Reibungen in Oesterreich den jüdisch-deutschen Blättern in Wien zuschreibt? Möglich daß die Politik sich gegenwärtig solcher zum Hasse gegen die Juden aufreizender Ausdrücke mehr saus Gewohnheit als aus Böswilligkeit bedient, die Juden aber wird sie schon entschuldigen, wenn sie zu ihren Freundschaftsversicherungen insolange kein rechtes Vertrauen fassen, bis sie diese üble Gewohnheit ganz ablegen wird. Wählen! Wählen und kein Ende. Kaum waren die Landtagswahlen beendet, als schon Straßenplakate und Zeitungsinserate von neuem zu einem Wahlkampfe aufforderten. Die Ergänzungswahlen in die Cultus-Repräsentanz, welche statutengemäß schon im April hätten stattfinden sollen, haben endlich diese Woche begonnen nnd zwar mit den aus dem dritten Wahlkörper. Da von den aufgestellten Candidaten keiner die absolute Majorität erhalten, so ist eine engere Wahl nothwendig geworden, welche nächstens stattfinden wird. Hoffentlich wird nach dem Eintritte neuer Persönlichkeiten in die Repräsentanz diese Körperschaft eine für die Gemeinde ersprießlichere und segensreichere Thätigkeit entfalten als bisher. Vieles, was die alte Repräsentanz verdorben, wird die neue Dank glücklichen Zufällen noch gut machen können. Der Beschluß die Gemeindebibliothek an die k. k. Universitätsbibliothek abzugeben, kam nicht zur Ausführung, weil die Direktion der Universitätsbibliothek dieselbe wegen Mangel an Raum nicht angenommen hat. Herr vr. Frankel hat die Uebernahme des hiesigen Oberrabbinerpostens mit Hinweis auf sein vorgerücktes Alter abgelehnt. Am ersten Slichottage hat die Enthüllung des Gedenksteines Rapoports im Beisein der Repräsentanz und zahlreicher Gemeindemitglieder stattgefunden. Die bei dieser Gelegenheit vom Herrn Rabbiner vr. Stein gehaltene, vortreffliche Rede ist seitdem sammt dem Epitaph zum Besten der Talmud- Thoraschule im Druck erschienen. Se. Maj. der Kaiser hat zwei böhmischen Gemeinden je 100 fl. zum Shnagogcnbaue aus seiner Privatcasse zu bewilligen geruht. k. Krakau, 1. Oktbr. Wie der Kraj aus Krakau berichtet, kam es den 29. v. M. daselbst zu einem Zusammenstöße zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung. Die Ursache dieser Schlägerei war folgende: Drei jüdische Mädchen kamen den 29. v. M.

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