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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-19 · Heft 42 (19.10.1869) · p. Seite 855

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 42 (19.10.1869)
Date
1869-10-19
Page
Seite 855 (sequence 19)
Language
German
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855 salszeiten, in Krankheit und Hmigersnoth, in Pestilenz- und Kriegszeiten kommt es bei den Falascha sehr häufig vor, daß sie Gott Gelübde thun, wenn er ihnen aus ihrer Trübsal gnädig heraushelfe. Auch in kinderlosen Ehen kommen solche Gelübde vor, besonders von Seiten der Frau. Viele Kinder zu haben, wird von den Falascha sowohl, als auch von den Christen Abyssiniens nach dem Vorbilde der Alten als ein Segen Gottes angesehen. Das Gelübde kann bestehen in einem Ochsen, einer Kuh, einem Schaf oder Ziege, welches, wenn der Herr das Ersehnte bescheert oder sonst gnädig durchgeholfen, dem Priester gebracht und von demselben geopfert wird. Das Gelübde kann aber auch bestehen in einem Geschenk an die Mesgid oder an die Mönche — sogar an Arme. 8) Opfer der Wöchnerinnen. Zwei Tauben. Es wäre intereffant zu wissen, auf weichem Wege die Falascha dahin gelangt sind, fast alle hebräischen Namen zu kennen, welche in der Bibel dem Allerhöchsten gegeben werden; das Tetragramm allein ist ihnen unbekannt geblieben. Eine Menge mystischer Namen scheint von Aegypten nach Abyssinien vermittels gnostischer Verbindungen gekommen zu sein, und die Falascha haben ebenso aus diesen trüben Quellen geschöpft. Die Falascha zeichnen sich durch ihre Mäßigkeit und ihre Thätigkeit aus. Schon die mosaischen Gesetze der Reinheit, welche sie streng befolgen, hindern sie daran, in Ausschweifung zu verfallen. Sie üben alle Handwerke aus, wenn auch der Ackerbau ihre Hauptbeschäftigung ist. Sie fabriziren sämmtliche Utensilien, welche in der Wirtschaft und auf den Feldern gebraucht werden, sie sind Maurer, Architekten, schmieden Waffen und weben Baumwolle, aber gegen den Handel haben sie einen Widerwillen. Die Stellung der Frau bei den Falascha bezeugt einen sehr hohen Grad der Moralität. Sie steht dem Manne vollständig gleich: sie ist weder verschleiert, noch in einem Harem eingesperrt, und sie kommt oft in Gesellschaft der Männer. Die Gatten liegen zusammen den Arbeiten ihres Standes ob; deshalb haben sie auch nie einen Dienstboten oder einen Sclaven nöthig, welcher ihnen übrigens, da er nach dem mosaischen Gesetze nicht länger als sechs Jahre dienen darf, zu theuer kommen würde. Ihr Muth ist niemals von ihren Nachbarn in Frage gestellt worden. Es ist allgemein bekannt, daß die Falascha von Kuara und Athyefer der Gegenstand einer ernsthaften Furcht für die Amharas sind. Sie gehen niemals aus, ohne mit einer Lanze bewaffnet zu sein. Der König Theodoros zählte eine große Zahl Falascha's in seiner Armee. Sie nahmen auch an dem Zuge Theil, den Thaddig, der Chef von Adiabo, gegen die Völker von Barka unternahm, und ganz jüngst machten sie gemeinsame Sache mit den Abyssiniern um die Gallas im Süden von Dalanta anzugreifen. Ihre Vaterlandsliebe ist wahrhaft bewunderungswerth, und nichts leleidigt sie mehr als ungünstige Bemerkungen über ihr Land oder ihre Compatrivten." Die Juden in Rom während des Mittelalters. Bor ewigen Jahren erschien eine vortreffliche „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter (vom 15.—16. Jahrhundert) von Ferdinand Gregogov ins". Es versteht sich von selbst, daß im Laufe dieses ausführlichen Geschichtswerkes auch der Juden öfter gedacht werden mußte. Der Berfaffer thut dies hinsichtlich der Thatsachen unparteiisch, betreffs der Darstellung voll Borurtheile. Wir entnehmen dem Werke, was wir in demselben für uns interessant finden. 1. Die heiligen Geräthe ans Jerusalem. Im Juni 455 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung ziehen die Vandalen in Rom ein und plündern es vierzehn Tage hindurch. Unter Anderem raubten sie auch das Palatium und den noch völlig aufrecht stehenden Tempel des Jupiters auf dem Kapitol aus. Hier geriethen auch die ans dem Tempel zu Jerusalem von Titus weggeführten heiligen Geräthschaften in die Hände der Vandalen, „Noch heutigen Tages sieht der Wanderer in Rom mit Ueberraschung die unvollkommenen Abbilder der heiligen Tempelgefäße Jerusalems, welche der Ueberreft der Sculpturen auf dem Titnsbogen in der Durchgangswölbung zeigt, und er betrachtet vor allen anderen den großen siebenarmigen Lychnuchus oder Leuchter, sieht den heiligen Tisch, auf dem zwei Weihrauchgefäße stehen, zwei lange Tuben und eine Lade.*- Er mag wissen, daß damit jene heilige Beute bezeichnet wird, welche Titus aus der Zertrümmerung Jerusalems nach Rom geführt hatte, wie es Flavins Josephus als Augenzeuge genau beschrieb. Von diesen Spolien hatte Vespasian die gestickten Vorhänge des Tempels und die jüdischen Gesetzbücher in den Palast der Cäsaren gebracht, den goldenen Leuchter aber und die köstlichen Gefäße als Weihgeschenke in seinen Friedenstempel niedergelegt.**) Diesen herrlichen Bau verzehrte unter des Commodus Regierung ein Brand, aber man hatte Zeit die jüdischen Schätze daraus zu retten, und man legte sie an einem andern, uns nicht bekannten Orte *) Daß die Abbildungen, zumal des Leuchters auf dem Titusbogen nicht ganz genau sind, da der erste und siebente Ast am Lychnuchus ungleich, die Leuchterarme allzu dick sind, und endlich aus dem Leuchtersuß Thierbilder, Meermonstra und Adler abgebildet sind, welche das Judenthum nicht gestattet, zeigt Hadrian Neland Ne Spoliis Templi Hierosolym. in arni Tiiiano Komne conspicuis. Im C. 13 erzählt er auch die Geschicke dieser merkwürdigen Spolien Jerusalems. **) Josephus Lib. VII. c. 24.

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