Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1869)
- Date
- 1869-10-19
- Page
- Seite 854 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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854 Alle diese Bücher sind in äthiopischer Sprache auf Pergament geschrieben. Die Falascha beobachten zweierlei Feste: solche, an welchen keine Arbeit verrichtet wird, und solche, an welchen kleinere Arbeiten erlaubt sind. 1) Das wöchentliche Fest (der Sabbath) wird von Allen sehr streng gefeiert. Es wird an demselben kein Feuer, kein Licht angezündet, keinerlei Speise zubereitet, kein Wasser geschöpft. Es darf kein Fluß oder Bach überschritten werden. Das Vieh lassen sie am Samstag von den Christen hüten und die Kühe melken und nicht einmal die Milch dürfen sie gebrauchen; sie lassen sie gewöhnlich den Christen als Hüterlohn für den Sabbath. 2) Monatsfeste feiern die Falascha fünf, von diesen sind drei Mondsfeste: 1. am Neumond, 2. am 10. Tag nach Neumond und 3. am 15. Tag nach Neumond.— Am 18. Tag nach Neumond feiern sie das Fest Arf asert. Letzterer war ein Heiliger, von dem die sonderbarsten Geschichten erzählt werden. 3) Die Jahr es feste, die sie feiern, sind folgende: a) Füsika iOsterfest).*) Es wird gefeiert am 15. Tag nach dem Neumond im April. Am 11., 12. und 13. April wird von den Falascha außer roher Schimbera oder gerösteter Gerste nichts gegessen; vom 13. nach Sonnenuntergang bis 1-1. nach Sonnenuntergang ist ein Fasttag; da wird gar nichts genossen. Während den Ostern wird außer Kita (Matzen) nichts genossen. Das Kita wird aber dermaßen gesalzen, daß es einem nicht daran Gewöhnten unmöglich ist, sich davon satt zu essen. Es wird aus Waizen und Schimbera-Mehl bereitet. Am 13. und 14. April werden die Häuser gereinigt, alle Geräthschaften werden aus denselben hinweggetragen. Alle hölzerne, lederne und eiserne Gefäße und Geräthschaften sammt allen Kleidern werden in einem Fluß auf das sorgfältigste gewaschen. Das ganze Haus wird ebenfalls rein ausgekehrt und gewaschen. Die irdenen Gefäße werden entweder an Christen verkauft oder neu ausgebrannt. b) M 3 erer (Erntefest). Es wird 50 Tage nach dem Osterfest gefeiert. c) Astaserit (Versöhnungsfest). Es wird am 10. Tag nach dem Neumond im Monat September gefeiert. Das Kasteien besteht bei ihnen in Fasten, Beten, Beichten, und sich in schneller Aufeinanderfolge zu verneigen, bis sie taumelnd und ermattet niederfallen. 4) Büla mazalet (Laubhüttenfest). Am 15. Tag nach Neumoud im September wird sieben Tage lang in der Mesgid nichts Gesäuertes gegessen, sondern ungesäuertes Waizenbrod. Laubhütten werden von ihnen keine gebaut. *) Am 14. nach Sonnenuntergang wird in jeder Gemeinde in der Mesgid das Osterlamm geschlachtet. 2 Mos. 12, 1-11 wird pünktlich beobachtet. e) Amata Sauw (Volksversammlung, Landtag). Dieses Fest wird gefeiert am Neumond im November. An diesem Tag versammeln sich die Falascha auf einem Berge, wo zuerst Gebete verrichtet werden. Darnach werden Stellen aus dem Gesetz gelesen und erklärt. Nachmittags bringen alle Anwesenden ihre Opfer und Liebesgaben, welche in Frucht, Salzstücken, Kleidern und Thalern bestehen. Von dem Getreide wird ein Theil den Vögeln auf die Felsen gestreut. An diesem Tage werden in jeder bedeutenden Mesgid Brandopfer geopfert. k) Taskar Abraham (Gedenktag Abrahams). Es wird am 11. Tag nach Neumond im Monat Juli gefeiert. Brod und Bier wird Abraham zu Ehren, wie sie sagen, geopfert, d. h. die Vermögenderen in der Gemeinde bringen das Brod und Bier in die Mesgid, wo es von der ganzen Gemeinde verzehrt wird. Folgende Abschnitte aus dem alten Testament werden an den verschiedenen Festtagen dem Volk vorgelesen. Am Osterfest (2 Mos. 12, 13; 4 Mos. 9). Am Erntefest (3 Mos. 23; Ps. 50; Ps. 48; Ps. 32). Am V e r s ö h n u n g s t a g das Buch Mazhafa astaserit. Am Laubhüttenfest (3 Mos. 23; Ps. 89, 90,91). Am Volksfest das 5.. 6., 28., 29., 30., 31. und 32. Capitel im 5. Buch Mose. Die Opfer, die sie bringen sind folgende: A. Biblische. l) Ja-endscherra-maswaet (Brod- oder Speisopfer j. Alle Samstag. 2) Tscherka-Bal-ma swaet (Neumonds-Festopfer). Das Opfer besteht aus einem jungen Fanen, der keinen Fehl hat. 3) Jamitakel maswaet (Brandopfer, Sündopser, Reinigungsopfer rc.). Sie bestehen aus einer männlichen und einer weiblichen Ziege, die keinen Fehl haben (vergl. hiezu 3 Mos. 3., 4., 5., 6., 7. und 8. Kapitel). 4) Ja-Fasika-bag (Osterlamm). Da die Falascha nicht wissen, was die bittern Kräuter sind, mit welchen das Osterlamm gegessen werden soll, so fasten sie dafür den ganzen Tag, an dem das Osterlamm geschlachtet wird. 5) Ia-Eschiet-Maswaet (Aehrenvpfer). Am Erntefest. 6) Bezata-maswaet (Danropfer für empfangene Wohlthaten und Errettungen). Es wird ein reiner Farren geschlachtet, der mit Brod und Bier in der Mesgid.von der ganzen Gemeine verzehrt wird. Das Fleisch wird theils gekocht, theils am Feuer geröstet. Bei allen Opfern werden die von Mose gegebenen Vorschriften streng beobachtet, das Blut aber wird von jedem Opferthier in einer Schüssel aufgefangen und verbrannt. 1) Ist noch zu erwähnen der Hebeopfer, Ja-mesgana-maswaet genannt. In Leidens- und Trüb-