Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1869)
- Date
- 1869-10-12
- Page
- Seite 828 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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828 ausgeber dieser Zeitung. Der erste trägt bei der brittischen Bibelgesellschaft darauf an, die Zunz'sche Bibel drucken zu lassen, um sie unter den Juden zu colportiren. Als Hauptgrund wird angeführt, damit man dadurch der „israelitischen Bibelanstalt", welche „der Verbreitung der Missionsbibel sehr bedeutenden Eintrag gethan" — diese Worte sind in dem Missionsblatte gesperrt gedruckt — entgegentrete. Denn die Uebersetzung unsrer Bibelanstalt sei „in den messianischen Stellen tendentiös und zum Theil unrichtig"!!! d. h. sie sind den grammatikalischen Gesetzen gemäß und darum nicht nach den künstlichen Ausleguugen der Missionaire übersetzt. Der andere Aufsatz ist ein Bericht über die Synode zu tzeizig, und gewiß „tendentiös und unrichtig." Jndeß wir streiten nur mit Männern von Geist und Kraft, nicht mit — Schwächlingen. Auch hier das gewohnte Liebäugeln der Missionaire mit den Mainzer Orthodoxen — diese Leute müssen doch wissen, wo sie Geschäfte machen können. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 27. Septbr. <N. W. T.) Eine stille aber erhebende Feier fand letzten Montag im Tempel ber Leopoldstadt zum Andenken Alexander v. Humboldt's statt. Prediger vr. Jellinek hielt nämlich an diesem Tage, dem ersten des Laubhüttenfestes, eine Predigt, in der er die hohe Bedeutung der Erforschung der Natur und ihrer wunderbaren Kräfte als eine der „Vorarbeiten" zur Begründung des wahrhaften Gottesreiches hervorhob. Einer der größten Arbeiter auf dem Gebiete dieser ehrfurchtgebietenden Wissenschaft sei der Mann, den die gesammte civilisirte Welt nun feiere, er habe die Wunder der Schöpfung und der Natur uns besser verstehen gelehrt, er hatte ein Herz für die Freiheit und einen Mund zu ihrer Wehr; sein Wirken zu ehren, sei ein Werk im Geiste der Religion. Prag, 29. Sept. Die Vorgänge am hiesigen Platze vor und bei den Wahlen zum böhmischen Landtage sind zu charakteristisch, als daß wir nicht noch folgende Correspondenz der „N. fr. Pr." darüber mittheilen sollten. Wie vehement und gewaltthätig die gegnerische Agitation bis zur letzten Stunde gewesen, konnten Sie aus den Berichten und Wahlaufrufen, sowie aus den zum Theile verstecktesten Notizen der czechischen Blätter selbst am besten ersehen; den Israeliten wurde ganz einfach das Messer an die Kehle gesetzt und der wirksamste Appell, den es da gibt, der an den Geldbeutel jedes Einzelnen, allstündlich wiederholt. Czechen, welche in das Getriebe der Agitation vollständig eingeweiht und selbst Altstädter Wähler sind, sagten mir einige Tage vor der Wahl ganz aufrichtig: „Sie werden sich wundern, wie viele und welche Israeliten wohlweislich vom Wahlplatze Zurückbleiben werden; sie sind zu eingeschüchtert." Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt, mit Wohnungskündigung und Geschäftsabbruch gedroht, Proscriptions-Listen in Aussicht gestellt, Agenten von Haus zu Haus geschickt. Mit der Einschüchterung gingen Versprechuugen aller Art Hand in Hand. Am ungescheutesten betrieb man das am Smichow, wo der Stadtrath rein czechisch ist und den Gemeinde- Angehörigen die erdenklichsten Vortheile zu verschaffen versprach, wenn sie nur Herrn Oliva wählten. In Smichow und Carolinenthal wohnen auch einige czechisirte Juden, die ihrerseits alle Kräfte anstrengten, Proselyten zu machen. Das Beispiel ist ansteckend, die Verfassungspartei hat keine schlimmeren Feinde, als eben czechisch gewordene Israeliten. Der von ihnen erwähnte Aufruf einiger solcher Carolinenthaler Ueberläufer — ob er nun wirklich von diesen ausging oder nur ihren Namen borgte? — hat seine Wirkung vielfach nicht verfehlt. Die Wahl-Enthaltung, wie sie schon auf der Neustadt vielseitig geübt worden, erscheint als der bequemste Ausweg aus fatalem Dilemma. Zu alledem kommt nun noch ein Umstand, den man jetzt — nach beendeten Wahlen — ungescheut berühren kann: die unglückliche Wahl nämlich, welche das deutsche Casino mit einigen seiner Hauptfaiseurs getroffen. Von czechischer Seite sprengte man gestern und heute die beunruhigendsten Gerüchte aus, und drohte absichtlich mit Excessen in der Josephstadt. Unter diesen Auspicien kam man zur Wahl. Auf der Stiege standen allerlei verdächtige Gruppen, aber die Ruhe wurde nirgends gestört. Die Gänge des Altstädter Rathhauses waren wieder nicht frei, und vornehmlich czechische Magistrats-Beamte und Bedienstete thaten sich durch spöttische und drohende Bemerkungen, namentlich über israelitische Wähler, hervor. Im Verlaufe des Vormittags ließ sich nichts Entscheidendes