Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1869)
- Date
- 1869-10-26
- Page
- Seite 863 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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863 Lebens nicht ohne Wichtigkeit. Wir haben das Schreiben eines älteren jüdischen Gelehrten vor uns, der vordem Entstehen des Instituts ein Werk von mehreren Bänden veröffentlichte, welches in jüdischen wie christlichen Kreisen große Würdigung erlangte, der aber für dasselbe, für alle die geopferte Zeit und Arbeit, keinen Pfennig Honorar erhielt, während er es wahrlich verdiente, gut honorirt zu werden und es vom Institute ebenso gut worden wäre, wie Herr Dr. Graetz Taus ende vom Institute für sein Werk erhalten hatte. Man mußte eben zufrieden sein, wenn man einen Verleger fand, der auf ein jüdisches Werk die Druckkosten verwandte. Ja, das Institut sah es stets als eine seiner würdigsten Seiten an, dem redlichen Arbeiter den verdienten Lohn zu schaffen. Mit dem Aufhören des Instituts würde sicherlich der frühere Zustand wieder eintreten. Es sind also durch das Institut die Bedingungen vorhanden, um jedem guten Werke die Bahn der Wirksamkeit zu eröffnen. Es liegt andrerseits unbedingt im Interesse des Institutes, jede ihm dargebotene tüchtige Arbeit sich anzueignen, und so dem Publikum für sein, freilich geringfügiges Opfer befriedigende Leistungen zu bieten. Aber hierin liegt gerade die Schwierigkeit, und die von uns gemachten Erfahrungen berechtigen uns zu dem Ausspruche, den wir eben gethan. Trotzdem fahren wir fort, solche literarische Entwürfe zu veröffentlichen, und fügen heute hinzu: 8) Im Jahre 1845 erschien als ein Theil eines großen französischen Sammelwerkes „D'nnivera. Uistairo et ckeseripoion äs tous leg peuplss" vom fel. S. Munk: „Palestine. Description geographique, historique et arthdologique." Die umfängliche (704 S. gr. 8.), mit vielen Kupfern gezierte Arbeit zeichnet sich ebenso durch Gründlichkeit, wie durch Geist und Geschmack aus. Der schöne Styl, die lebhafte Beschreibung, der warme Hauch eines seinen Gegenstand mit Liebe umfassenden Gemüthes machen das Werk Munk's fähig, sowohl dem Gelehrten, als auch jedem gebildeten Leser Belehrung und Befriedigung zugleich zu verschaffen. Schon vor zehn Jahren dachten daher die Leiter des Instituts daran, dieses Werk in einer guten Uebersetzung den Abonnenten zu übergeben. Sie traten deshalb mit dem sel. Munk in Unterhandlung. Aber dieser selbst sah, wie schon die Leiter des Instituts, ein, daß seit der Vollendung des Buches durch die Forschungen der Reisenden und der Gelehrten, durch die Menge neuer Hülfsmittel, die sich seitdem eröffnet hatten, das gedachte Werk einer sorgfältigen Ueberarbeitung, einer Menge von Berichtigungen und Modificationen bedurfte. Wir ersuchten ihn darum. Aber Munk erklärte — wir haben seinen Brief noch vorliegen — daß er bei dem Zustande seiner Augen nicht im Stande sei, diese Ueberarbeitung selbst vorzunehmen, da sie das sorgfältige Studium einer immens angeschwollenen Literatur, die kritische Sichtung der verschiedenartigen Angaben und Ansichten erfordere, daß er aber andrerseits eine Uebersetzung und Herausgabe seines Werkes ohne eine solche Ueberarbeitung niemals zugestehen würde. Wir suchten nach einem solchen Bearbeiter, fanden ihn aber bis jetzt noch nicht, und wir mußten den schönen Gedanken daher immer wieder aufgeben. Es versteht sich, daß das seitdem verflossene abermalige Jahrzehend die Arbeit noch schwieriger, aber um so lohnender gemacht. Wir glauben daher, daß es eine sebr verdienstvolle Arbeit sein würde, wenn ein jüdischer Gelehrter diese Umarbeitung und Uebersetzung — beide dürfen also nach dem Willen des verewigten Autors nicht getrennt werden — unternähme. Hier wäre die schöne Form und der reiche Inhalt bereits gegeben, und es bedürfte eben nur der gründlichen Berichtigung. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 15. Octbr. (Privatmitth. von unserem Corresp. S.) Die Alliance israölite universelle hatte gestern Abend eine öffentliche Sitzung im Saale der Gesellschaft der Freunde. Schon lange vorher war das Festcomite versammelt, um die fremden Delegirten des Vereins zu empfangen; ebenso hatten sich die angesehensten Mitglieder der Gemeinde, die verschiedenen Vorstände, die hier anwesenden Rabbinen und Gelehrten versammelt. Hier waren, und das war der besondere Charakter der Festversammlung, alle Richtungen vertreten. Die Versammluitg würde noch zahlreicher besucht worden sein, wenn ein Aufruf zu derselben vorangegangen wäre. Man bemerkte auf den Sitzen, die für das Comite bestimint waren, Professor Franke, Steinthal, Dr. Neumann, Dr. Lands-