Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1869)
- Date
- 1869-10-19
- Page
- Seite 847 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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847 der hiesige sogenannte „Primaria-Garten" namentlich von vielen Israeliten besucht, da dieser Abend der letzte des diesjährigen Laubhüttenfestes war. Da stürzte plötzlich aus verschiedenen Alleen eine Anzahl junger Rumänen, meist Studenten des hiesigen höheren Gymnasiums, hervor nnd hieb mit Stöcken, Ruthen und andern Instrumenten, die sie zu diesem Zwecke bereit hatten, auf die eines solchen Ueberfalles nicht Gewärtigen ein. Die Schlägerei dauerte wohl eine halbe Stunde, die Bedrängten wendeten sich an die Sicherheitsorgane, deren Anwesenheit mehr eine Ironie auf die persönliche Sicherheit zu sein schien, denn das Bitten verhallte wie der Hilferuf in der Wüste. Biele israelitische junge Leute, welche stark ins Mitleid gezogen waren, eilten zum Präfecten, welcher sich sofort an Ort und Stelle begab, um die Sache zu eruiren. Als der Präfect in dem Garten erschien, hatten sich die Unruhestifter bereits nach allen Richtungen zerstreut. Er rügte wohl die Sergeanten wegen ihrer Indolenz, doch auf unsere Behörden passen trefflich Heine's Worte: „Sie predigen öffentlich Wasser und trinken heimlich Wein." Die Mißhandelten wollen die Sache noch schriftlich vor die Justizbehörde bringen, ihrer Beschwerde ist aber kein günstiges Schicksal zu prognosticiren, wenn nicht von Außen ein moralischer Druck ausgeübt würde. Die hiesige Judenschast sieht mit gerechtfertigtem Bangen dem „Morgen" entgegen, nachdem sie das „Heute" mit Schrecken verlebt hat. So sind die Zustände in der Moldau- Walachei geartet; möge dieser neue brutale Act endlich die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf die Vorgänge in Rumänien lenken. C o r r e s p o i» d e n z. Cölu, den I. Oktober 1869. Die diesjährige „Conferenz israelitischer Lehrer Rheinlands und Westphalens," welche sonst regelmäßig in der Pfingstwoche jedes Jahres stattfindet, wurde dieses Mal durch den Umstand, daß viele Mitglieder derselben die zu jener Zeit in Berlin tagende „Allgemeine deutsche Lehrerversammlung" und mehrere später die Leipziger Synode besuchten, erst Chol-lm-moed, nämlich am 22. und 23. September in Ruhrort abgehalten. Erschienen waren die Lehrer: Blumenau (Bielefeld), Blumenfeld (Essen), Gvldstein (Grevenbroich), Treu (Münster), Alsbach (Camen), Wolfsdorf (Erwitte), vr. Hulisch «Reußj, Löwenstein (Bonn), Lebenstein (Mühlheim a. d. Ruhr), Wallerstein und Heymans (Krefeld), Ollendorf (Bergheim), Cohen (Borken), Cohen (Dortmund), Goldberg (Steele), Berger (Wesel), Buxbaum(Hattingen), Cramer (Neuenkirchen', Servos (Hovestadt), Leeser (Oberstem), Rosenstein (Hüsten), Levy (Neheim , Heimann (Unna), Speyer (Geldern), Levy (Würselen), Mandel (Lippstadt), von der Walde (Wittlich), Tasten (Anrath), Oppenheimer (Coesfeld), Westheimer (Anröchte», Katz (Emmerich), Leiser (Rheine), Bromberg (Aachen), Lichtenberg (Ruhrort), Ostwald (Witten), Spier (Bochold), Lion (Geldern), Katzenstein (Kerpen), Leiser (Gindorf), Horn (Lünen), Stern (Lüdet, Haas (Haltern) und Herrmanns (Cöln). Auch der Anwesenheit und regen Theilnahme des Seminar-Direktors, Dr. Kroner aus Münster, erfreute sich die Versammlung. Der Rendant der Unterstützungskasse, Herr Rittergutsbesitzer Löb, war leider verhindert und hatte sein Wegbleiben entschuldigt. Entschuldigt waren ferner: Oppenheim (Marburg), Kronenberg (Geseke), Löb (Cölni, Ostwald (Hagen), Steinweg (Rheda), Rüben (Gütersloh) und Edelstein (Elberfeld). Auffälliger Weise conferirte genau zu derselben Zeit eine Anzahl Mitglieder in Vlotho, was manche mißbilligende Aeußerung uuter den Anwesenden hervorrief.*) Gegen 3 Uhr Nachmittags wurde die Sitzung vom Vorsitzenden, Blumenau, mit einem Gebete eröffnet und nachdem er hierauf die Versammlung in kurzer Ansprache begrüßt, machte derselbe geschäftliche Mittheilungen über den Stand der Unterstützungskasse. Dieser ergab ein Kapital von circa 4000 Thlrn., allerdings noch zu wenig für unsere Wünsche und Erwartungen, indeß in Anbetracht der geringen Betheiligung immerhin erfreulich. Ehrend wurde die Wirksamkeit Einzelner für die Unterstützungskasse erwähnt, zu allgemeineren Sammlungen aufgefordert und auf mehr Pünktlichkeit bei Einzahlung der Beiträge hingewiesen. Unerfreulich war die Mittheilung eines Faktums *) Eine telegraphische Begrüßung dieser sogenannten Lübbeker Conferenz traf erst nach Schluß der Sitzungen in Ruhrort ein, zu spät, um mitgetheilt oder erwiedert zu werden. 42*