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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-12 · Heft 41 (12.10.1869) · p. Seite 835

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 41 (12.10.1869)
Date
1869-10-12
Page
Seite 835 (sequence 19)
Language
German
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835 beschäftigen sich mehr mit dem Resultate seiner Erscheinung als mit seiner Person. Diese Liturgie ist ohne allen Zweifel ein einheimisches Werk, da die biblischen Stellen, welche sich dort finden, vollständig von der Geez-Übersetzung abhängen, indem sie sowohl von der griechischen Übersetzung wie vom hebräischen Texte abweichen. Unter diesen Gebeten habe ich eines gefunden, das die großen Leiden andeutet, welche die himyaritischen Juden in der ersten Zeit ihres Exils in Abyssinien erlitten." Flad giebt uns ausführlichere Schilderungen, aus denen wir Folgendes ziehen: Jede Mesgid besteht aus dem Kedüsa Kedusnn (Allerheiligsten) und dem Mekdas (Heiligen). Zu dem östlichen Thor dürfen nur die Priester eingehen. In das Allerheiligste hat außer den Priestern Niemand Antritt. In dem Allerheiligsten befindet sich rechts von der Thür ein Tisch, auf welchem, in äthiopischer Sprache auf Pergament geschrieben, ein Orit liegt. *) Links von der Thür sind die heiligen Kleider der Priester aufgehängt. Auf der südlichen Seite im Heiligen haben die Frauen ihren Ort; sie dürfen auch nur durch das südliche Thor ein- und ausgehen. Im Westen stehen die Debtera und im Norden die Männer, Jünglinge und Knaben. Rechts von dem östlichen Thor, außerhalb der Mesgid befindet sich der Opferaltar. Er ist aus rohen Steinen gebaut, 5 Ellen breit, 5 Ellen lang und 1 Elle hoch, er ist aber mit einem starken Zaun ringsum versehen, durch den er mit der Mesgid verbunden ist. Die Opfer werden alle auf dem Altar, auf dem sie geopfert werden, geschlachtet. Die Priester begeben sich gewöhnlich Freitag Abends in die Mesgid (nach Sonnenuntergangschlafen daselbst und beginnen mit dem ersten Hahnenschrei ihren Gottesdienst, welcher gewöhnlich mit oder bald nach Sonnenaufgang beendigt ist. Nachdem die gottesdienstlichen Ceremonien beendigt sind, wird von allen Häusern der Bemittelten Brod und Pseffersuppe mit saurer Milch in die Mesgid gebracht. Da die Falascha vom Sonnenuntergang am Freitag bis nach Sonnenuntergang am Samstag weder Licht noch Feuer in ihren Häusern anzünden, werden alle ihre Speisen für den Sabbath am Freitag Vormittag bereitet. Das in der Mesgid zusammengetragene Essen segnet der Kühen, bricht in der Mitte der Brodkuchen ein rundes Stück für sich heraus und wählt sich dazu eine beliebige Suppe aus, welche er vorerst genießt. Das Uebrige wird unter die Anwesenden reich oder arm gleich vertheilt. Dieses Essen nennen sie „Makfalt" oder Ja-endschera-Maswaet" (Brodopfer). *) Links vor der Thür stehen 2 irdene Gefäße; das Eine enthält die Asche von der rothen Kuh, das Andere enthält das Weihwasser tvergl. 4. Mos. 19). (Fortsetzung folgt.) Kleine Betrachtungen. Der Herbst ist diesmal schnell und frühzeitig über uns gekommen. Es ist, wie wenn das Jahr unsere heiligen Feste trotz deren frühem Eintritt nicht ohne ihre herbstlichen Begleiter hätte lassen wollen. Frühzeitig welkten die Blumen hin, fiel der größte Theil des Laubes von Baum und Gebüsch, ohne selbst Zeit zu haben, die mannigfaltigen Farben anznnehmen, mit welchen es sich vor seinem Niedergang zu schmücken pflegt. Die Temperatur nahm rasch einen wechselnden Charakter an und die befiederte Bevölkerung der Luft hatte ihren Abschied genommen, bevor man es merkte. Es ist eigen, der Gedanke der Vergänglichkeit ist so alt, wie der Mensch selbst; jever Einzelne durchlebt ihn an sich von dem Erwachen seines Bewußtseins an — und doch überkömmt er uns von Zeit zu Zeit wie ein ganz neuer mit aller Kraft und selbst mit dem Reiz eines solchen. Mit dem Reiz, denn die Wehmuth, die er durch unser Gemüth gießt, hat etwas Anziehendes für uns, denn, welcher Ansicht wir auch seien, die Ahnung der Dauerhaftigkeit, einer längeren und bedeutenderen Zukunft ist in der Tiefe unsere Seele immer damit verbunden, eine unbewußte Reaktion gegen den Schmerz des Niederganges. Ich liebe es, mich in die Tiefe des nahen Waldes zu versenken, und die betretenen Pfade verlassend, in das Dickicht einzudringen und dem Zufall zu überantworten, wohin er mich führen werde. Vor längerer Zeit stand ich so am Rande einer Lichtung, wo ein üppiger Graswuchs die Eichen und Buchen ersetzt hatte, die eheuials hier ihre dichten Schatten gebreitet. Am andern Ende der Waldwiese sprang ein Quell hervor und fanbtc seine kleinen, silberhellen Wellchen mitten durch die Wiese herab, an deren Rande sie sich vertheilten und verloren. Hie und da ragte noch der Sumpf eines früheren Niesen aus dem Boden hervor. Wie ich im Schatten des Waldes so da stand, kam ein junges zierliches Rehchen aus dem Dickicht hervor, und sprang fröhlich über die Wiese zu dem Rinnsal, wo es gierig seinen Durst löschte. Dann sprang es lustig auf der Wiese umher, ätzte sich hier und da an einem Grasbüschel oder an einer Blattknospe eines Strauches. Es hatte wohl jüngst erst die Mutter verlassen. Denn es war noch so niedlich unbeholfen, stolperte pst, stieß sich an eine Baumwurzel, daß es auf die Kniee fiel, sprang dann aber immer wieder um so munterer in die Höhe. Ich regte mich nicht, um es nicht zu verscheuchen, und konnte es so genau beobachten, daß seine anmuthige Gestalt, die Färbung und Zeichnung seines Felles sich meinem Gedächtnis; einprägten. Wer viel im Walde lebt, macht sich mit den Verschiedenheiten, mit den Kennzeichen und Merkmalen an Baum und Thier so bekannt, wie der Hirt mit seiner Heerde, der Mensch mit den ihn umgebenden Menschen. . Nun, auf meinen vielen Spaziergängen traf ich von Zeit zu Zeit wieder auf dieses Reh und erkannte es selbst in der Entfernung an dem weißen Stern auf seinem

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