Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1869)
- Date
- 1869-10-19
- Page
- Seite 844 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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844 eine große Menge höher gebildeter Kräfte absorbirende Unterrichts-- und Richterfach, den Militärberuf und die Staats - und Gemeindebeamtenlaufbahn. Je strenger sie von dem einen Saale der Gastmahle des Erwerbs zurückgewiesen werden, desto mehr drängen sie sich in den andern, auch für sie geöffneten herein; denn das Recht, an dem Mahle theilzunehmen, steht ihnen unbestreitbar zu. — y. Bonn, 7. October. (Privatmitth.) In diesen Tagen bewilligten der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung der hiesigen Stadt der jüdischen Gemeinde einen Zuschuß von 1500 Thlrn. zum Bau einer neuen Synagoge. Wer die finanziellen Verhältnisse der Stadt Bonn kennt, die, aus der kurfürstlichen und französischen Zeit ohne alles Vermögen geblieben, jetzt alle Kräfte aufbieten muß, um den Anforderungen der modernen Zeit, namentlich an eine Stadt, welche vielen begüterten Familien, wenn sie sich aus dem Geschästsleben zurückziehen, zum Aufenthalte dient, gerecht zu werden, wer, sagen wir, diese finanziellen Verhältnisse kennt, wird die gedachte Summe nicht unbedeutend finden, und um so mehr sich des Geistes der Parität und Billigkeit erfreuen, der diesen Akt diktirt hat. Insbesondere haben wir dafür dem Oberbürgermeister Herrn Kaufmann zu danken, der auf das desfallige Gesuch des Gemeindevorstandes mit Bereitwilligkeit einging und cs mit allem möglichen Nachdruck befürwortete und unterstützte. Die Stadtverordnetenversammlung trat denn auch dem Antrag des Oberbürgermeisters einstimmig bei, mit alleiniger Ausnahme des Geh. Justizraths und Professors Do. Bauerband, der sich sogar mit seinem Votum nicht begnügte, sondern auch einen Protest dagegen bei der Königl. Regierung zu Cöln einreichte. Auf den desfallsigen Bericht des Oberbürgermeisters jedoch wurde dieser katholische Protestant abgewiesen und die Schenkung genehmigt. Erinnert man sich, daß vor ungefähr 10 Jahren durch die Bemühungen desselben Stadtverordneten ein Gesuch um einen Zuschuß zu den Cultus- und Schulkosten abgewiesen wurde, so fällt der Fortschritt erfreulichst in die Augen. Bonn, das durch seine reizende Lage ausgezeichnete und vielbesuchte Bonn, das nicht minder durch seine Hochschule und viele mit derselben verbundene Anstalten glänzt, zieht gewiß durch solche Beweise der gegenseitigen Achtung und Duldsamkeit unter den verschiedenen Confessionen die Fremden immer mehr an. Denn wir können versichern, daß die obige Bewilligung innerhalb der Bürgerschaft den größten Beifall fand und viele einzelne Männer freiwillig erklärten, einen eigenen Beitrag für den Synagogenbau zu leisten, da, wie vielfach gesagt wurde, wenn es sich um katholische Anstalten handle, die Juden immer bereit wären, beizutragen. München, im Seht. (Privatmitth.) Hier erscheint ein Tagesblättchen, „das Bayrische Vaterland" betitelt, redigirt von 0r. jur. I. Sig el, das seit längerer Zeit eine Reihe von kleinen Leitartikeln unter der Ueberschrift „Jüdisches" bringt. Diese Artikelchen enthalten das Gehässigste, was je über Juden im Allgemeinen geschrieben worden. Unter der Maske der Fürsorge für das materielle und geistige Wohl der europäischen Völker ergießt hier der Ultramontanismus seinen Giftstrom in einem Maße, wie er nur aus einem solchen Gefäße hervorkommen kann. Es muß in der That schlimm aussehen in einem Verstände und einem Herzen, die dergleichen hervorzubringcn vermögen, sei es daß sie sich wirklich einbildcn was sie sagen, sei es, und das ist glaubhafter, das Volk nur täuschen wollen, um ihrem Hasse zu genügen. Wir halten es weder für ersprießlich noch nothwendig, den gedachten Artikeln irgend eine Widerlegung zu widmen. Da, wo absichtlich alle Grenzen der Wahrheit und Wirklichkeit zu einem bestimmten Zwecke überschritten werden, ist es thöricht, durch Gründe der Vernunft und Billigkeit zurückhalten zu wollen. Glücklicher Weise ist das Volk, das man verblenden will, nicht mehr so beschränkt, wie im Mittelalter, um alle möglichen Fabeln zu glauben, und wenn man ihm z.B. sagt, daß alles Geld, aller Besitz und alle Macht in den Händen der Juden sei, so sieht sich selbst das bayrische Volk doch einmal um und sieht sich die Leute an, welche in Bayern das Geld, den Besitz und die Macht in Händen haben. Es findet dann ein Dutzend Juden und viele Tausende von Prälaten, Adligen, Pattiziern, Bürgern u. s. w. und frägt es erst, wer die Schwelger,'die Genußsüchtigen u. s. w. bis zu den Trunkenbolden sind, so werden ihnen die Juden ganz aus den Augen schwinden. Und da hat sich denn Herr vr. Sigel umsonst Mühe gegeben. Mit welchen Behauptungen dieser Literat aufwartet, beweisen z. B. seine Mittheilungen,