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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-12 · Heft 41 (12.10.1869) · p. Seite 833

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 41 (12.10.1869)
Date
1869-10-12
Page
Seite 833 (sequence 17)
Language
German
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Allgemein! Zeitung des Zudenthums. Feuilleton-Geilage zu Nr. 41. Leipzig, den 12. October 1869. Die Falascha's oder abyssimschen Juden. (Fortsetzung.» Das Essen wird in demselben Geschirr, in dem es gekocht wurde, von der Köchin aufgetragen. Nun wird von einem Dienstboten oder Kinde Wasser zum Händewaschen gereicht. Zuerst kommt die Reihe an den Hausvater, dann an etwaige Gäste, die Frau und Kinder und zuletzt die Dienstboten. Eine Lederhaut wird auf den Boden ausgebreitet, der Tisch von der Wand herabgeholt und auseinandergefaltet; die Hausgenossen setzen sich und der Hausvater spricht in der Falaschasprache folgendes Gebet vor Tisch. Hausvater. Gelobet sei der HErr, der Gott Israels, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der aller Menschen Gott ist. Hausgenossen. Amen. Hsv. Ihm sei Ehre, dem HErrn aller Herren sei Lob! Die waren und die kommen werden, sollen loben Ihn, der allen Hungrigen Speise giebt. H s g. Amen. Hsv. O Gott, unser HErr, gieb uns deinen Segen. Hsg. Amen. Hsv. Mit dem Segen, mit dem Du Abraham gesegnet hast, segne uns! Hsg. Amen. Hsv. Wie Du der Abitara*) Fruchtbehälter gesegnet hast, segne uns! Hsg. Amen. Hsv. Segne unfern AuSgang und unfern Eingang! Hsg. Amen. Hsv. Der Du Israel bewahret hast, bewahre uns! Hsg. Amen. *» Die Abitara war eine gotteSfürchtige Frau, die, obwohl sic sehr freigebig gegen Arme war im Austheilen ihrer Frucht, doch solchen Segen von Gott hatte, daß ihre Fruchtbehälter nie leer wurde». Hsv. Du hast gesagt, das Lob der Menschen ist meine Speise, darum bringen wir Dir unser Lob und preisen Dich in Ewigkeit. Hsg. Amen. Hsv. Lobet den HErrn mit einem neuen Lob, gebet Seinem Namen Ehre. Die Erde, und was darinnen ist, lobe den HErrn. Halleluja! Hsg. Amen. Nachdem das Gebet gesprochen, gürtet sich ein Diener oder Hausgenosse, d. h. er nimmt sein loses Oberkleid, das Schamma oder „Gabi" von den Schultern und wickelt es um seine Lenden, so daß sein Oberkörper völlig nackt ist. (Dieses Gürten ist eine Anstands- oder Höflichkeitsbezeugung. Jeder Geringere muß sich vor einem Höherstehenden gürten, wer am königlichen Lagerplatz oder Zelten vorbeigeht, muß sich gürten u. s. w.) Nun reißt er große Lappen von dem T'effbrod ab und holt damit eine Handvoll aus dem zuweilen siedend heißen Topf. Dem Hausherrn wird zuerst vorgelegt, dann den Gästen n. s. w. Wollen sie recht freundschaftlich gegen einander thun, so füttern sie sich gegenseitig, d. h. sie nehmen einen Lappen Brod, wickeln darin etwas Essen und stecken es einander in den Mund. Daffelbe tPm auch Mann und Frau, wenn sie in gutem Vernehmen stehen. Ist gerade geschlachtet, so erscheint als Nachtisch ein auf Kohlenfeuer geröstetes Stück fettes Fleisch, das mit Salz, Pfeffer, T'etsch und Galle eingerieben wurde vor dem Rösten. Rohes Fleisch (Brundo genannt) zu essen, wird von den Falascha als eine barbarische Sitte verabscheut, bei den Christen aber gilt dies als der größte Leckerbiffen. Gebet nach Tisch. Hausvater. Gott sei gepriesen, Ehre sei Ihm, denn Er hat uns mit Speise und Trank erfreuet. Hausgenossen. Amen. Hsv. Bewahre uns vor Hungersnoth. Hsg. Amen. Hsv. Bewahre uns vor Durst. Hsg. Amen. H Sv. Erbarme Dich unser und vergieb uns! Hsg. Amen.

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