Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1869)
- Date
- 1869-10-26
- Page
- Seite 868 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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8K8 gegen 11 Uhr Vormittags in das Kloster der Norbertinerinnen am Zwierzhnic, zeigten einen Revers des Conststoriums vor, woraus ersichtlich war, daß sie zur katholischen Kirche übergehen wollen, und baten auf Grund dessen um Aufnahme in das Kloster. Die Oberin verweigerte ihnen aber dieselbe, indem sie behauptete. sie hätte keinen Platz für sie, und rieth ihnen, irgend einen anderen Aufenthalt zu suchen. Auf Anrakhen des Geistlichen Piksa wurden dieselben von dem Lolksschullehrer Herrn Brzoszinski am Zwierzhnic ausgenommen. Gegen 3 Uhr Rachm. erschienen gegen 20 Juden im Kloster und verlangten die Herausgabe der Mädchen. Trotz der Versicherung der Oberin, daß sich dieselben im Kloster nicht befänden, wollten die Juden das Kloster nicht verlassen, und erst als ihnen bedeutet wurde, wo die Vermißten zu finden seien, begaben sie sich dahin. Inzwischen war eine große Anzahl Juden herbeigekommen, stürmten das Haus des Herrn Brzoszinski, schleppten die Mädchen auf die Gasse unv schlugen dieselben unbarmherzig. Als einige christliche Bürger dieser Vorstadt die Mädchen vertheidigen wollten, wurden sie mit Steinen beworfen und beschimpft. Es kam zu einer Schlägerei, die noch größere Dimensionen annchmen konnte, wenn nicht der Herr Polizei -Commissär Paschma dazwischen gekommen wäre, die Mävchen per Wagen in das Haus ihrer Eltern und die Excedenten auseinander gebracht hätte. Donaufürstenthürner. Bukarest, 1. Oft. Ich habe Ihnen seinerseits gemeldet, daß der während der Abwesenheit Cogolnitscheano's mit der Leitung des Ministeriums des Innern betraute Justizminister Boeresco in Folge einer energischen Vorstellung der österreichisch-ungarischen Vertretung eine Depesche an die Präfecten erlassen hat, welche den früheren Ministerial-Erlaß bezüglich des Vorgehens „gegen die Juden auf den Dörfern" in einer milderen Weise zu iuterpretiren gestattet. Kaum hatte Herr Cogolnitscheano sein Portefeuille wieder übernommen und Herr Boeresco der Hauptstadt den Rücken gewendet, fand er es für gut, durch eine neue Circular-Depesche jeden Zweifel zu beseitigen, welchem die letzte Note seines Vorgängers bei denjenigen Beamten, die dieselbe in humanem Geiste aufzufassen Lust hatten, aufzukommen gestattete. Herr Cogolnitscheano will von Concessioneu den Juden gegenüber einfür allemal nichts wissen; sie dürfen unter keinem Vorwände Pachtungen, Schankhäuser rc. auf den Dörfern halten, der Aufenthalt auf dem Lande bleibt ihnen versagt. Es hat sehr den An'chein, als habe der Herr Minister seine neueste „Juden-Note", wozu det Moment nicht den entferntesten Anlaß gegeben, in der Absicht nur vom Stapel gelassen, um gegen die österreichisch-ungarische Regierung einen Trumpf auszuspielen.- Die Regierung muntert dadurch zu noch größeren Ausartungen auf, die auch nicht auf sich warten lassen. So sehen wir seit einigen Tagen an den Mauern der Häuser allenthalben ein Placat mit Riesenlettern prangen, welches von dem leicht reizbaren rumänischen Pöbel förmlich verschlungen wird. Es ist die Ankündigung eines Pamphlets in Form einer Broschüre. „Die Invasion Rumäniens durch die Juden, oder: Kirche und Synagoge", heißt die Mache; alle verbrauchten mittelalterlichen Anschuldigungen, Ammenmärchen, Verleumdungen und Aufreizungen begreift das Jnhaltsverzeichntß. Und die fürstlich rumänische Polizei läßt derartige Ankündigungen ruhig geschehen und an den Mauern kleben! — Das ist freilich derselbe Cogolnitscheano, der auf seiner letzten Reise durch das westliche Europa überall, wo er zur Rede gestellt wurde, ohne Scheu und Schavl jede Bedrückung der Juden ableugnete, etwas, stms Jedem, der in Rumänien Personalkenntniß hat, von den dortigen Ministern durchaus nicht auffällt. Es ist derselbe Minister Cogolnitscheano, der seit 1865 den Pachtschilling für Staatsdomainen in einem Betrage von 183,000 frcs. dem Staate nicht zahlt, und nicht zahlen wird. Wien, im Septbr. Die „Oesterreichische Correspondenz" berichtet, daß der Fürst von Rumänien sein Ministerium von den auf die Bedrängnisse der Juden in Rumänien bezüglichen Vorstellungen in Kenntniß setzen ließ, welche die beiden Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde während seines Aufenthaltes in Wien ihlN mündlich vorgetragen haben. Diese Deputation sei sehr überrascht gewesen, als der Fürst bemerkte, daß Rumänien 500,000 Juden zähle. Sei eine so hohe Ziffer wirklich in der neuesten Zeit sestgestellt worden — sagten sie — dann erscheine es auch umsoweniger möglich ein Zehntel oder Zwölftel der Gesammt-Bevölkerung als Nomaden zu behandeln.