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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-19 · Heft 42 (19.10.1869) · p. Seite 848

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 42 (19.10.1869)
Date
1869-10-19
Page
Seite 848 (sequence 12)
Language
German
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848 und die sich daran knüpfende Besprechung über eine etwas verzwickte Geldangelegenheit.*» Es wurde hierauf ein Geschäftsordnungs-Entwurf vorgelegt, besprochen, mngeändert und schließlich dem Vorstande zur endgültigen Redaktion überwiesen, um noch in dieser Cvnferenz vorgelegt zu werden. Durch den Vorsitzenden wurde dann Mittheilung gemacht über einen von Dr. Adler in Elmshorn zu begründenden neuen Lehrerverein und dessen Statuten den Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Hierauf nahm Di-. Kroner das Wort und sprach in einem lichtvolle», glänzenden Vortrage über Bildung und Erziehung im Allgemeinen, bezeichnete als Grundprincip Einpflanzung uud Förderung der Liebe zurReligion, zur Wisfenschaft und zur gesammten Menschheit, über Bildung des israelitischen Lehrers insbesondere, betonte, daß derselbe neben gründlich er Kenntniß der hebräischen Sprache Sinn für jüdische Ideen, für Judenthum haben müsse, äußerte sich bedauernd über die ungenügende Vorbereitung so mancher Präparanden, namentlich auch in der Musik und fordert schließlich, daß man ihm mit Vertrauen entgegenkommen möge. Wir zweifeln nicht, daß die freudig aufgenommenen Worte auch in weiteren Kreisen Anklang finden und Früchte tragen werden. Mit dem Anträge, eine Petition an das Cultusministerium abzusenden des Inhalts, daß der Religionsunterricht an den höheren Schulen auch für die israelitischen Schüler obligatorisch erklärt werde, welcher Antrag zur Debatte gestellt, aber wegen vorgerückter Zeit nicht zu Ende geführt wurde, schloß die erste Sitzung. Abends veranstaltete eine Anzahl Ruhrorter Herren den Conferenzmitgliedern ein heiteres Fest, wobei es hoch herging und an Reden ernsten und gemüthlichen Inhalts nicht gefehlt haben soll, wie Ref., durch Unwohlsein verhindert, demselben beizuwohnen, erfahren. Ueber die Aufnahme in Ruhrort war überhaupt nur Eine allgemeine Stimme. Die Ruhrorter haben sich durch die gastliche Hergabe freier Wohnungen und die *) In dem Städtchen H. in Westphalen soll nämlich eine Cvllekte zum Besten der Unterstützungskasse veranstaltet und der ansehnliche Betrag Jemandem zur Besorgung übergeben worden sein, ohne daß das Geld an seine Bestimmung gelangt, noch über dessen Verbleib genügender Ausweis ertheilt ist. Der Fall soll übrigens weiter untersucht, event. behördlich verfolgt werden. herzlichste Bewirthung, sowie durch Zuvorkommenheiten jeder Art gegen sämmtliche Mitglieder ausgezeichnet, was von der Versammlung auch wiederholt in dankbarster Anerkennung ausgesprochen worden. Der zweite Conferenztag begann damit, daß Bromberg (Aachen) der Cvnferenz einen Gruß des dortigen Rabbiners, Herrn Dr. Wolfsohn, überbrachte, verbunden mit dem Wunsche, daß die Berathungen und gefaßten Beschlüsse den besten Erfolg haben möchten, für welche Freundlichkeit die Versammlung durch Erheben von ihren Plätzen dankte. Die gestern besprochene Geschäftsordnung wurde hierauf in veränderter Form vorgelesen und en bloc angenommen. Alsdann trat man wieder in die Debatte über die gedachte Petition, woran sich die meisten Anwesenden lebhaft und eingehend betheiligten. Es -wurde bemerkt, daß es ein heikliges und gefährliches Beginnen sei, die Staatshülfe für unsere heil. Religion zu beanspruchen; diese habe sich seit länger als 3000 Jahren auch ohne eine solche erhalten und werde ganz gewiß auch ferner ohne sie fortbestehen; es sei zu ^besorgen, daß irgend eine Partei für ihre Zwecke einen übrigens kaum wahrscheinlichen Erfolg der zu.Petition ausbeuten dürfte; das Judenthum habe seine Errungenschaft dem Fortschritte zu verdanken und deshalb sei der Standpunkt des Lehrers zu vorliegender Frage auch naturgemäß der des Fortschritts; Zwang gegen die Eltern zum Religionsunterrichte ihrer Kinder habe erfahrungsmäßig seine Gefahren; in den Staaten ohne obligatorischen Religionsunterricht sei die Religion fester und besser begründet, als in den Staaten, wo der Religionsunterricht obligatorisch sei rc. Von anderer Seite versuchte man eine Widerlegung dieser Behauptungen, verlangte bei gleicher Berechtigung die Ausführung verbriefter Rechte rc. — Schließlich wurde dann folgende Petition fast einstimmig angenommen und gleich unterschrieben: „Die Unterzeichneten Mitglieder der am 23. Sept. d. I. in Ruhrort tagenden israelitischen rheinischwestphälischen Lehrer-Versammlung richten an Ew. Excellenz die ergebenste Bitte, veranlassen zu wollen, daß, so lan ge der Religionsunterricht für die christlichen Confessionen einen obligatorischen Lehrgegenstand der höheren Unterrichts-Anstalten bildet, dem Prinzipe der in der preußischen Verfassung ausgesprochenen Gleichberechtigung aller Religions-Gesell-

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