Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1869)
- Date
- 1869-10-12
- Page
- Seite 834 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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834 Hsv. Kleide die Nackten und speise die Hungrigen, o Gott! H s g. Amen. Hsv. Du giebst allem Fleisch und Speise zu rechter Zeit. Du thust Deine Hand auf, und sättigest Alles was da lebet mit Wohlgefallen. O Herr, gieb Allen, die ihre Hände zu Dir aufheben, wenn sie's bedürfen, Speise, Trank und Kleidung. H s g. Amen. Hsv. Unser Gott, der in Seinern Worte wahr, und in Seinem Thun heilig und barmherzig ist, segne uns! H s g. Amen. Hsv. Erlöse Dein Volk und segne Dein Erbtheil! Hsg. Amen. Hsv. Friede über Israel. H s g. Amen. Das Sch lachten geschieht auf folgende Weise. Nachdem das Stück Vieh auf die Erde gelegt, werden ihm die vier Füße zusammengebundeu, der Kühen «Priester« schneidet mit einem zweischneidigen Messer — das zu keinem andern Gebrauch dienen darf — dem Thier in so vielen Schnitten als erforderlich den Hals ab. Während dessen sagt er: Gelobet sei der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Dann werden dem Thier die Füße aufgelöst und alle Anwesenden setzen sich in einen Kreis herum und warten, bis keine Lebensspur mehr zu bemerken ist, dann wird die Haut abgezogen, der Bauch ausgeschnitten, Magen und Eingeweide auf's sorgfältigste untersucht. Findet sich ein Stücklein Leder oder Lumpen darin, so ist das Fleisch „Rekus" (unrein« und wird zur Verzehrung den Hyänen und Hunden überlassen.*« Ist hingegen nichts Unreines gefunden worden, so wird dann das Fleisch in Stücke zerlegt. An den beide» Hinterfüßen werden bie' „Scholuda" (Geminiis musUle nach Jsenberg) sorgfältig herausgeschnitten. Die „Scholuda" heißen sie „Imrum la Israel“ (das sich Israel nicht zu essen geziemt, vergl. 1. Mos. 32, 32). Mit diesem pflegen sie die Katzen zu füttern. Die Getränke der Falascha sind T'alla (Bier) und T'etsch (Honigwein), letzteres wird jedoch nur von den Wohlhabenden und da nur für große Festzeiten bereitet. T'alla wird aus Dagusa, Maschella «türkischem Korn«, Sangada (auch eine Art türkisches Korn) und Gerste bereitet. Am liebsten nehmen sie mehrere Arten Frucht zusammen, die, nachdem sie gemahlen ist, zu Brodkuchen gebacken, mit einer geringen Quantität Wassers gerieben und aufgeweicht — sodann mit keimender Gerste und Gescho (Rhamnus pauciflorus) vermischt und dein Gährungsprozeß ausgesetzt wird. Diese Mischung heißt T'eff-T'eff. *i Da jede Religionspartei in Abyssinieii im Namen ihres Goltcs schlachtet, so ißt keine Partei Fleisch, das von einer andern geschlachtet wurde. — Die Falascha schlachten im Namen des Gottes Israels. — Die Christen im Namen der Dreieinigkeit. — Die Muhammedaner jagen: b'ism Allah — und die Kamanten sagen: Besek-be sek sek, d. h. schneid wacker durch. Sie wird in einem großen irdenen Krug, der mit Kuhmist und Lehmen gut verschmiert ist, aufbewahrt. Bon diesem T'eff-T'eff kann man nun nach Belieben Bier bereiten, d. h. 1 Theil wird mit 4 Theilen Wassers vermengt, welches, durch ein Sieb geschüttet, wiederum in einem irdenen Kruge, der, wie eben beschrieben, gut verschmiert ist, der Gährung ausgesetzt wird. Nach zwei Tagen ist es ausgegohren, ziemlich klar und berauschend. Es ist jedoch ein gesünderes Getränk als der Honigwein. Letzterer wird auf folgende Weise bereitet: 1 Theil Honig wird mit 6 Theilen Wassers vermengt und 6 Tage der Sonne ausgesetzt. Der Honig verbindet sich mit dem Wasser, während sich das Wachs oben im Krug sammelt. Nachdem letzteres am nächsten Tag sorgfältig entfernt worden, muß nun auch (- Theil Geschoblätter, die auf einer Platte etwas geröstet, hinzugefügt werden. Mit einem Deckel bedeckt, wird nun der Krug der Sonne 4—6 Tage zur Gährung ausgesetzt, und sobald der süßliche Geschmack verschwunden, ist das Getränk fertig. Es schmeckt dem Apfelmost sehr ähnlich. Manche, in deren Interesse es liegt, ihre Gäste bald betrunken zu machen, nehmen statt der Geschoblätter entweder Gerowa oder Zado sowohl bei der Bereitung des Honigweins als des Bieres. Diese beiden Pflanzen sind aber offenbar schädlich, denn die damit bereiteten Getränke erregen bei den Meisten Kopfweh und Erbrechen. Wir kommen nunmehr zum Gottesdienste. Jedes Dorf, so klein es auch sei, hat eine für den Gottesdienst eingerichtete Hütte. Halövy sagt: „Verschieden von den jüdischen Synagogen, welche eigentlich Versammlungsorte sind, zeigen die Mesgids den ganzen Charakter des alten jerusalemischen Tempels. Kein anderer als die Priester darf hineingehen; das Volk bleibt im Hofe, die beiden Geschlechter getrennt. Der Gottesdienst wird beim Klang von Rasseln und Schlüsseln und beim Verbrennen von Weihrauch verrichtet. Der monotone und melancholische Charakter der Gebete, von häufigen Verbeugungen begleitet, hat etwas Ergreifendes. Nach jeder Stelle, die in der Geezsprache gesprochen wird, wird dasselbe iin Kalla- Dialekte wiederholt; es werden auch ganze Hymnen in diesem Dialekte gesungen, und dann ist die Andacht am größten, weil Jedermann versteht was er betet. Die Gebete der Falascha sind voll Andacht und können neben die schönsten, welche das Judenthum besitzt, gestellt werden. Mit vielen biblischen Stellen bewahren sie bewunderungswerth diesen klagenden Ton, diese ergreifende Schilderung der nationalen Schmerzen, aber auch dieses feste Vertrauen auf eine beffere Zukunft, diesen unerschütterlichen Glauben an das glänzende Geschick des Menschengeschlechts, welcher den Fond der jüdischen Gebete charakterisirt. Jerusalem bildet natürlich den Mittelpunkt, um welchen sich alle Wünsche der Falascha drehen; aber sonderbarer Weise spielt der Messias gar keine Rolle dabei. I Sie glauben, daß irgend Jemand kommen muß, uni die I Gerechtigkeit wieder in die Welt einzuführen, aber sie