Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1869)
- Date
- 1869-10-19
- Page
- Seite 856 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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856 nieder, wo sie Jahrhunderte lang verblieben. Wenigstens wisieu wir, daß unter den Schätzen Alarich's zu Carcaffon sich schöne mit Prasinen geschmückte Gefäße des Salomonischen Tempels befanden, welche er in Rom erbeutet hatte. *) Andere jüdische Kostbarkeiten aber waren dort zurückgeblieben, denn es wird uns erzählt, daß Genserich werthvolle hebräische Gefäße aus der Beute des Titus zusammen mit den aus römischen Kirchen geraubten Geschirren von Gold zu Schiff nach Karthago fortführen ließ.**) Das seltsame Wanderschicksal der alten Tempelschätze der Juden veranlaßt uns hier zu der Bemerkung, daß sie noch achtzig Jahre später von Belisar in Karthago gefunden und mit der vandalischen Beute darauf in feierlichem Triumph durch die Stadt Constantinopel geführt wurden. Der Anblick dieser heiligen Gefäße versetzte die Juden von Byzanz in verzückten Schmerz, und es scheint, sie schickten kühn eine Deputation an den Kaiser, ihr Eigenthum zu reclamiren. Wenigstens läßt Procopius, der von den jüdischen Gefäßen erzählt,***) einen begeisterten Hebräer im Dienste des Kaisers Äustinian auftreten und ihn ermahnen, er möge die mystischen Gefäße nicht in den Palast von Byzanz niederlegen; denn sie würden, so sagte der kluge Redner, nirgend Ruhe finden als an jenem Orte, den ihnen der König Salomo ursprünglich bestimmt hatte. Ihre Entfernung aber aus dem alten Tempel sei der Grund gewesen, warum Genserich die Cäsarenburg Roms, und wiederum das römische Heer den Palast der Vandalen erobert hätten, in dein sich jene Gefäße zuletzt befanden. Von religiöser Scheu ergriffen, habe Justinian, so erzählt Procopius weiter, hierauf befohlen, die alten Tempelgefäße der Juden nach einer der christlichen Kirchen Jerusalems zu bringen. Ob nun diese merkwürdige Anekdote eines Zeitgenossen Belisar's ganz oder nur halb wahr ist, sie beweist, daß noch fast fünf Jahrhunderte nach den« Triumph des Titus das Andenken an diese heiligen Gefäße sich im Gedächtniß der Menschen erhalten hatte; und wir müsien nns vorstellen, daß alle diese Jahrhunderte hindurch das Auge der Kinder Israel von Vätern zu den Enkeln herab über sie gewacht hatte. Doch seither verschwand ihre Spur, und es werden die märchenhaften Heiligthümer des Tempels Salomo's, wenn sie Jerusalem wirklich wieder erreichten, sich als arabische Beute, dem heiligen Grab vergleichbar, in den mystischen Orient verloren haben. Zu derselben Zeit Justinian's behauptete jedoch der armenische Bischof Zacharias, derselbe, welcher ein Verzeichniß der öffentlichen Werke Roms verfaßte, daß in der Stadt fünfundzwanzig eherne Bildwerke be¬ *) Procop. de hello Goth. I. c. 12. **) Theophan. Chronogr. p. 93 und Georg Cedrenus Histor. Comp. T. I p. 346. ***) Propcop. de bello Vand. II c. 4. wahrt würden, darstellend Abraham, Sara und die Könige aus dem Stamme David, welche Vespasian nebst den Thoren und anderen Monumenten Jerusalems nach Rom gebracht habe, und die Sage bei den Römern fuhr im Mittelalter fort zu rühmen, daß die Lateranische Basilika die heilige Bundeslade mit den Tafeln des Gesetzes, den goldenen Candelaber, die Stiftshütte, ja selbst die Priestergewänder Aarons verwahre.*) Vielleicht befanden sich unter derselben Beutefiotte der Vandalen, auf benachbarte Lastschiffe gepackt, der Salomonische Lychnuchus und die Statue des capitvlinischen Zeus, beide Symbole der ältesten Religionen des Ostens und des Westens. Ausdrücklich erwähnt Procopius eines Schiffs, welches mit Statuen befrachtet war, und einzig unter allen das Schicksal hatte, im Meere zu versinken, während die übrigen wohlbehalten den Hafen von Karthago erreichten. (Schluß folgt.) Curiosnm. (Meyerbeer als sein eigener Br odliefera nt.) Die Baronin Jenny v. Erdeck (man sagt, cs sei ein männlicher Pseudonym), welche jetzt im Moniteur universel „Memoiren einer alten Jungfer" veröffentlicht, erzählt folgende Erinnerung an Meyerbeer: Der Komponist ^>er Afrikanerin dinirte alle Tage im CafY; Durand der Madeleine gegenüber. Er aß nicht gern frisches Brod; jeden Tag forderte er altbackenes und nie konnte er eines bekommen. Nun war aber Meyerbeer nicht nur Komponist, sondern auch ein Rechner ohne Gleichen; man sagt sogar von ihm, er habe gewußt, wie viele Noten eine jede seiner Opern enthalte. — Eines Tags also steckte er das ihm servirte Brod in seine Rocktasche und am andern Tag brachte er es wieder mit, aß es und substituirte ihm ein frisches, das er mit sich nahm und so wurde diese Substitution und Procedur von Tag zu Tag fortgesetzt. Als er starb fand man ein kleines Brötchen in seiner Tasche, und erst lange darauf kam man hinter das Räthsel. X. *) Breocad Zachar. a. a. 0. siniiliter alia aenea XXV, refcrenlia Abrahamuni, Sarani regesque de stirpe Davidis, quae Vespasianus imperator Romani detulit post cleletam Hierosolymam cum ejusdam Urbis portis aJiisque monumentis. Man sieht, wie früh solche Legenden entstanden. Die Redaktion der Alirabil. urbis Romae, Graphia aureae urbis Romae genannt, in der Bibi. Laurent. Plut. 89 cod. 41 bei Ozanam Docum. inedits etc. p. 160 sagt noch: 1« ternplo Pacis juxla Lateranum (sic!) a Vespasiano imperalore et Tito filio ejus recondita est archa testaraenti, virga anu (wohl Aaronis), urna aurea habens manna, vestes et ornamenta Aaron, eandelabrum aureum cum VII lucernis tabernaculi, septem cath. argentee etc. Es folgt nun das Verzeichniß anderer Reliquien der lateranischen Basilika, welche sich noch im Besitze rühmt der arca foederis und der virga Aaronis. Verlag von Baunrgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. D. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.