Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1869)
- Date
- 1869-10-19
- Page
- Seite 846 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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846 drücklich (§. 20) auch der Fall rer Jmmatriculirung von Knaben vorgesehen, an denen die Beschneidung nicht vorgenommen wurde, wie z. B. wenn dieselben vor der Beschneidung gestorben sind. Ein Eingriff in die inneren Angelegenheiten des mosaischen Religions-Bekenntnisses findet durch Anordnung dieser Eintragung von Seite der Staatsbehörde nicht statt, weil die Lösung der Frage, ob ein der Beschneidung nicht unterzogener Sohn israelitischer Eltern ohne diese Ceremonie.in die mosaische Religionsgenossenschaft ausgenommen sei oder nicht, als interne Angelegenheit dieser Religionsgenossenschaft durch die Eintragung in die Matrikel nicht berührt wird. Dem Makrikenführer obliegt die Pflicht, bestimmte Thatsachen in der gesetzlich vorgeschriebenen Form zu constatiren, ohne daß dadurch dem Urtheile vorgegriffen wird, zu welchem die Religionsgcnossenschaft über ihr Berhältniß zu dem in die Rubrik Eingetragenen berufen bleibt. Die zur Eintragung in die Anmerkungsrubrik vorbehaltene Anmerkung der unterbliebenen Beschneidung mit Angabe des Grundes entspricht vollkommen der Vorschrift des $. 20 des Unterrichtes über die Führung der Judenmatriken, und ebenso ist die Gestattung zur Berufung auf den auttlichen Auftrag in der Anmerkungsrubrik durch analoge Anwendung der Vorschrift des §. 9 des bezogenen Unterrichts gerechtfertigt. Prag, im Septbr. Wir haben bereits über den Zwang berichtet, welchen die Czechen auf die böhmischen Israeliten auszuüben suchten, um sic zu der Verfassung feindlichen Wahlen zu nöthigen. Unter anderem theilt der „Prokok" folgendes Plakat mit: „Nach Pisek und Umgebung! Mitbürger! Es geht das Gerücht, daß unsere Israeliten sich fest an den Regierungs-Candidaten gegen den nationalen Candidaten halten werden! Nun es sei! Unsere Sache ist es aber, ihnen zu beweisen, daß wir ihre Handlungsweise zu würdigen wissen. Es sind der Mehrzahl nach Handelsleute, die aus dem Schweiße unseres Volkes Gewinn ziehen. Verbinden wir uns also mit einem heiligen Eide, vom 24. d. angefangen bei Keinem von ihnen, der sich unterfängt, im Wahlkampfe gegen uns zu stehen, auch nur um einen Kreuzer mehr zu kaufen. Euch wackere Landleute bitten wir, einen solchen Verräther mit Verachtung zu verlasse» und sich lieber an patriotische Firmen, deren ihr in Pisek genug finden werdet, zu wenden. Zeiget ihnen, daß ihr es eigentlich seid, von denen diese Menschenclasse sich bereichert. Verweisen wir sie einzig auf jene Handvoll Deutschthümler, die mögen sie erhalten! Und wenn wir so einmüthig handeln werden, werden wir gewiß diese Spreu aus unserer Gesellschaft schaffen, diesen Blutegel, der nur unser Blut zu saugen versteht — und bei jeder Gelegenheit gegen uns und unsere heiligen Interessen handelt?' Prag, 28. Sept. In Prag hat sich ein Verein z ur Unterstützung mittelloser is raelitischer Universitäts-Hörer gebildet, dessen Zweck es ist, mittellosen Studirenden durch Geldunterstützung und Vorschüsse die Fortsetzung und Beendigung ihrer Studien zu ermöglichen. Da nach den Statuten des Vereines das Institut der stiftenden Mitglieder (mit einem Minimal-Fondsbeitrage von 30 fl.) und der beitragenden Mitglieder (mit einem Minimal-Jahresbeitrage von 2 fl.) geschaffen wurde, so ist es den mehr und minder bemittelten Glaubensgenossen leicht ermöglicht, dem Vereine beizutrcten. Der Verein wird hoffentlich auch an allen israelitischen Cultusgemeinden, die an seinem Bestehen und Gedeihen ein Interesse haben müssen, eine ergiebige Unterstützung finden. Nen-Verbaß, l. Oct. «PrivatmittheilungIn Serbien wohnen viele Juden aus Ungarn, wie Serben jeder Confession in Ungarn. Da nun die Juden ohne Unterschied ihres Vaterlandes in Serbien den beschränkenden Gesetzen vom 28. Febr. 1861 und 4. Nov. 1864, welche die neue serbische Verfassung anstatt aufzuheben, bestätigt hat, unterworfen sind, so begab sich am 5. d. M. eine Deputation, an deren Spitze Herr Ignatz Deutsch, zu dem Ministerpräsidenten Andrassy und überreichte ihm ein Memorandum, in welchem er darum angegangen wird, die Rechte der ungarischen Unterthanen nach dem Grundsätze der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung in Serbien zu schützen. Der Herr Ministerpräsident nahm die Deputation sehr freundlich auf und sicherte ihr die Erfüllung ihres Petitums nach besten Kräften zu. Donaufürsten thüm er. Jassy, 22. Sptbr. Von hier schreibt man der N. F. P.": Gestern um die achte Abendstunde war,