Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1869)
- Date
- 1869-10-26
- Page
- Seite 859 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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859 Schwieriger ist die praktische Auswahl. Diese kann aber nur durch inländische Comitös bewirkt werden, und hierzu ist der Anfang durch das Counts in K o w n o gemacht worden, dessen obrigkeitlich bestätigte Statuten bald erscheinen werden. Die Auöwanderungsziele. Es ist bekannt, daß die Ansichten dahin auseinandergehen, daß die Einen die Auswanderung nach dem Auslande, insonders Amerika, die anderen in das russische Inland lenken wollen. Beiden liegen theoretische und praktische Bedenken zu Grunde, so daß sich eben so viel dafür wie dagegen einwenden läßt. Die Auswanderung in das russische Inland ist naturgemäßer, weil der Auswanderer daselbst viel mehr heimische und gewohnte Verhältnisse vorfindet, in die einzutreten ihm leichter wird, während er, auf amerikanischen Boden versetzt, in völliger Unkenntniß der Sprache und Verhältnisse, sich ungleich schwerer eine Existenz erobern wird. Von der andern Seite bietet Amerika einen solchen freien Spielraum für die Verwendung seiner Kräfte, daß es tüchtigen und thätigen Subjecten dort leichter wird, eine höhere geistige und materielle Stufe zu erreichen. In solcher Frage eine theoretische Voraussetzung ausschließlich festzuhalten, ist eine gefährliche Consequenzmacherei. Am räthlichsten erscheint hier, beide Wege zu beschreiten und je nach der Steigung und den Fähigkeiten der Einzelnen den einen oder anderen Weg möglich zu machen. Die alleinige Richtung nach einer Seite hin würde der Sache an sich in ihren praktischen Erfolgen nachtheilig sein. Hat man doch bereits aus Amerika Stimmen gehört, welche sich der alleinigen Auswanderung der polnischen Juden nach dort widersetzen, was freilich diese an sich nicht verhindern, aber doch die Unterstützung und Förderung der jenseitigen Freunde in Wegfall bringen könnte. Es ist daher das Einfachste, nach beiden Seiten hin zu wirken und anzuordnen, den Auswanderern beide Wege zu eröffnen und zu ermöglichen. Es würde dadurch auch den einzelnen Theilnehmenden die Möglichkeit gewährt, ihrer Ansicht und Ueberzeugung gemäß ihre Unterstützung für das eine oder für das ande Ziel zu bestimmen, wodurch schließlich jede Differenz gehoben ist. Was ist also zu thun? Erstens: Von der kaiserl. russischen Staatsregierung die Aufhebung oder Milderung der beschränkenden Bestimmungen zu erlangen. Zweitens: Im russischen Reiche selbst Comitss zu bilden, welche die Auswanderung leiten, die Auswanderer auswählen, ihnen die nöthige Unterstützung bestiminen und zu günstigen Niederlasiungsorten verhelfen. Drittens: Im Auslande an den bezüglichen Hafenplätzen Comits's zu bilden, welche die nach überseeischen Plätzen Auswandernden in Empfang nehmen und dahin befördern. Viertens: An überseeischen Plätzen Comits's, welche sich der Ausgewanderten in den dortigen Ländern annehmen. Fünftens: An allen möglichen Orten Subcomite's zu schaffen, welche Beiträge, möglichst regelmäßige, sammeln und sie an eine Centralkasse ablieferu. So weitschichtig und schwierig dies Alles bei dem ersten Blick erscheinen mag, setzt es doch nur eine allgemeine Bereit- und Opferwilligkeit voraus, die sich bereits so vielfach bewährt hat, daß die größten Schwierigkeiten verschwinden. An Männern, die sich der Sache mit Hingebung widmen, fehlt es nicht, und es sind schon so viele tüchtige Kräfte zusammengetreten, daß nuninehr, nachdem durch die mannigfachen Aeußerungen und Kundgebungen die ganze Frage klarer und der Weg ihrer Lösung erkennbar geworden, an einem Gelingen kaum zu zweifeln ist. vr. Ludwig Philippson. Bors, der vom israel. Gemeindetage gew. Commission. Eingelaufen: von mehreren Familien in Greifswalde 7 Thlr. 28 Sgr. — Abermals hat sich ein Subcomitv in Poln. Crone aus den Herren Rabb. Dr. Nager, den Kaufleuten Schmul, I. Krakauer, Löwenheim und Lehrer Mendelsohn gebildet, das einen kräftigen Aufruf erlassen hat. Der zersetzende Verstand der Juden, ui. Es ist also geradezu eine Fälschung, einem Volksstamme, der der Begründer und Träger der bestimmtesten Positivität, des zähesten Autoritätsglaubens und der echten menschlichen Sentimentalität (der Familienliebe) durch Jahrtausende hindurch war, des „zerfetzenden Verstandes" als der in ihm vorwaltendem, herrschenden Geistesfähigkeit zu zeihen. Allein man glaubte dafür in dem Thun und Treiben der modernen Juden den Beweis gefunden zu haben, und gab vor, daß die kaufmännische Thätigkeit, welcher die Mehrzahl der Juden 43*